von Dr. Joachim Rückert, Zahnarzt und
Julia Reinhart, zahnmedizinische Fachangestellte

von Links nach Rechts: Dr. Joachim Rückert, Zahnarzt Julia Reinhart, zahnmedizinische Assistentin Lorand Szüszner, Fahrer und Allroundman Eduard Rudolf, Koordinator vor Ort

1. Nach 18 Monaten Pause setzten wir zwischen 08.11. und 18.11.2011 das im Vorjahr begonnene Projekt fort: Zahnbehandlung im Tal nördlich von Brasov für arme Leute, die sich wegen Geldmangel sonst keinerlei ärztliche oder zahnärztliche Hilfe leisten können. Ora international arbeitet dort mit einem rumänischen Pastor zusammen, der sich seit einigen Jahren um die besonders benachteiligte Volksgruppe der Roma kümmert. Parallel zu unserem zahnärztlichen Projekt versorgt seit Juli 2009 ein Internistenehepaar aus
Innsbruck immer wieder nachhaltig diese Patienten.

2. Die Benutzung einer einheimischen rumänischen Zahnarztpraxis hatte sich im Jahr vorher als nicht gangbarer Weg gezeigt. Die recht abenteuerlichen Umstände dieses ersten Einsatzes werden in unserem vorausgegangenen Bericht vom Feb 2010 geschildert. Auf der Suche nach besseren apparativen Möglichkeiten stieß ich auf die wunderbare charitative Arbeit, die durch die Stiftung “Zahnärzte ohne Grenzen” (Sitz in Nürnberg) auf der ganzen Erde durchgeführt wird. Diese Leute verfügen über mehrjährige Erfahrung – betreffend zahnärztliche Behandlungen in der Dritten Welt. Nach sehr ergiebigen Recherchen ließ ich mich als Mitarbeiter dieser Organisation registrieren und kann seitdem auf das organisatorische und apparative know how der Stiftung zurückgreifen. Deren Aktivitäten und  Tätigkeitsberichte findet man im Internet unter www.dentists-without-limits.de

3. In der Rumänienhilfe arbeiten die “Zahnärzte ohne Grenzen” wiederum mit der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. zusammen, die in der Person von Herrn Lorand Szüszner einen über Jahrzehnte erfahrenen Experten in puncto Rumänienhilfe vorweisen kann. So schloss sich der Kreis auf wunderbare Art und Weise – ausgehend von Hanspeter Hofinger (ORA international Österreich) über die Zahnärzte ohne Grenzen bis zu den Johannitern aus Lauf a.d.Pegnitz.

4. Diesmal mussten wir also eine Zahnarztpraxis mit sämtlichen Apparaten und Behandlungsmitteln selbst mitbringen und transportieren. Lorand Szüszner stellte einen Transporter “Mercedes Sprinter” zur Verfügung, in den er seine vollständige zahnärztliche Bahandlungseinheit inclusive Kompressor und Saugmaschine verlud – außerdem umfangreiche Beschrankungen, angefüllt mit zahnärztlichen Instrumenten und Verbrauchsmaterialien aller Art. Wir komplettierten die hier vorhandenen Instrumente und Materialien noch durch zahlreiche Dinge aus unserer eigenen Praxis.

5. Lorand Szüszner steuerte diesen zahnärztlichen Transport persönlich durch Österreich und Ungarn bis Rumänien, wo er uns zeitgenau am Flughafen in Cluj abholte. Nach mehrstündiger Fahrt erreichten wir dann Apaca, 25 km nördlich von Brasov gelegen. Eine Gruppe Roma erwartete uns dort schon zum Abladen. In einem Saal der freichristlichen Gemeinde Apaca konnten wir dank der routinierten Regie und Vorgehensweise von Lorand Szüszner die Zahnarztpraxis nach einer guten Stunde Installationsarbeit in Betrieb nehmen.

6. Die Bedingungen unserer Arbeit waren mit denen von 2010 überhaupt nicht zu vergleichen. Sieht man einmal davon ab, dass uns auch diesmal keine Röntgeneinrichtung zur Verfügung stand, war ein Behandlungsstandard möglich, wie wir ihn von Deutschland her gewohnt sind. Im Laufe der Woche fanden wir auch unter den speziellen Bedingungen zu einem sehr effizienten Behandlungsstil, bei dem sich im Dreierteam jeder Handgriff in den nächsten fügte. An dieser Stelle sei auch ausdrücklich den beiden Mitarbeitern gedankt, ohne die nichts gegangen wäre: Julia Reinhart als umsichtige, hoch ambitionierte zahnmedizinische Assistentin, die schier Unglaubliches immer gut gelaunt leistete und Lorand Szüszner als “Allroundman”: technischer Direktor, Fahrer und begabter Aushilfsassistent beim Behandeln.

7. Auf diese Weise haben wir 28 Personen behandelt, die jeweils öfter zu teils ausgedehnten Behandlungen kamen. Das war dann die Bilanz in Zahlen:

202 Kunststofffüllungen, 18 Extraktionen und sogar 7 Zahnrettungen durch Wurzelfüllungen. Beim ersten Einsatz erschien uns der Zustand der vorgefundenen Zahnbefunde wie ein Fass ohne Boden und wir wussten eigentlich gar nicht, wo wir anfangen sollten. Doch während des zweiten Aufenthaltes zeigte sich nicht nur ein Silberstreif am Horizont, sondern bei 15 Patienten konnte die konservierende und chirurgische Sanierung abgeschlossen werden, bei weiteren sind wir sehr weit gekommen und werden beim nächsten mal auch diese Patienten “als geheilt” entlassen. Und an neuen Patienten wird es natürlich in Zukunft nicht fehlen.

8. Wäre noch darauf hinzuweisen, dass Eduard Rudolf, der die Leute aus dem Romadorf betreut, seit 10 Jahren in bewundernswerter Weise dafür sorgt, ihnen eine Perspektive für ihr Leben zu zeigen. Neben dem Erlernen von Berufen spielt natürlich auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem eigenen Körper eine Rolle. Solche Dinge müssen viele erst noch lernen und die Zahngesundheit ist hier eben auch ein Baustein.

8. Bleibt der Blick in die nähere Zukunft: die Arbeit ist bei einzelnen vollendet, bei anderen wird das Begonnene  weitergeführt. Schon Ende April/Anfang Mai 2012 wird der nächste Einsatz stattfinden – hoffentlich mit den gleichen Voraussetzungen wie gerade beschrieben. Wir freuen uns alle sehr darauf.

Joachim Rückert

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