Im Anhang: Ein Spendenaufruf der Fachakademie für Heilpädagogik, Hof und eine Lobeshymne auf unsere DWLF Zahnärztin Annette Kirchner-Schröder

von Annette Kirchner-Schröder – DWLF ID 0173 – , 11.09.2010 

Hilfseinsatz in Badacin vom 2.-5.09.2010  

Im Frühjahr dieses Jahres hatten Lorand Szüszner und ich das Heim für geistig und körperlich benachteiligte Menschen in Badacin (90 km nordwestlich von Cluj) das erste Mal besucht. Die damals erhobenen katastrophalen Befunde veranlassten uns zu einer baldigen Wiederkehr …,

… so dass wir am 2.9.10 mit dem Mercedes Sprinter der Johanniter Unfallhilfe gemeinsam von Nürnberg aus aufbrachen.

Im Auto befand sich wieder eine komplette mobile Zahnarztpraxis. Das Highlight war diesmal unbestritten der “echte” Zahnarztstuhl, der auf eine Platte mit Rollen montiert war und über eine schwenkbare Trayablage mit einer Lampe verfügte. Eine OP-Absauganlage sollte ebenfalls zur Behandlungserleichterung beitragen. Dankenswerterweise lieh uns Dieter Lehmann auch diesmal wieder seine mobile Einheit und unterstützte uns mit vielen Materialien sowie einer Sammlung an Plüschtieren für die Heimbewohner.  

annette1klein.jpgBesonders hervorzuheben ist auch das Engagement der Firma Otto Leibinger GmbH, Mühlheim. Sie schickte uns ca. 80 Extraktionshebel und eine größere Anzahl an diversen Zangen und sicherte uns bereits weitere Hilfe für das nächste Jahr zu.  

In Badacin wurden wir begeistert empfangen. Viele Bewohner begrüßten uns mit Umarmungen und hatten auch unsere Namen nicht vergessen. Vor Ort waren bereits Frau Nanne Wienands und Frau Valentina Ambros, Sozialpädagoginnen aus
Hof, die das Heim seit Jahren begleiten. Sie hatten dafür gesorgt, dass das kleine Arztzimmer bereits vorbereitet war und wir unverzüglich mit dem Aufbau beginnen annette3klein.jpgkonnten. Beim Entladen des Sprinters unterstützen uns die stärkeren Heimbewohnern voller Eifer.

Nach 2 Stunden waren wir einsatzbereit und die “Sprechstunde(n)”konnte(n) beginnen. An dieser Stelle möchte ich Lorand sehr herzlich danken. Ohne seine wochenlangen Vorbereitungen, Sortieren, Einschweißen, Sterilisieren der Instrumente, Sichten des vorhandenen Materials und Einkauf der fehlenden Dinge, Austüfteln und Bau des Zahnarztstuhlunterbaus, übersichtliches Packen aller benötigten “1000 kleinen Sachen”, nicht zuletzt die Anstrengungen einer langen An- und Abreise, wäre diese Form eines zahnärztlichen Hilfseinsatzes unmöglich.

Am ersten Tag behandelte ich die Patienten mit akuten Schmerzen. Die meisten von ihnen hatten schon seit Wochen große Probleme.Nach 7 Behandlungsstunden ging der erste Arbeitstag zu Ende. Die Krankenschwestern halfen uns beim Setzen der Patienten. Sie redeten ihnen gut zu und beruhigten sie. Peter, der Gärtner, dolmetschte in Englisch. Meine rumänischen Sprachkenntnisse während der Behandlung sind mittlerweile ausreichend, um auch einen sprachlichen Kontakt zu den Patienten herstellen zu können. Lorand assistierte während der Behandlung und erhellte das Blickfeld notfalls auch mal annette9klein.jpgmit einer Taschenlampe. Das improvisierte Wartezimmer war immer übervoll und die neuen Patienten stürmten so schnell in das Zimmer, dass uns kaum Zeit zum Aufräumen, Desinfizieren und Luft holen blieb. Am zweiten Tag arbeiteten wir noch einmal 8 Stunden, unterbrochen durch eine kleine Mittagspause. Dank Nanne und Valentina kamen auch schwächere (stärker behinderte) Menschen zur Behandlung. Manche von ihnen konnten nicht sprechen. Ihre Gebisszustände übertrafen alles bisher Gesehene.

annette11klein.jpgEigentlich gab es bei den meisten nur noch Wurzelreste, zum Teil stark entzündet. Zur Erinnerung: hier wohnen Menschen, die zwischen 25 und 35Jahre alt sind. Sie haben in ihrem Leben noch nie zahnärztliche oder zahnpflegerische Fürsorge erhalten. Da hieß es, nicht ins Grübeln verfallen, sondern Quadrantenanästhesie und Reihenextraktion. Einige von ihnen hatten solche Angst oder verstanden nicht, was mit ihnen passierte, dass sie während der gesamten Behandlung laut schrien. Das erforderte von uns allen viel Nervenstärke. Die meisten Patienten jedoch verließen geschafft, aber glücklich und stolz das Behandlungszimmer. Sie bekamen eine Zahnbürste geschenkt, sowie einen Kaugummi (natürlich zuckerfrei).

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Gegen Abend mussten wir unsere Arbeit beenden, auch wenn noch weitere Patienten auf eine Behandlung warteten. Wir waren total erschöpft.

Wir versprachen ihnen, im Frühjahr wiederzukommen… Dieser Einsatz war kurz, aber erfolgreich und wichtig. Einerseits haben wir 45 Patienten geholfen (92 Extraktionen, 13 Füllungen, 1Wurzelfüllung, 5xZahnstein). Ein ganz wichtiger Aspekt des Einsatzes ist es jedoch auch, diesen benachteiligten Menschen zu zeigen, dass es Menschen gibt, die sich um sie kümmern, denen sie nicht egal sind, die verlässlich sind und wiederkommen. Die Menschen von Ba(da(cin haben wenig Alltagserlebnisse und so ist ein solcher Hilfseinsatz ein Ereignis, von dem sie wochenlang reden können.

Lobeshymne und Spendenaufruf für eine sinnvolle Sache 

Nanne Wienands, Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Färberstr. 1
95126 Schwarzenbach/Saale
tel. 09284/801536
0160/5518825

Fachakademie für Heilpädagogik
Mozartstr. 16
95030 Hof
Tel. 09281/97041
www.fachakademien-hof.de

Pressebericht:

Zum zweiten Mal: Zahnärzte ohne Grenzen in Badacin / Rumänien

“Rumänien ist in Europa. Wer sich aber genauer dort umsieht, hat den Eindruck, dass Europa zwar die Großstädte erreicht hat, nicht jedoch die Dörfer, und vor allem nicht die einfachen Menschen auf dem Land. Und schon garnicht die sozial schwachen Menschen, Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen.”

So begann vor einem halben Jahr der Bericht über den ersten Einsatz  der “Zahnärzte ohne Grenzen” im rumänischen Badacin. Seit rund zwanzig Jahren kümmern sich die Fachakademie für Heilpädagogik gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Rehau um CITOPH, eine Einrichtung für 126 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen in Badacin; einem kleinen Dorf in der Nähe von Simleau.

Als man diese Einrichtung “entdeckte”, waren die untergebrachten Menschen Kinder. Heute, zwanzig Jahre später, sind sie junge Erwachsene. Die oberfränkische Hilfe hat bewirkt, dass sie relativ gut versorgt werden. Die Kirchengemeinde hat viele Hilfslieferungen organisiert; die Fachakademie für Heilpädagogik hat in den vergangenen
Jahren immer wieder Mitarbeiter für die Arbeit mit den behinderten Menschen ausgebildet. Seit einigen Jahre fällt immer deutlicher auf, dass die zahngesundheitliche Versorgung der Bewohner von CITOPH nicht gewährleistet ist. Viele der Bewohner litten an unerträglichen Zahnschmerzen.

Sozialpädagogin Nanne Wienands überzeugte sich gemeinsam mit der Übersetzerin Valentina Ambros von der guten Arbeit von Zahnärztin Dr. Annette Kirchner-Schröder aus der Nähe von Kaiserslautern und dem Organisator Lorand Szüszner von der Johanniter-Unfallhilfe aus Lauf an der Pegnitz. Lorand Szüszner hatte vom Behandlungsstuhl bis zum Absauggerät, vom Kompressor bis zum Sterilisator alles praktikabel vorbereitet. Zum zweiten Mal war das Team in Badacin, und die Bewohner empfingen die Helfer mit großer Freude.

In einem ersten Resümee schreibt Dr. Annette Kirchner-Schröder: “Wir haben in Badacin 45 Patienten behandelt, dabei 92 Zähne extrahiert, 13 Füllungen gelegt, eine Wurzelbehandlung abgeschlossen und fünfmal Zahnstein entfernt. Sicher ist das alles nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, aber trotzdem ist es gut. Die Zeit läuft einem eben davon, wenn man nur zweimal im Jahr kommen kann. Im Frühling sind Zähne, die man vielleicht noch hätte retten können, sicher auch reif für die Zange. Aber so ist das eben und ich versuche, mich von diesem Gedanken nicht entmutigen zu lassen. An keinem anderen Ort schlug mir bisher eine so unverstellte Begeisterung und Freude entgegen, sowie uneingeschränktes Vertrauen wie in Badacin!”

Nanne Wienands und Valentina Ambros waren genauso wie Dr. Kirchner-Schröder davon beeindruckt, mit welchem Eifer und welcher Motivation die behinderten Menschen in Badacin die Anwesenheit der Zahnärzte nutzten. “Das improvisierte Wartezimmer war immer voll,” berichtete Nanne Wienands, “und auch wenn mehrere Zähne entfernt werden mussten, kamen die Patienten zwar erschöpft, aber glücklich aus dem Behandlungszimmer.” Valentina Ambros fügt hinzu “Nach einem Tag waren alle Schmerzen vergessen. Wer nicht drangekommen war, weil die  Zeit zu kurz war, hat sich jetzt schon für den nächsten Einsatz der Zahnärzte angemeldet.” Ihr Dank gilt der Einsatzbereitschaft und dem Engagement der Zahnärztin, dem Organisator und den rumänischen medizinischen Helferinnen und Helfern. In gleicher Weise äußerte sich auch die Heimleiterin von CITOPH, Frau Mona Orosz.

Selbstverständlich wird auch in hygienischer Hinsicht alles getan, um das Bewusstsein für die Zahngesundheit zu fördern; aber es fehlte eben die frühe und rechtzeitige zahnärztliche Begleitung und Versorgung der Bewohner. Örtliche rumänische Zahnärzte in der Nähe der Einrichtung behandeln Menschen mit Behinderung nicht gerne; und ausreichendes Geld für eine Bezahlung besonderer Maßnahmen ist sowieso nicht vorhanden.

Jedem Patienten wurde in Badacin eine neue Zahnbürste und Zahnpasta gegeben. Eine große Hilfe waren die Sachspenden, die aus Oberfranken mit nach Badacin genommen wurden. Neben zahnärztlichen Handwerkzeugen waren dies auch Rollstühle, Gehhilfen, Schuhe und Winterbekleidung, aber auch Spielzeug und Wolle für Handarbeiten.

Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Rehau werden unter der Obhut von Pfarrer Thomas Wolf und den Gemeindemitgliedern im Rumänienkreis für die nächste Aktion im kommenden Frühjahr 2011 wieder Sach- und Geldspenden gesucht. Möglicherweise kann dieser Besuch auch wieder mit einem Ausbildungsangebot für die Mitarbeiter in Badacin kombiniert werden.
 
Die Sachspenden – hier ist in erster Linie zahnärztliches Material wie Pinzetten, Spritzen, Haken, Zangen, Bohrer, Spiegel, Hebel, Spatel, Kugel, Stopfer für Kunststofffüllungen, Diamantbohrer für Füllungen (Turbine), Einwegspeichelsauger, Anästhetika und Einwegkanülen können an die Fachakademie für Sozialpädagogik, Mozartstr. 16 in 95030 Hof gesandt werden.

Selbstverständlich kann man sie auch abholen lassen; Telefon 09281/97041. Geldspenden werden erbeten auf das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde,  VR-Bank, Konto: 460826, BLZ 78060896. Unter dem Stichwort “Spenden für Badacin” sind  alle Beträge eine willkommene und große  Hilfe.

Nanne Wienands, Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Färberstr. 1, 95126 Schwarzenbach/Saale
tel. 09284/801536
       0160/5518825

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