von Zahnärztin Anne-Kathrin Meurer
D-69124 Heidelberg – DWLF ID 0364  – 
(E-Mail:  anmeurer@gmx.de)

Arbeit in Rumänien, 21. – 28. Oktober 2010    

rum-annemeurerbeimbehandelnkleinklein.jpgZwei Tage vor Abflug war noch nicht klar, ob wir in Luncani übernachten können. Hatten zwar die grobe Zusage, aber zur Sicherheit wollte ich nachfragen und da war Gerhard Spitzer, der Leiter des Heims, natürlich nicht erreichbar.

Aber es hat sich alles geklärt….

Donnerstags ging es also los, abends bin ich in Cluj angekommen und habe dort im Hostel meine Mitstreiterin Tabea Flügge zum ersten Mal getroffen. Sie kommt aus Berlin und wir kannten uns bis dahin nur von wenigen E-Mails…

…Freitag Vormittag rief mich dann Bogdan Carp an, der uns in Cluj abholen und mit uns nach Luna in seine Praxis fahren wollte. Wenn auch zeitlich etwas verzögert, hat aber alles geklappt. Mittags waren wir in Luna, dem Nachbarort von Luncani, und hatten von 13 bis 15h Gelegenheit, Jugendliche aus dem Heim zu behandeln. Normalerweise ist die Praxis von Bogdan freitags bis 17h geöffnet, weil er aber noch zu einer privaten Veranstaltung wollte, mussten wir an diesem Tag schon früh wieder Schluss machen. Denn ohne Bogdans Anwesenheit ist uns eine Behandlung in der Praxis nicht gestattet.

Nachmittags kamen Tabea und ich also im Heim in Lucani an, wo wir erst mal mit Essen umsorgt wurden. Danach hatten wir Gelegenheit noch einen Spaziergang in der Umgebung zu machen.

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Am Wochenende konnten wir leider nicht behandeln weil die Praxis von Bogdan geschlossen war. Damit uns nicht langweilig wird hatten die Heimbewohner ein kleines Unternehmungs-Programm für uns auf die Beine gestellt. Samstags fuhren wir zusammen mit Gerhard, einem Heimmitarbeiter und vier der Jugendlichen nach Alba Iulia. Zwei von den Jungen die mitfuhren waren das erste Mal außerhalb des Ortes! In Alba Iulia haben wir uns die Cetate angesehen und auf den Wachwechsel gewartet, der Samstag Mittag besonders spektakulär mit Kreuzrittern und der Garde gestaltet wird. Danach gings in die Innenstadt, wo uns Gerhard alle zum Pizza-Essen einlud. Nachmittags fuhren wir  dann zurück nach Luncani. Sonntags machten wir zusammen mit einem Heimmitarbeiter und vier Jugendlichen einen Ausflug nach Turda, wo wir uns die Saline anschauten. Die Saline ist eine große Höhle in der früher Salz abgebaut wurde, die jetzt mit diversen Unterhaltungseinrichtungen wie Minigolf, Boot fahren etc. für Touristen hergerichtet ist. Mittags waren wir bei Marius …, dem Präsident der Organisation…, zum Essen eingeladen. Danach machten wir noch einen längeren Spaziergang durch die Cheille Turdii, eine Schlucht in der Nähe. Am späten Nachmittag waren wir alle müde vom langen Tag und fuhren zurück ins Heim.

Montags konnten wir endlich wieder behandeln. Geplant war, das wir uns um 10h mit Bogdan treffen, daraus wurde leider nichts, da Bogdan kurz vor 10h anrief und sagte, er brauche noch ca. 30 Minuten. Letztendlich kam er erst gegen 11h in Luna an. Bis 13h konnten Tabea und ich dann unsere Patienten behandeln, dann holte Gerhard uns zu einer kurzen Essenpause ab, die Bogdan nutze, seine eigenen Patienten zu behandeln.

Danach ging es weiter –  geplant war, dass wir bis 16h behandeln dürfen, aber ich konnte Bogdan überreden, dass wir zumindest bis 16.30 arbeiten dürfen, denn sonst hätten wir nicht alle wartenden Kinder geschafft.

Insgesamt konnten Tabea und ich in Luna 16 Jugendliche und Erwachsene behandeln. Bei manchen war kein großer Behandlunsgbedarf, bei anderen aber konnten wir aufgrund des Zeitdrucks nur einen Bruchteil dessen behandeln, was nötig gewesen wäre.  Wir führten dort insgesamt 7 Füllungen, 6 Wurzelbehandlungen und 9 Extraktionen durch.

Montagabend fuhren Tabea und ich dann mit Bogdan nach Lunca Ilvei. Da es über 250 km waren kamen wir erst nach 23h dort an. Im Ort musste Bogdan erst noch den Schlüssel für das Gemeinde Apartment besorgen, was sich nicht so einfach gestaltete, da er nur ungefähr wusste, wo die Dame wohnt, an die er sich wenden musste.

Dienstag und Mittwoch war die Prophylaxe für alle Kinder der ersten Klassen des Ortes vorgesehen.  Ich hatte Bogdan im Vorfeld (ca. 3 Monate vorher) gebeten, sich wieder darum zu kümmern, dass die Kinder zu ihm in die Praxis kommen. Es schien auch alles wie geplant zu klappen, denn montags kündigte er uns noch an, dass von Dienstagvormittag bis Mittwochnachmittag insgesamt 43 Kinder kommen sollten. Dienstags kamen insgesamt 26 Kinder, Mittwochvormittag  nur noch 7 Kinder. Mit einer Klasse gab es wohl  Probleme, weil die Lehrerin an diesem Tag eine spezielle Übung mit den Kindern machen musste. So konnten wir 10 Kinder nicht behandeln. Trotzdem schafften wir bei den 33 Kindern 131 Versiegelungen (6er und wenn kariesfrei  IVer und Ver), wobei wir bei einem Jungen nur eine Zahnreinigung und Fluoridierung machen konnten. Die meisten Kinder hatten keine kariesfreien Milchzähne mehr –  so lange keine Beschwerden erkennbar waren, haben wir uns aber entschlossen, diese Zähne erst mal als Platzhalter zu erhalten. Erfreulicherweise waren bei fast allen Kindern die 6er noch intakt! Zusätzlich zur Versiegelung führten wir bei allen eine Zahnreinigung und eine Fluoridierung durch. Jedes Kind bekam von uns eine Zahnpasta, eine Tube Xylitgel und eine Zahnbürste geschenkt.

Da der Mittwochnachmittag deshalb überraschend frei war, beschlossen Tabea und ich schon einen früheren Zug nach Cluj zu nehmen. Dort übernachteten wir nochmal im Hostel und flogen Freitag zurück nach Deutschland.

Insgesamt  hat die Arbeit wieder großen Spaß gemacht. Am schönsten ist eigentlich immer, die Freude und Dankbarkeit insbesondere der Jungendlichen aus Luncani zu sehen!
rumbogdanundtabeaflggekleinklein.jpgLeider waren die Behandlungsumstände nicht immer optimal. So waren wir ja davon abhängig, dass Bogdan uns die Behandlung in seinen Praxen gestattet, zudem waren wir davon abhängig, dass er die Kinderorganisation mit den Schulen in Lunca Ilvei übernimmt. Zwar hat er uns nicht verweigert, seine Praxen zu nutzen, nur waren die Behandlungszeiten besonders in Luna recht knapp gehalten. Dazu kam die etwas undurchsichtige Organisation in Lunca Illvei. Auch sind die Praxen, die er ja vom DWLF bezuschusst bekommen hat, technisch nicht ganz intakt. So funktioniert in der einen Praxis weder an Turbine noch am Winkelstück das Wasser, so dass Tabea und ich uns mit Wasser aus der Luft-Wasser-Spritze beholfen haben. (Zur Info: Bogdan benutzt beim Bohren kein Wasser!) Der Sauger hatte seine Funktion auch eher mäßig verrichtet. In der anderen Praxis hat zwar der Sauger funktioniert, dafür kam aus der Luft-Wasser-Spritze so wenig Wasser, das es schon schwierig war, das Ätzgel wieder von den Zähnen zu spülen.  Aber all diese technischen Schwierigkeiten wären nicht so schlimm, sehr unangenehm ist eben, dass die Bereitschaft von Seiten Bogdans uns zu unterstützen aus unserer Sicht nicht sehr groß ist und immer wieder vor neue Schwierigkeiten gestellt wird.

Deswegen ist es für die Zukunft eine Überlegung, weniger mit Bogdan Carp zusammen zu arbeiten, sondern die kurze Zeit unserer Rumänien-Aufenthalte für andere Einsätze zu nutzen. Auch wenn es schade für die Kinder in Lunca Ilvei ist, denn Prophylaxe in unserem Sinne gibt es dort nicht für sie, kann man eben in der gleichen Zeit an anderer Stelle mehr helfen.

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