von Dr. Marcus Schifferdecker, PME Namibia

Reisebericht Dr. Marcus Schifferdecker – DWLF Verantwortlicher für Namibia

Die Zusammenarbeit zwischen DWLF und Namibia befindet sich derzeit im Aufbau –
die ersten Arbeitseinsätze werden im Q1 oder Q2 2012 möglich sein.

Am 25. Oktober 2011 ging mein Flug der Air Namibia – über Nacht wurde ich so einmal mehr aus der behüteten deutschen Zivilisation nach Afrika / Namibia transferiert.

Die ersten Tage in Windhoek waren durch die Verhandlungen mit dem namibianischen Gesundheitsministerium (MoHSS) geprägt. Meine wichtigste Kontaktperson war zwar am Anreisetag krank, aber mit Hilfe des DWLF-Präsidenten Dr. Claus Macher konnten wir schon einmal sicherstellen, dass in den Folgetagen die Meetings eingehalten werden konnten. 

Dr. Juvenary Ruta – der Chief Dentist im MoHSS (Ministery of Health and Social Services) hatte nach dem Besuch von Dr. Claus Macher die Unterzeichnung des MOU vorbereitet. Einige Punkte waren noch zu klären mit Dr. Ruta und Christian John kamen wir in der Diskussion ganz gut voran. Es ging insbesondere um die Kosten für Übernachtung und Unterkunft, die im Budget des Ministeriums erst ab April 2012 einkalkuliert sind.

Ganz wichtig war es auch nochmals klarzustellen, dass wir als Gäste nach Namibia kommen – nicht als Besserwisser. Bezüglich der Unterbringung erklärten die Vertreter des Ministeriums, dass eine einfache Unterbringung in Zelten ihnen nicht recht ist, da in den abgelegenen Gebieten zu viele Gefahren (wilde Tiere etc) lauern könnten.  

Gemeinsam mit Dr. Ruta und Frau M. Nghatanga (die Vorgesetzte im Ministerium)– trafen wir den Staatssekretär im Gesundheitsamt Mr. Kahuure – er sollte das MOU unterzeichnen.

Zu meinem Erstaunen wusste er über die gesamte geplante Zusammenarbeit des MoHSS und DWLF noch gar nichts – er war aber rasch sehr interessiert und so wurde vereinbart, dass er das MOU unterschreiben würde.

Das MOU wird zunächst auf den Distrikt Grootfontein beschränkt. Nach einer erfolgreichen Startphase unseres Projektes werden wir dann über eine Ausweitung des Einsatzareals verhandeln. Auch hierzu gibt es schon interessante Ansätze (z.B. Ombili – aber dazu später).

Abends war ich teilweise mit Mitarbeitern des Ministeriums in Windhoek zum Essen verabredet. Beim Abholen weiterer Freunde besuchten wir auch das Township Katatura in Windhoek.

Hier wurden mir die großen sozialen Unterschiede auf engstem Raum in Kombination mit einem großen nationalen Stolz nochmals vor Augen geführt. Wir hatten interessante und Gespräche an diesen Abenden. 

Nach wenigen Tagen machte ich mich auf die Fahrt nach Otjiwarongo (ca. 150 km von Windhoek) zu Kathy’s Dental Surgery. Dr. Mariana Ndyetabula und ihren Mann William, der in Tsumeb eine Apotheke betreibt, habe ich auf früheren Reisen nach Namibia kennen gelernt. Bei unserem letzten Treffen hatte mir William von seinem Plan berichtet, eine mobile Klinik – zunächst nur mit Zahnmedizin – zu gründen. Nachdem er gehört hatte, dass ich mich dem DWLF angeschlossen habe, hatte er zunächst die Hoffnung vom DWLF oder direkt von mir ein Stipendium für ein Zweitstudium als Zahnmediziner zu bekommen.

Sein Geschäftsmodell soll einmal darauf ausgerichtet sein, die weitverstreuten Farmer, die sich eine zahnmedizinische Behandlung leisten können, zu bedienen. Bei einem gemeinsamen Abendessen konnten wir über die Zielsetzung des DWLF sprechen. William hat uns daraufhin eine gute Zukunftsperspektive (wenn unsere Arbeit nicht mehr auf Grootfontein beschränkt ist) vorgeschlagen. Wir dürften in Marianas Praxis ethnische Gruppen aus dem Hinterland behandeln.

Es gäbe auch Übernachtungsmöglichkeiten in einem Guesthouse auf dem Areal. Wir könnten in ihren Räumen auch eine mobile Zahnstation aufbauen – die vorhandenen Einheiten sind nicht in einem optimalen Zustand.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Fahrt über Otavi nach Grootfonein. Mein Ziel war hier die Farm Dornhügel (www.dornhuegel.com). Irmgard und Max – die Betreiber dieser Farm sind schon seit langem Freunde von mir und meiner Familie. Über das Wiedersehen haben wir uns alle sehr gefreut. Da ich bei dieser Namibia-Reise allein reiste, war es für mich eine besondere Freude, dass Irmgard und Max mich bei meinen folgenden Erkundungsfahrten für DWLF unterstützten. 

An einem der folgenden Tage konnte ich Dr. W.A. Mwahula, – Principal Medical Officer (PMO), des Groofontein district hospital – treffen. Mit ihm konnte ich ein fruchtbares Gespräch über die Arbeit des DWLF führen, Die Klinik ist an einem Erfahrungsaustausch interessiert. Zeitgleich erreichte mich die Nachricht, dass das MOU durch das MoHSS unterzeichnet worden war.

Auf Dornhügel habe ich dann erfahren, dass Irmgard und Max ca. 300m vom Krankenhaus entfernt ein Wohnhaus haben – dieses könnte als Unterkunft für die DWLF Helfergruppen genutzt werden. 

Den Vorschlag habe ich bereits an das MoHSS weitergeleitet. Ein weiterer Ausflug führte mich – gemeinsam mit Max – in die Nähe von Tsumeb.  Nicht weit vom Von-Lindequist-Tor zur Etosha Pfanne liegt das Areal der Ombili Stiftung. Auf einem Farmgelände ist eine Buschmannsiedlung entstanden mit Kindergarten, Schule, einer kleinen Klinik inklusive einer verwaisten Zahnarztpraxis und einem Kulturzentrum. Die Station Ombili wurde mir von einer aktiven DWLF Zahnärztin, Frau Dr. Uta Henkel, ans Herz gelegt.

Hier konnte ich Frau Maren Groenewold und Herrn Alfred Schultz kennenlernen. Die beiden leiten die Ombili Stiftung seit 2009 und leisten großartige Arbeit. Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe wurden landwirtschaftliche und kunsthandwerkliche Projekte ins Leben gerufen. Frau Groenewoltd hat uns vieles in Ombili gezeigt. Die gesamte Infrastruktur und auch die Zahnpraxis wäre für uns sehr geeignet und unsere Hilfe wäre auch willkommen. Allerdings liegt auch Ombili knapp außerhalb des Distrikts Groofontein, so dass wir hier noch nicht ansetzten können. Für die Zukunft liegt hier aber sehr viel Potential, den Kontakt zu Ombili werde ich gerne aufrecht erhalten.
Der Besuch in Ombili war überaus interessant und ich war beeindruckt sowohl von der Arbeit der Stiftung Ombili als auch von dem aktiven Dorfleben. In verschiedenen Werkstätten werden Handarbeiten, hergestellt, mit deren Verkauf die Buschleute ein wenig Geld im Tourismus verdienen können.

Nun war es aber natürlich wichtig unseren eigentlichen Arbeitsdistrict näher anzusehen. Mit Irmard und Max machte ich mich daher noch einmal auf den Weg ins Buschmannland. Eine Anlaufstelle, die Max kannte, war die Klinikstation in Mangetti Dune mit der Leiterin Dr. Melitta Bosshardt. Nach der Unabhängigkeit hatte Namibia die Schweiz darum gebeten, diese Klinik von Südafrika zu übernehmen. Inmitten eines großen Distrikts (18.000 qkm) ist sie seit über 20 Jahren die einzige Ärztin. Besonders beeindruckt war ich von der Säuglingsstation mit Intensivmedizin wie z.B. Brutkästen mitten im Busch – die natürlich auch von ihr betreut wurde.

Mit wenigen lobenden Worten ist es in keiner Weise möglich, dem Einsatz von Dr. Melitta Bosshardt gerecht zu werden, ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert für die gesamte Region.

Dr. Bosshardt hat inzwischen sogar teilweise die komplizierte Sprache der San gelernt Mangetti-Dune könnte einer unserer ersten Einsatzorte in Namibia werden. Ein Raum, in dem wir arbeiten könnten ist auch schon vorhanden – er muss nur noch ausgeräumt werden.    

Im Grenzgebiet zu Botswana besuchten wir anschließend ein Buschmanndorf. Die Fahrt allein war schon ein Abenteuer. Ich hatte, in Erwartung das Buschmannland zu besuchen, ein gutes Allradfahrzeug gemietet.

Auf einer Sandpiste, die wir nur aufgrund der guten Ortskenntnis von Max einschlagen konnten, hatte unser Wagen dann doch zu kämpfen. Mehrmals mußten wir unterwegs aussteigen, uns mit Schaufeln wieder befreien und als Anfahrhilfe Bretter unterlegen. Max beruhigte mich, da ich Angst vor Schlangen hatte – bei der Hitze (ca. 40 Grad) sei mit Schlangen nicht zu rechnen. Nach einer spannenden Fahrt erreichten wir dann unser Ziel – ein San-Dorf.

Mit Max als Guide war es möglich, dass wir direkt  im Buschmanndorf selbst unsere Zelte aufschlagen durften. Am Abend wurde ein Wildschwein gegrillt und die Buschleute (sowie auch Max und ich) tanzten um das Feuer. Für unsere Arbeit werden wir in diesen Regionen einen orts- und sprachkundigen Guide benötigen. Gerade unter dem Aspekt, dass wir hier in Zukunft arbeiten und helfen können, war dieser Ausflug ganz besonders spannend und aufregend. Ich freue mich auf die Arbeit hier.

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