von Dr. Matthias Stumpf (E-Mail: m.stumpf@drstumpf.net)

Nachdem ich in den ZM davon gelesen hatte, dass „Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen” noch Kollegen suchte, stand nach kurzer Überlegung fest, dass ich 3 Wochen des Sommers dort als Zahnarzt arbeiten wollte. Ich wusste wenig über dieses Land, deshalb waren die Neugier und die positiven Erfahrungen, die ich Jahre vorher bei einem Hilfseinsatz in Brasilien gesammelt hatte mit dafür verantwortlich, dass wir im August von Berlin nach Ulan Batar abhoben.  – Wir, das waren Hildegard und Klaus, Zahnärzte aus Innsbruck und Düsseldorf und meine Frau Annegret, die als Assistenz mitkam.

Nach einem ruhigen Flug mit der MIAT, einer mongolischen Airline landeten wir sehr früh auf dem Dshingis Khan Airport in Ulan Batar. 

Empfangen wurden wir von Tuul Macher der Koordinatorin vor Ort. Mit dem vereinseigenen Allradbus ging es dann in unser Hotel. Sieben Viererteams wurden dort versammelt und in einer Einführungsveranstaltung auf den Einsatz vorbereitet. Die mobilen luftbetriebenen chinesischen Einheiten und Behandlungsstühle wurden erklärt und wir lernten unsere Dolmetscher kennen.

Diese sollten uns für die nächsten 3 Wochen überallhin begleiten.  Danach ging es in die verschiedenen Regionen des Landes per Bahn oder Bus und für uns mit dem Flugzeug. Unser Ziel war die russisch kasachische Grenzregion. Die 1100km durften wir mit einer mongolischen Fokker fliegen. Die Größe des Landes ist überaus beeindruckend und auffallend war, dass es über weite Flächen keine Landschaftsveränderung durch Menschen gab. Keine Straßen, keine Felder, keine Städte und Dörfer: Das ist das Hauptproblem der Mongolei, die extrem dünne Besiedelung, die es ökonomisch fast unmöglich macht, eine westlichen Massstäben entsprechende Infrastruktur zu entwickeln. Und deshalb waren wir dort, denn eine flächendeckende zahnärztliche Versorgung gibt es nicht. In vielen Gebieten besteht zu zahnärztlicher Behandlung nur ein sehr eingeschränkter Zugang. 

In der Provinz UVS und deren Hauptstadt Ulangom angekommen gab es ein Treffen mit Vertretern des dortigen Amtes für Gesundheit und eine kurze Führung durch das Provinzkrankenhaus, übrigens das einzige auf einer Fläche von 70000 qkm und für 90000 Einwohner zuständig. Dort gibt es ein zahnärztliches Behandlungszimmer mit zwei Zahnärzten.

Unser erster Arbeitsort war Turgen sum eine Siedlung mir einigen gemauerten Häusern- unter anderem unsere kleine Ambulanz – und vielen Jurten. Dort bauten wir dann unsere zwei Einheiten und drei Stühle auf. Behandelt wurde täglich von 7.30 bis 18.00.  Extraktionen und Füllungen hielten sich in etwa die Waage. Unterstützung hatten wir von einer Kollegin aus Ulangom. Es gab enormen Zuspruch, denn erstens stand für viele erstmals ein Zahnarzt zur Verfügung und zweitens war die Behandlung natürlich kostenlos, was bei einem geschätzten Durchschnittseinkommen auf dem Lande von etwa 85 Euro pro Monat einige Bedeutung hat. Das Landschaftsbild ist geprägt von weiten, teils kargen Grassteppen, durchzogen von Gebirgsketten mit Gipfeln über 4000 Metern. Die Menschen leben von der Tierhaltung (Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder, Kamele) zur eigenen Ernährung und zum Verkauf von Wolle und Häuten. Nahezu im Zentrum der Provinz liegt der größte Salzsee der Welt – Uvs Nur – dreimal größer als der Bodensee.

Der zweite Einsatzort war Davst sum, nach mongolischer Auffassung so ziemlich das Ende der Welt.  Wir teilten diese Auffassung durchaus. Auch dort hatten wir das gleiche Pensum und sehr viel Arbeit. Unser Ruf hatte sich so weit verbreitet, dass wir auch eine dislozierte Zwischenkieferfraktur ambulant und in Leitungsanästhesie reponieren und schienen mussten. Der Patient hatte eine Anreise von 140 km über schlechte Strasse und Piste.

In beiden Ortschaften bewegten sich die Hygienebedingungen auf einem für uns kaum vorstellbaren Niveau. Kein sauberes Frischwasser, nur Bachwasser oder ungefiltertes Brunnenwasser, unendlich viel Staub von den  Wegen, keine Abwasserregulierung und nur einfachste Latrinen. Da auch in der Mongolei die Zuckerindustrie sehr mächtig und der Aufklärungsstand über die Entstehung von Karies eher dürftig ist, ist die Arbeitsgrundlage für viele Hilfseinsätze wohl sicher. Nach diesen drei Wochen hatten wir etwa 650 Patienten behandelt, ca. 1200 Füllungen und ebenso viele Extraktionen. In Davst hatten wir dann auch die originale Steppenromantik – wir lebten für 10 Tage in einer Jurte – zu fünft.

Die Mitarbeiter der Krankenhäuser haben uns herzlich aufgenommen und bestens versorgt. Natürlich war die Art des Essens gewöhnungsbedürftig und auch nicht allen mitteleuropäisch esstrainierten Mägen zuträglich (gesalzener Milchtee, fettes Hammel- u. Ziegenfleisch in Suppeneintopfform), aber das sich Kümmern um uns Helfer war vorbildlich. In der knappen Zeit am Abend und am arbeitsfreien Sonntag wetteiferten behandelte Patienten, die ärztlichen Kollegen der Krankenhäuser und viele andere darum, uns ihre Orte und die Highlights der Umgebung zu zeigen. Wir ritten auf Mongolenpferden, machten Besuche in den Gers (Jurten=Zelte) und erlebten mongolisches Barbecue in faszinierender Naturlandschaft. Es waren sehr schöne Wochen in denen wir viel erreicht haben, die Menschen waren sehr dankbar für unsere Arbeit.  Wir haben viel Gastfreundschaft erlebt und durften die grandiosen Schönheiten des Landes sehen. Und wir werden sicher wieder kommen.

Dr. Matthias Stumpf

Zu danken haben wir für die Freundschaft der Mongolen und den Spendern die diesen Einsatz mit  Verbrauchsmaterial unterstützt haben:

  • Septodont und
  • Sanofi Aventis,
  • Frau Herzenberger von SDI,
  • Dental Bauer Salzwedel, der Aesculap AG und Heraeus,
  • DCV Instrumente (ZEPF)
  • Colténe Whaledent
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