von Kolmann Deuerlein, PME Kapverden (E-Mail: verwaltung [at] dwlf.org)

„Die Kapverden – Cabo Verde brauchen die Hilfe von DWLF!“

  • Memorandum of Understanding (MoU) und Work Plan sind unterschrieben
  • Einsätze ab Herbst 2015
  • Enormes Aufgabengebiet
  • Einsatzteilnehmer gesucht
  • Was wir von DWLF uns von Ihnen erhoffen:
    Dass Sie viel und gründlich arbeiten werden. Und: Dass Sie ein Land, das nicht in jedem Reisekatalog aufgeführt ist, lieben werden!
cv_fangfrisch

Fangfrisch

Pedro Gregorio Lopes, Architekt mit Büros in Berlin und Praia, kam im Frühjahr 2015 auf uns zu: “Die Kapverden – Cabo Verde brauchen die Hilfe von DWLF!”

Eine Bedarfs- und Machbarkeits-Analyse der DWLF-Geschäftsstelle führte zu dem Ergebnis, “da hat er Recht!”. Und schon die erste Kontaktvermittlung zum kapverdischen Gesundheitsministerium zeigte, dass der basiszahnmedizinische Behandlungsansatz der Stiftung sehr gut zu einem neu aufgelegten Regierungsprogramm “Buca Dental” kompatibel ist.

cv_da_is_was_los

Da ist was los

Der Einladung, in der Zeit vom 25.05. bis 01.06.2015 an den Regierungssitz nach Praia zu kommen, um dort ein Memorandum of Understanding (MoU) sowie einen Work Plan zu verhandeln, sind wir daher gerne gefolgt. Beide Dokumente wurden am 01.06.15 im Büro von Gesundheitsministerin Cristina Lima unterzeichnet. Ministerin Lima ist gleichzeitig stellvertretende Ministerpräsidentin.

Die Kapverdischen Inseln liegen mitten im Atlantik, gut 600 Kilometer westlich des Senegal oder etwa auf der Höhe der Karibik. Ciudad Velha, ca. 15 Kilometer vor Praia, ist die erste von Europäern außerhalb Europas gegründete Stadt (1495). Und wie es offenbar kommen musste, wenn man zwischen Afrika und der Karibik liegt, war Ciudad Velha ein wichtiger Umschlaghafen für Sklaventransporte. Angesichts häufiger Piratenüberfälle und nach der Einstellung des Sklavenhandels verloren die Kapverden an Bedeutung.

cv_festung_ciudad_velha

Festung Cuidad Velha

Natürliche Rohstoffe gibt es nicht, auch die Salzgewinnung ist wegen des Sandeintrags der Winde aus der Sahara nicht mehr lukrativ. Noch unter portugiesischer Kolonialflagge Ende der 50er Jahre waren die Inseln so verarmt, dass Hungersnöte zur Auswanderung zwangen. Was heute bleibt sind die Einnahmen aus dem Tourismus vornehmlich auf den Inseln Boa Vista und Sal mit ihren Traumstränden sowie insbesondere die Rücküberweisungen ausgewanderter Kapverder.

Heute leben ca. 700.000 Kapverder in Übersee wohingegen sich auf die bewohnbaren Inseln Cabo Verdes 500.000 Einwohner verteilen. 54% sind jünger als 24 Jahre. Und hier setzt Buca Dental an.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 hat die Regierung sehr viel Energie in den Aufbau einer Infrastruktur investiert. Mit Buca Dental soll nunmehr die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen verbessert werden. Und das ist dringend nötig: Wenn zwei von drei Kindern gerade eine Süßigkeit im Mund haben, so packt das dritte Kind soeben eine Süßigkeit aus dem Einwickelpapier. Vor den Ganztagesschulen gibt es nicht etwa Verkaufsstände für Lebensmittel als Kantinenersatz, nein, es werden wiederum ausschließlich Süßigkeiten angeboten. Die Zeit der Kapverden als ehemalige Zuckerrohrinseln lässt grüßen! So ist der zahnmedizinische Behandlungs- und Aufklärungsbedarf enorm.

cv_nur_extraktionen

Leider nur Extraktionen möglich.

Gleichwohl sind die finanziellen und logistischen Mittel des Gesundheitsministeriums beschränkt. Da heißt es Prioritäten zu setzen und anderen medizinischen Bereichen den Vorrang zu geben.

Über die Hauptinsel Santiago mit der Hauptstadt Praia – und nur diese Insel haben wir besucht – sind mehrere Gesundheitszentren verteilt. Vier von fünf Behandlungseinheiten für Zahnmedizin sind nicht funktionsfähig. Wöchentlich kommt eine Zahnärztin vorbei, sie muss sich notgedrungen auf Extraktionen beschränken. Im Schnitt werden täglich lediglich acht Patienten behandelt, kein Wunder bei diesem doch sehr überschaubaren Dienstleistungsangebot. Die Stühle und Röntgengeräte für Einzelaufnahmen sind fast neuwertig, aber nur nicht richtig angeschlossen. Hier sind vier Entwicklungsautomaten und ein Dentaldepottechniker gefragt. Ob jemand Interesse hat?

Mit der vorhandenen Ausrüstung ist im Augenblick also kein Staat zu machen. Daher haben wir uns verpflichtet, zwei MDDC`s (Mobile DWLF Dental Clinics) zu bestellen, wie sie auch in anderen DWLF-Gastländern zum Einsatz kommen. Nur so kann schnell und effizient Hilfe geleistet werden. So können gleichzeitig zwei Teams zu je vier Einsatzteilnehmern an verschiedenen Orten in für DWLF gewohnter Weise Basiszahnmedizin anbieten.

Für Konfektion, Beschaffung und Transport der Behandlungseinheiten nach Kapverden ist ein Zeitraum bis Herbst 2015 eingeplant. Gleichzeitig  gilt es die ersten Behandlungsteams zu rekrutieren: je ein(e) Zahnärztin/-arzt mit langjähriger Berufserfahrung, ein(e) Zahnärztin/-arzt mit Approbation, die mindestens drei Jahre zurückliegt und um die Effizienz auf das in Europa übliche Niveau zu steigern, werden je zwei Zahnarzthelfer/Prophylaxeassisten/-innen) fester Bestandteil der Einsatzteams. Oder auch ein(e) Zahnarzt/-ärztin mit weniger als 3 Jahren Berufserfahrung in der Funktion eines Helfers.

Behandlungsansatz: Basiszahnmedizin, vor allem weg von den bloßen Zähnen ziehen. Behandlungsräume werden von der Regierung zur Verfügung gestellt. Die Kautelen orientieren sich an lokalen Standards.

Konkurrenz zu den niedergelassenen (Privat-)Zahnärzten ist nicht zu befürchten. Ganz im Gegenteil will Ministerin Lima erreichen, dass sich die Einsatzteams nicht nur mit den Zahnärzten aus dem öffentlichen Sektor fachlich austauschen sondern auch Privatzahnärzte an ihrer Expertise teilhaben lassen.

cv_vereinz_bergdorf

Vereinzeltes Bergdorf

Die Patienten sind vornehmlich Kinder und Jugendliche, aber nicht nur, denn der eine oder andere Erwachsene wird sich sicherlich mit seinen Zahnschmerzen zur Visite melden. Die Schulen halten ihre Kinder heute schon zur Zahnhygiene an. Es ist rührend anzusehen, wie die Achtjährigen gemeinsam im Open-Air-Waschraum ihre Zähne schrubben – zwischen zwei Lutschbonbons eben.

Da unsere Einsatzteilnehmer zumindest in der ersten Zeit von lokalen Dolmetschern begleitet werden, sind kreolische/portugiesische Sprachkenntnisse nicht erforderlich. Wer hat die schon so en passant? Mit französischen oder englischen Grundkenntnissen kommt man sehr weit – und Zahnschmerzen sind international mit Gesten und Gebärden behandelbar. Zumindest unsere aus anderen Ländern erfahrenen Einsatzteilnehmer sind hierin schließlich geübt.

cv_vulkanlandschaft

Vulkanlandschaft

Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage der Unterbringung. Jedenfalls wollen wir vermeiden, auf Hotels zurückzugreifen. Es müssen sich, wie auch in den anderen DWLF-Einsatzländern, günstigere Übernachtungsmöglichkeiten finden lassen. Angedacht ist, Appartments zu einem im Vergleich zu Hotels deutlich(st) günstigeren Preis zur Verfügung zu stellen. Versprechen können wir derzeit noch nichts, aber mit Pedro Lopez und seinen lokalen Kontakten im Rücken sind wir sehr zuversichtlich. Ziel ist EUR 250 p.P. für 14 Tage: 3 Zimmer Queensize Bed, 2 Bäder deckenhoch gefliest, Wohnzimmer, voll eingerichtete Küche. Nichts versprochen! Wir verhandeln noch!

Einsatzdauer: Unter DWLF-Flagge 14 Tage, Verlängerung auf privater Basis macht auf jeden Fall Spaß. Ob wir das Appartment auch auf privater Basis zur Verfügung stellen können, steht derzeit noch in den Sternen.

Verpflegung: Liebhaber von Fischen und Krustentieren finden ein preiswertes Eldorado. Alle anderen sollten Fischliebhaber werden. Es lohnt sich!

Flüge: mit TAP über Lissabon. Wir hatten mit EUR 750 hin und zurück relativ teure und zeitlich ungünstige Flüge. Dies lag zu einem guten Teil an der kurzfristigen Buchung. Hier besteht noch Informationsbedarf. Flüge zwischen den Inseln mit TACV liegen bei EUR 99 inkl. Gebühen und Abgaben.

Klima/Wetter (auf Santiago): 360 Tage Sonnenschein im Jahr. Stets eine leichte Brise oder heftigerer, abkühlender  Wind. Temperaturen nachts selten unter 19 Grad Celsius. Regen im August/September für ein paar Stunden, dann aber wieder Sonne. Santiago leidet unter Wasserknappheit.

Landschaft (auf Santiago): vulkanisch, hochaufragend aus dem Atlantik. Steine gibt es jedenfalls genug, Anbaubare Erde nur in den Senken.

Kultur (auf Santiago): Jennifer Lopez oder Gloria Estefan haben sich ihre Themen und Rhythmen aus Cabo Verde geholt und vermarktet. Auf Praias Plateau gibt es jeden Abend Musik vom Feinsten.

Sicherheit (auf Santiago): Man muss ja nicht unbedingt nachts nach Hause laufen, schließlich kostet in Praia ein Taxi zwischen 2 und 2,50 EUR. Über Land sind die Preise mit dem Taxi oder dem Aluguer (Sammeltaxi) überschaubar. Mietwagen teuer.

Transport von und zum Flughafen sowie zu den Einsatzorten übernimmt das Gesundheitsministerium.

Reisekostenzuschuss: Müssen wir noch festlegen, vergleichbar mit anderen Einsatzländern. Siehe Reisekostenordnung auf der Homepage.

Was möchten Sie noch wissen?

Bewerben Sie sich einfach! Bitte informieren Sie sich über die Philosophie von DWLF sowie unter www.scimus-ethik.org.

Sehr gerne höre ich wieder von Ihnen per Mail. Ich rufe oder maile zurück.

von Kolmann Deuerlein
PME für CV

Querverweis: MoU und Work Plan erscheinen demnächst auf der Homepage.

Print Friendly, PDF & Email