von Dr. Peter Roth

2011 Nepal Arbeitseinsatz mit UNMIRA in remote area und in Ambipal

Zum 4. Mal war ich mit Unmira im Outcamp zahnärztlich unterwegs. Nepal ist paradiesisch schön, dennoch kein Paradies. Dies spürt man sofort,wenn man in Kathmandu eintaucht. Vieles ist einfach nicht in den Griff zu kriegen, ich denke vor allem an den Schmutz, Verkehr, das Gesundheitswesen…). Gleich am nächstenTag nach meiner Ankunft ging es in das Outcamp südwestlich von Dolaka nach Bhedpu.

Die Fahrt in solche Outcamps ist jedesmal ein Abenteuer. Um unser Camp zu erreichen, mußten wir zum Schluß noch 2 Std. in der Dunkelheit steil aufsteigen. Von den Eltern meines Dental Hygienist wurden wir schon lange erwartet. Mit Blumen, Seidentüchern und vielen kleinen Aufmerksamkeiten drückten sie ihre Freude über unser Kommen aus. Die anschließenden Köstlichkeiten ließen die Strapazen des Tages schnell vergessen.

Das Camp begann erst 1 Tag später. Nach morgendlicher Wäsche an diesem herrlich gelegenen Brunnen konnten wir in aller Ruhe die heimischen Früchte genießen. Im Hinterhof wurde für uns eine Ziege geschlachtet. Am frühen Nachmittag brachten die Träger unser Gepäck für das Camp. In der Schule stand uns dieses Klassenzimmer zur Verfügung, das wir mit Vorhängen in einen dentalen und gynäkologischen Bereich
abtrennten.

Nach den obligatorischen Begrüßungsreden konnte die Arbeit gleich beginnen. Geduldig wurde angestanden. Die Patienten hatten z.T. Fußmärsche von über 8 Std. auf sich genommen, um von Zahnschmerzen befreit zu werden. Für mich ist es immer ergreifend u. zugleich ein schönes Gefühl, da zu sein, wo man gebraucht wird. In solchen Camps ohne Strom beschränkt sich die Behandlung im Wesentlichen auf Zähneziehen, was nicht immer sehr leicht war. Ich denke vor allem an die stark zerstörten Weisheitszähne. Am Fenster gab es viele neugierige Kinder, die auch einmal Beifall spendeten, wenn ich einen hartnäckigen Zahn endlich in der Zange hielt. Zwei tüchtige DHs standen mir zur Seite, ohne die ich die 200 Patienten täglich nie geschafft hätte.

Sie konnten sehr gut injizieren, leichtere Zähne ziehen, und die Kommunikation mit den Patienten bestens herstellen. Vieles konnte ich ihnen noch beibringen, denn bei solchen Camps gilt als oberstes Gebot: Hilfe zur Selbsthilfe. Wir sahen die verschiedensten Kranheitsbilder, aber auch Erfreuliches gab es zu sehen, vor alllem, wenn die notwendige Prophylaxe durchgeführt wird, wofür die Patieten sehr dankbar sind.

Um unser Wohl bemühte sich die ganze Familie meines DHs rührend mit den besten zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln. Diese bestehen in erster Linie morgens, mittags und abends aus Reis mit Linsensoße (Dalbat), verfeinert mit schmackhaften Beigaben wie Gemüse, Eier, Kartoffeln und Fleisch von Hühnchen und Ziege. Abends nach getaner Arbeit wurde es dann richtig nepalesisch mit local wine und Tanz.

Die Tage bei der Familie waren ein richtiges Erlebnis und endeten beim Abschied mit Tränen.

Nach diesem 5-tägigem Camp lag ein langer Weg zur ersten Verkehrsanbindung vor uns- 6-7 Std. waren veranschlagt, aber es wurden 11Std., typisch nepalesisch. Ca. 2000 Höhenmeter von 1300m auf 3250m waren zu bewältigen. Nach spartanischer Unterkunft in einem Dorf brachte uns am nächsten morgen ein Bus nach Mude, von wo wir dann mit dem Jeep nach Kathmandu gebracht wurden.

Die letzten beiden Wochen verbrachte ich im abgelegenen Hospital in Ampipal, das vor 45 Jahren von United Mission to Nepal gegründet wurde und seit 2001 von Nepal Med
und Dentists without Limits im Wesentlichen unterhalten wird. Das Hospital liegt auf einer großen Naturterasse und bietet im Umkreis von 20km oder 2-3 Tagesfußmärschen für 200.000 Nepali die einzige medizinische Versorgungsmöglichkeit. Immer wieder bin ich tief beeindruckt von der andersartigen Landschaft und Vegetation mit den Reisfeldern, Bananenstauden, Orangenbäumen, Papayabäumen, Weihnachtssternbäumen…

Jeden Morgen in der Früh um 6.00 bot sich mir dieser grandiose Blick auf das Anapurna Massiv.

Dr. Wolfhard Stark, den ärztlichen Leiter des Hospitals, auf der morgendlichen Visite und im OP zu begleiten, war wieder etwas ganz Besonderes für mich. Er ist ein Generalist, wie man ihn nur noch selten findet, gerade das Richtige für diese Gegend.

Vor dem Hospital, im sog. downtown, entlang dieser Treppe, herrscht schon am frühen morgen reges nepalesisches Treiben. Pat. kommen von weit her, nicht gehfähige
Patienten werden in Form von 2-Mann Ambulanzen hochgebracht, Stroh von der Reisernte wird heimgebracht,Vorbereitungen für den local wine werden getroffen. Das ist Nepal, wie es kein Tourist erlebt.

Die Zahnstation, die über Goldspenden vieler Pat. und Kollegen von der Stiftung “DWLF“ vor ca 4 Jahren errichtet wurde, habe ich mit chirurgischen Instrumenten, Wurzelbehandlungssets,einem Winkelstück und einer Turbine in Reserve komplettiert.

Herzlichen Dank den Spendern der Firma KAVO, Kerr, Dentsply, Pluradent u. Stoma.
Prem ist ein sehr vielseitiger Dental Hygienist, der die Zähne in Ampipal zieht, Zahnstein entfernt und Prophylaxe durchführt, wenn kein Zahnarzt da ist. Hier gilt
wieder als oberstes Gebot: Hilfe zur Selbsthilfe. Während meines Einsatzes konnte ich ihm vieles zeigen, was er dankbar annahm.

Mit Prem hatte ich auch dieses Jahr die Möglichkeit,mich intensiv zusätzlich um das Ofenprojekt zu kümmern, das von Christa Drigilla 2005 ins Leben gerufen wurde.

Gerade hier im Hospital wurde ich immer wieder direkt mit den Folgen des offenen Feuers konfrontiert wie z.B. massiven Erkrankungen der Atemorgane, Gefäßerkrankungen, chronischen Augenreizungen und schwersten Verbrennungen. Als medizinische Präventivmaßname hat dieses Projekt absoluten Vorbildcharakter. Für 8€ kann eine offene Feuerstelle in eine geschlossene umgewandelt werden.

Nach 17.00, wenn die Sonne langsam unterging und nur noch die Gipfel anstrahlte, traf man sich in downtown bei local wine und Bier, tauschte allerlei Gedanken aus, meistens mit Babu Ram, Prem und Dr. Wolfhard, den unverzichtbaren Stützen des Hospitals.

Samstag ist Feiertag in Nepal, der einzige Tag für mich, die nähere Umgebung kennenzulernen. Man begegnet sympathischen Menschen. Das Namaste Rufen der Kinder mit gefalteten Händen vergißt man nicht. In den idyllisch gelegenen Häusern findet ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier statt.

Während meines Aufenthaltes in dieser abgelegenen Berggegend habe ich viel großes Leid gesehen,aber noch mehr Freude und Dankbarkeit,was mich nachhaltig sehr erfüllt.

Für mich ist immer wieder beeindruckend, wie Menschen in Ihrer Armut Würde und Menschlichkeit zeigen.

Print Friendly, PDF & Email