von Dr. K.-D. Berling, (E-Mail: k-d.berling@t-online.de)
D-37581 Bad Gandersheim Tel. Praxis: 05382 – 3945

Mongolei-grenzenlose Weite

ausschnitt_baggi_britta_kopie_-klein.jpgAm Pfingstsonntag war es endlich soweit. Nachdem ich bereits in Ländern wie Kolumbien, Venezuela, Kenia und den Philippinen gearbeitet hatte ging es diesmal in die Mongolei. Mit etwas über 20 kg im Koffer brachte mich die mongolische Fluglinie MIAT nach Ulan Baator. Baggi, der auch das Ticket besorgt hatte holte mich am Flughafen ab, kurz danach kam Britta an, eine ZMF aus Köln , die gleich ein halbes Jahr in der Mongolei bleiben will. Mit von der Partie war Mascha der Dolmetscher, dessen Dienste wir gut gebrauchen konnten ,denn mit Englisch kommt man nicht überall weiter.

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Wir 4 haben 3 schöne und interessante Wochen zusammen verbracht.

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Vom Flughafen ging es zunächst nach Zuum Mod Sum, wo wir nach einem kräftigen Frühstück in der Klinik herzlich empfangen wurden. Nach kurzer Einführung habe ich mit
Britta dann Patienten behandelt. Die Ausstattung ist für unsere Verhältnisse sehr bescheiden. Es fehlt vom Blaupapier bis zur Zange vieles und das vorhandene Anästhetikum wirkt mangels Vasokonstringens nur schwach. Zum Glück hatte ich aufgrund der Vorberichte einige Karpulen mitgenommen.

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Am Nachmittag ging es zu unserer ersten Nomadenfamilie in die Jurte. Unter Beachtung einiger Verhaltensregeln fühlten wir uns gleich heimisch und bei Hammelfleisch und Wodka wurde viel erzählt, bis ein Ritt auf einem Pferd der krönende Abschluss war.

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Nach einigen Tagen wurden wir herzlich verabschiedet und fuhren nach Batsumber, wo die fehlende Wasserversorgung etwas gewöhnungsbedürftig ist .Durch Improvisation wurden die entsprechenden Hygiene-Mängel ausgeglichen und Britta freundete sich mit ihrer neuen Heimat an. Das Gästehaus ist im Aufbau und wird bald den Wohnkomfort verbessern. Der Patientenandrang war groß, da Zahnärzte aus Deutschland einen guten Ruf genießen und dazu noch umsonst behandeln ,so dass es zu tumultartigen Szenen im Wartebereich kam. Auch hier konnten wir in der freien Zeit per Pferd oder im Landrover die endlose Weite erkunden.

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Eine wirklichen Begriff von der Größe des Landes und dünnen Besiedlung bekamen wir auf der Fahrt nach Baruun Urt Sum.560 KM zum Teil über Naturpiste. Nach 10 Stunden kamen wir eingestaubt und durchgeschüttelt an. Auch hier ein herzlicher Empfang durch die Klinik –Direktorin und den beiden Zahnärztinnen, die für 58000 Menschen zuständig sind in einem Gebiet so groß wie Bayern .

klein_-_strasse_bei_sandsturm.jpgHier fand am nächsten Tag die Einweihung der von DWL gestifteten Einheit statt. Wie schon beim Empfang des ehemaligen Außenministers in Ulan Baator kamen hier die mitgenommen „guten” Kleidungsstücke zum Einsatz. Die aus der Hauptstadt angereisten politischen Entscheidungsträger waren des Dankes voll und wir überbrachten die Grüße von Claus Macher und Tuul, die Organisatoren dieser Hilfe. Baggi hatte alles bestens organisiert und so bildete ein Mittagessen mit dem Gouverneur den krönenden Abschluß. Am nächsten Tag behandelten wir überwiegend Kinder und konnten die von mangelhaftem Wasser schlecht mineralisierten Zähne sehen.

klein_-britta_und_kdzu_pferd_kopie.jpgAuf dem Rückweg überraschte uns ein Sturm, wie er selbst in der windigen Mongolei nicht oft vorkommt. Der aufgewirbelte Sand und Staub ließ zum Teil keine Sicht mehr zu, so dass wir froh waren, in Ulan Baator zu sein, denn es gab 29 Tote und zahlreiche Vermisste.

Nach einem feuchtfröhlichen Abschiedsabend bin ich bereichert um viele Eindrücke, beeindruckt von der Dankbarkeit der Mongolen und beglückt, in einem so gut versorgten Land wie Deutschland leben zu dürfen, nach Hause geflogen.

Dr. Klaus-Dieter Berling, DWLF-ID 086, Mai 2008

Verbesserungsvorschläge:

Die Situation bei diesem Einsatz im Gegensatz zu meinen vorherigen unterscheidet sich dadurch, das DWLF bereits einen einheimischen Zahnarzt vor Ort verpflichtet hat. So ist ein gemeinsames Planen zur Verbesserung der zahnärztlichen Situation möglich.

In der Mongolei scheint es mir mehr darauf anzukommen, die Kollegen in einem Prophylaxeprogramm und bei der Behandlung von Nomaden zu unterstützen, als auch die materielle Ausstattung zu verbessern und dann die Zahnärzte mit diesen Dingen vertraut zu machen.

Hier sind außer Zahnärzten auch Famulanten, Helferinnen
und Zahntechniker gefragt.

1.)Verbesserung der chirurgischen Ausstattung: Hebel aller Art, Skalpell-Halter, Nahtmaterial und ein wirksames Anästhetikum mit Vasokonstringens ,lange dünne Injektionsnadeln.

2.)Grundlagen der Hygiene verbessern: Desinfektionstücher, Bürsten zum Reinigen der Instrumente, Handschuhe, Mundschutz

3.)Instrumente zur Füllungstherapie: wie Heidemannspatel, Sonden, Pinzetten, Stopfer, Blaupapier und zur Wurzelbehandlung z.B. Guttapercha-Stifte, Papierspitzen, Lentulo,

4.)Bohrer und Diamanten zur Füllungstherapie und Winkelstücke mit niedriger Übersetzung zum Excavieren.

5.)Eine Art Karteikartensystem um einen Befund zu machen und eine Verlaufskontrolle der Behandlung zu haben.

6.)Die Patienten, auch wenn deutsche Zahnärzte behandeln, einen Beitrag zahlen zu lassen, der dem Hospital zufließt.

7.)Um Missverständnissen vorzubeugen genau vorher festlegen, welche Kosten DWLF übernimmt und welche die in die Mongolei fliegenden Kollegen.

8.)Installation eines einfachen zahntechnischen Labors um Einnahmen für die Klinik zu schaffen und die Versorgung zu verbessern.

9.) Geld für dringende Reparaturen zur Verfügung zu stellen, zB. die OP-Lampe, Wasser Zufluss und Abfluss

Mir ist natürlich klar, dass alles Geld kostet und wir auch nicht unsere Maßstäbe anlegen dürfen, aber jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt und die bisherige Arbeit von DWLF kann sich sicher sehen lassen. Auch denke ich, kann man vieles mit Sammelaktionen von Kollegen bekommen bei denen Dinge herumliegen, die nicht benutzt werden, aber zum Wegwerfen noch zu schade waren .Ich werde versuchen bei unserer nächsten Notdienstbesprechung einiges einzusammeln. Dies soll auch nur als Anregung dienen, was sich vielleicht nach und nach verbessern ließe.

Dr. Klaus-Dieter Berling 01.06.2008

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