Am Samstag, den 19.10. und am Sonntag, dem 20.10.2013 ging die DWLF Jahrestagung 2013 in Nürnberg im Haus der internationalen Beziehungen- im Heilig Geist Spital, erfolgreich über die Bühne.

Bild 0aZahnärzte/Innen und Helfer/Innen, Interessenten und DWLF- Einsatzteilnehmer-Veteranen bundesweit fanden sich im Heilig-Geist-Spital- im Haus der internationalen Beziehungen am Hans-Sach-Platz in Nürnberg zusammen, um sich über die Arbeit und über die Projekte der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ (DWLF) zu informieren, sei es, sich einen allgemeinen Eindruck über die Arbeit von DWLF zu verschaffen oder sich über die Einsatzländer, in denen DWLF tätig ist bzw. sein wird, zu verschaffen. DWLF-Mitstreiter und die Projektmanager der einzelnen Länder (PME= Projektmanager Europa) berichteten eindrucksvoll über die Einsätze in der Mongolei, in Nepal, Sri Lanka, Sambia, Namibia, Ecuador/Bolivien, Rumänien, Palästina und Indien. Auch die wichtige Arbeit der Straßenambulanz Nürnberg (Straßenambulanz Franz von Assisi) wurde vorgestellt. Viele Menschen unterschätzen es, dass es erschreckend viele Leute gibt, die nicht versichert sind. Nicht nur Immigranten sind davon betroffen, sondern auch Deutsche, die irgendwann durch das soziale Netz gefallen sind. Das geht vom Obdachlosen bis zum Selbstständigen, der sein Geschäft aufgeben musste. Und die Zahlen werden immer größer.

Bild 0bFür eine spannende Reise in Bildern und Eindrücken sorgte der Zahnarzt Dr. Reinhard Steiner, der sich 2012 mit seinem Sohn, dem Fotografen Alexander Steiner, mit einem ausrangierten VW Krankenwagen mit Allradantrieb im Rahmen der Dental Express Mongolia Charity Rally auf die lange Reise von London nach Ulaanbaatar begab.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Univ. Prof. Dr. Dr. Reichl mit dem Streitthema: „Moderne Amalgame- die bessere Alternative? Zur Toxikologie von Amalgam.”

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei der Firma Sanofi Aventis für die großzügige finanzielle Unterstützung zu unserer Jahrestagung bedanken sowie bei Dr. Willi Scheinkönig, der das Sponsoring organisiert hat. Die Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, sich am Stand von Sanofi Aventis über die aktuelle medizinische Produktpalette zu informieren.

Die Geschäftsführerin von DWLF, Tuul Sodnompil, führte souverän durch das umfangreiche, aber spannende Programm, der Präsident der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“, Dr. Claus Macher, eröffnete die Veranstaltung mit einer eindrucksvollen Rede und wies nochmals auf die Nützlichkeit des DWLF- Buttons hin. (Anmerkung der Redaktion: – und holte einen Mundschutz aus der Tasche und hing diesen an seinen Button- eine praktische Lösung für den Zahnarzt)

Die Eröffnungsrede von Dr. Claus Macher können Sie hier lesen:

Eröffnungsrede von Dr. Claus Macher zur DWLF Jahrestagung 2013

Anschließend gab er das Wort weiter an Dr. Norbert Schürgers, den Leiter des Amtes für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg.

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal ganz herzlich bei ihm dafür bedanken, dass wir in diesem Jahr wieder den kleinen Saal im Heilig-Geist Spital kostenlos zur Verfügung gestellt bekamen. Mit ihm als Vertreter der Stadt Nürnberg an der Seite von DWLF hat die Stiftung einen wichtigen Stellenwert bekommen- als European Foundation mit Sitz in Nürnberg- der Stadt der Menschenrechte.

Als Vertreter und 1. Vorsitzender des FZM (Förderkreis der Zahnheilkunde Mittelfranken) richtete Dr. Willi Scheinkönig ein paar enthusiastische Worte an die Teilnehmer.

Nach den Ehrungen der beiden DWLF-Büromitarbeiter, Herrn Kolmann Deuerlein und Frau Franka Selz, berichteten Roland Stubenvoll, der Leiter der Straßenambulanz Franz von Assisi, Verband der Caritas, und Dr. Bernhard Lohbauer, Zahnarzt und Ehrenamt in der Straßenambulanz, über den Freiwilligendienst der Caritas. Zahnärzte können sich für dieses Projekt zur Verfügung stellen um Menschen, die keine Versicherung haben und teilweise sogar nicht „Wartezimmertauglich“ sind, nach Feierabend in der eigenen Praxis zu behandeln. Die Straßenambulanz Franz von Assisi ist eine Einrichtung, von der sozial schwächere Menschen aufgefangen werden. Sie bekommen u. A. die Möglichkeit, ärztlich versorgt zu werden und ggf. neu eingekleidet zu werden.

Nach diesem ergreifenden Bericht von Herrn Stubenvoll und Dr. Lohbauer hatte das Wort die Geschäftsführerin und Projektmanagerin Europa (PME) für die Mongolei, Frau Tuul Sodnompil. Sie stellte Ihr Heimatland kurz vor und verdeutlichte anschaulich mit Zahlen die immer mehr werdenden Pro-Kopf Behandlungen und Einzelleistungen während der Mongoleieinsätze der letzten 7 Jahre (seit 2007).

Der nächste Einsatz in der Mongolei findet vom 15.07.-05.08.2014 statt. Bei Interesse melden Sie sich bitte in der DWLF Geschäftsstelle bei Frau Sodnompil. (info@dwlf.org)

Frau Dr. Heike Walter löste Frau Sodnompil ab, indem sie von ihren Eindrücken vom DWLF Einsatz 2013 in der Mongolei (18.07. bis zum 08.08.2013) mit einer sehr eindrucksvollen Präsentation berichtete. Dabei gab sie wichtige Tipps, wie man sich im Land verhalten sollte und was auf einen zukommen könnte. Jeder Einsatz ist auch ein kleines Abenteuer, wo es auch heißt, improvisieren zu können. Europäische Hygienestandards findet man nicht vor.

Dem Bericht von Dr. Walter folgte eine Präsentation über die Lage der Outreachcamps und die Einsatzmöglichkeiten in Nepal. Der Zahnarzt und Projektmanager Europa (PME), Peter Reithmayer, organisiert die Trekking Camps in Nepal. Leider konnte die Projektmanagerin Europa (PME) für das SKM Hospital, Dr. Sybille Keller, nicht anwesend sein, da sie sich z.Z. wieder in einem Einsatz in Nepal befindet, aber sie hat über Herrn Reithmayer ihre Grüße ausrichten lassen.

In Asien bleibend präsentierte anschließend die Zahnärztin und Projektmanagerin Europa (PME) für Sri Lanka und Mitglied im beratenden Vorstand, Frau Marlene Nißl, die aktuelle Lage in dem Inselstaat. DWLF wartet z.Z. noch auf das Memorandum of Understanding (MOU) seitens des Gesundheitsministeriums, damit DWLF schon bald Einsätze in u. A. Polonnaruwa starten kann. Seit Juni 2013 konnte als PMG (Projektmanager im Gastland) die ehrenamtlich tätige Anwaltskanzlei Cooray & Cooray in Sri Lanka gewonnen werden. Sie wird in Zukunft der Kontakt zwischen DWLF und dem Gesundheitsministerium sein.

Nach einer Mittagspause berichtete der Zahnarzt und DWLF- Veteran Franz Pokorny über die Tätigkeiten in Sambia. DWLF konnte mit dem Projektmanager im Gastland (PMG), Herman Striedl, einem Ur- Bayer, der vor Jahrzehnten nach Sambia ausgewandert ist, einen wichtigen Mann gewonnen werden. Er verfügt über wichtige Kontakte, u. A. zum Gesundheitsministerium, allein schon über seine Ehefrau, die Gouverneurin in Siavonga war. Er ist ein Organisationstalent- ohne ihn läuft in Sambia nichts. Die DWLF- Einsatzteilnehmer lässt er für eine kleine Tagespauschale auf seiner Lodge Sandy Beach, welche traumhaft am Kariba See liegt, wohnen. Er organisiert von dort aus die Einsätze, u. A. auch die in den Outreach mit der Mobilen Zahnarzteinheit sowie das Freizeitprogramm für die Einsatzteilnehmer.

Einsatzaufruf für Sambia:

Das weitere wichtige Projekt in Afrika ist Namibia. DWLF organisierte bis jetzt nur Einsätze nach Grootfontein ins District Hospital und ins umliegende Outreach. Verantwortlich für Namibia und Grootfontein ist der Projektmanager Europa (PME), Dr. Marcus Schifferdecker. Leider konnte er bei der DWLF Jahrestagung nicht anwesend sein, da er zurzeit eine neue Einsatzmöglichkeit für DWLF in Cuba erforscht.

ZA Franz Pokorny (PME Sambia)

Dr. Stefan Rohr (PME Namibia)

Neu dazugekommen ist die Karas- Region im Süden des Landes mit der Hauptstadt Keetsmanshop. Diese Region wird von Dr. Stefan Rohr als Projektmanager Europa (PME) betreut. Er schildert an Hand einer Präsentation, was die Einsatzteilnehmer in der Karas- Region, welche sich sehr stark vom Norden Namibias unterscheidet, erwartet. Eine Gruppe konnte bereits in Keetsmanshop im September 2013 arbeiten.

Keetmanshoop ist Outreacharbeit. Dr. Chigova, der die Einsätze für DWLF vor Ort organisiert, hat Kinder in Schulen untersucht und diejenigen zu den Outreaches einbestellt, die zahnärztlichen Bedarf haben. Es gibt um Keetmanshoop drei „Clinics“ und vier Schulen, die versorgt werden müssen. Sobald hier Land in Sicht ist, sind Outreaches in entferntere Gegenden, Oranjemund, Karasburg etc. angedacht.

Dr. Ekkehardt Schlichtenhorst, der für DWLF schon mehrere Male unterwegs war, ist parallel auch noch bei einer anderen Hilfsorganisation tätig. In der Präsentation zeigte er so die Arbeit dieser Organisation in Bolivien. Im Dorf “El Villar” stehen z.B. 2 mobile Dental-Einheiten. Außerdem stellte er die Arbeit von Padre Jorge in Guadalupe in Ecuador vor. DWLF steht mit Padre Jorge in Kontakt, um bei Bedarf Zahnärzte nach Ecuador zu vermitteln.

Der pensionierte Zahnarzt Dr. Reinhard Steiner berichtete nun über sein Abenteuer zusammen mit seinem Sohn Alexander Steiner im Rahmen der „Mongolian Charity Ralley“ – der „Dental Express Tour“ von London nach Ulaanbaatar. Es wurde so eine voll funktionsfähige, „mobile Zahnarztpraxis“ zu Gunsten der Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen von London in die Mongolei gefahren. Am Ziel wurde der Krankenwagen als Spende einem Krankenhaus in Ulaanbaatar übergeben. DWLF hat den herzlichen Empfang organisiert.

Man soll nie vergessen, dass es auch hier in Europa Menschen gibt, die zu den Ärmsten der Ärmsten gehören und leider kaum bis gar nicht Zugang zu einer medizinischen Versorgung, geschweige denn einer zahnmedizinischen Versorgung haben. So berichtete der Johanniter und Projektmanager Europa (PME), Lorand Szüszner, über die DWLF Projekt in Rumänien. Die Romas gehören leider immer noch zu einer benachteiligten Bevölkerungsgruppe. In Rumänien wird außerdem ein Heim für behinderte Menschen von DWLF Einsatzteilnehmern zahnärztlich versorgt. So organisiert die Zahnärztin Annette Kirchner Schröder jährlich einen kleinen Einsatz nach Rumänien.

Die Projektmanagerin (PME), Dr. Ina Rieger, stellte Ihre Tätigkeiten in Tamil Nadu, im Dorf Azhagiapandipuram („Schönster Ort des Königs Pandi”) vor. Dort befindet sich ein Kinderdorf des Christlichen Missionsdienstes, welches Heimat für ca. 300 Kinder war, die Waisen sind oder aus unvorstellbar armen Verhältnissen stammen. Im “childrens village” haben sie ein festes Dach über dem Kopf, Nahrung, Kleidung, eine geregelte Schulausbildung und können gegebenenfalls einen Beruf erlernen. Finanziert wird dies alles über Spenden und Patenschaften. Nachdem im Jahr 2009 mit der finanziellen Hilfe von “Zahnärzten ohne Grenzen” (weitere Informationen unter www.dentists-without-limits.de) ein ganz neues Behandlungszimmer mit einer Einheit und einem einfachen, aber funktionstüchtigen Sterilisator eingerichtet werden konnte, haben sich die Arbeitsbedingungen stark verbessert. Aus politischen Gründen ist ein Einsatz seit letztem Jahr für Hilfsorganisationen leider nicht mehr möglich. Seit dem steht das Kinderdorf leer.

Es ist grundsätzlich immer mühselig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Dr. Ulla Heilemann, die ebenfalls als Projektmanagerin Europa tätig ist konzentriert sich hauptsächlich auf Coonoor, wo sich ebenfalls eine Zahnstation befindet. Leider konnte sie bei der Jahrestagung nicht anwesend sein, hat aber über Dr. Rieger kurz über ihre dortige Arbeit dort berichten lassen.

Anschließend stellte Kolmann Deuerlein, Projektmanager für Palästina (PME) und Geschäftsstellenmitarbeiter von DWLF, das geplante Projekt im Westjordanland vor. Dies ist ein erster Versuch von DWLF, auch benachteiligten Menschen in muslimischen Ländern zu helfen. Marokko z. B. steht planungstechnisch bereits in den Startlöchern und kann sehr bald als neues Einsatzgebiet für DWLF genannt werden.

Die Planung in Palästina erweist sich allerdings auf Grund der politischen Struktur als durchaus schwierig. Das Projekt ist so leider etwas in Stocken geraten. An Herrn Deuerleins Seite stand die Profylaxeassistentin Ulrike Hochstein, die bereits für längere Zeit in Palästina für DWLF im Einsatz war. Auf Grund der fehlenden Arbeitserlaubnis war sie nur im Bereich Profylaxe an verschiedenen Schulen im Westjordanland tätig, worüber sie bei der DWLF Jahrestagung kurz berichten konnte. Sie steht mit den verantwortlichen Personen vor Ort im Kontakt und wurde von DWLF als Koordinator vorgeschlagen.

Nach einer Getränkepause war es nun an der Zeit, den sehr spannenden Vortag von Univ. Prof. Dr. Dr. Reichl mit dem Thema „Moderne Amalgame- die bessere Alternative zur Toxikologie von Amalgam“ zu folgen.

Durch seine Forschungen hat er bewiesen, dass Amalgame als Füllungsmaterial nicht so Quecksilberhaltig und somit gesundheitsschädlich sind, wie es dem Stoff nachgesagt wird. Einige Lebensmittel, die der Mensch täglich aufnimmt, haben höhere Quecksilberwerte.

Mit einem gemütlichen Beisammensein mit spannenden Gesprächen in der Lederer Kulturbrauerei ging der erste Tag der DWLF Jahrestagung zu Ende.

 

Am Sonntag, den 20.10.2013, startete DWLF den zweiten Tag der Jahrestagung, an dem der Johanniter Lorand Szüszner die Mobile Einheit (MDDC- Mobile DWLF Dental Clinic) den Teilnehmern vorstellte. Für diesen Zweck hatte er ein Exemplar mitgebracht. Diese Geräte werden im Outreach eingesetzt. Er stand bei der Jahrestagung für weitere Fragen in Bezug auf das Gerät zur Verfügung.

Anschließend gab es einen erste Hilfe Kurs mit praktischer Übung zum Thema „Notfälle auf Grund von Medikamentenunverträglichkeit“ (Anaphylaktischer Schock), durchgeführt vom leitenden Rettungsassistenten/ HCM an der Luftrettungsstation Weiden, Dominik Fischer, und seinem Kollegen David Davis. Es wurde erklärt, welche Schritte man sofort einleiten sollte, wenn ein Patient in der Zahnarztpraxis oder bei einem Auslandeinsatz bewusstlos wird. Medikamentenunverträglichkeit oder allergische Reaktionen auf Anästhetika sind die häufigsten Ursachen in diesem Zusammenhang.

Anhand von Dummies wurde demonstriert, welche Handgriffe notwendig sind, um den Betroffenen flach auf den Boden zu legen um dann die Atmung zu kontrollieren. Zuerst sollte durch Überstreckung des Kopfes der Zugang für die Luft freigelegt werden. Ist die Atmung nicht vorhanden, kann mit der Beatmung und der Herzdruckmassage begonnen werden. Dominik Fischer empfiehlt, dass jede Praxis einen Notfallkoffer mit Beatmungsgeräten für solche Fälle bereitstellen sollte. Diese Notfallkoffer haben die DWLF Einsatzteams fast immer dabei.

Die Wiederbelebung sollte solange durchgeführt werden, bis der Notarzt da ist

Anschließend war die Teilnehmergruppe gefordert, diese Schritte und Maßnahmen zu üben.

Zeigt der Patient allergische Reaktionen, sollte der behandelnde Arzt oder Zahnarzt den Körper des Betroffenen nach Ausschlägen auf der Haut untersuchen. Eine Spritze mit Adrenalin in den Oberschenkel heißt in solchen Fällen immer die Rettung des Patienten. Bei Bedarf wird der Vorgang wiederholt.

Mit diesen wichtigen Informationen ging die DWLF Jahrestagung erfolgreich zu Ende. Vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten- den Referenten und Interessierten- für das Gelingen der diesjährigen DWLF Jahresveranstaltung.

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