von Dr. Claus Macher (E-Mail: claus_macher@dwlf.org)

Das Memorandum of Understanding (MoU) mit China innerhalb nur einer Woche!

Wie ist so etwas nur möglich geworden?

Meiner Meinung nach gibt es keine Zufälle. Irgendjemand zieht hier die Fäden. Deswegen glaube ich auch ganz fest an ein höheres Wesen.

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Goaing Pang

Frau Gaoning Pang ist die Mutter einer unserer Patientinnen. Letztere ist in unserer kieferorthopädischen Praxis in Behandlung. Frau Pang ist schon seit ca. 10 Jahren mit einem Deutschen verheiratet und spricht gutes Deutsch – ein bisschen mit chinesischem Akzent. So neben her erfuhr sie während der Praxistermine auch von unserer Stiftung, DWLF.

Frau Pang gehört zu diesen Frauen, die für ihr Heimatland etwas Gutes tun wollen und begriff zudem den Sinn der Stiftung sofort. Sie meinte, wir sollten doch auch nach China gehen. – Warum nicht? Ich war schon fünf Mal in China, das erste Mal im Jahre 1991. Da kamen in Peking auf 1000 Fahrradfahrer ein Auto – heute ist es umgekehrt.

Und tatsächlich – nach acht Monaten flogen wir, Frau Pang, Frau Tuul Sodnompil und ich in Richtung China. Ich konnte mir das alles nicht so recht vorstellen. China – eine parlamentarische Diktatur sollte unser Vorhaben zulassen? Aber bin mir schon länger unsicher, ob Demokratie wirklich in jedem Entwicklungsstadium eines Landes schon die beste Regierungsform ist.

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Unsere Reise ging also mit dem ICE von Nürnberg nach Frankfurt und weiter mit dem Flugzeug nach Peking. Und von dort am nächsten Tag nach Dalian. Dalian ist eine schöne Stadt an der Küste oberhalb von Tsingtao. Ein supermoderner Zug brachte uns ins SINAI Hotel in Anshan, wo Frau Pangs Tante für uns  einen günstigen Preis ausgehandelt hatte.

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Unsere Reise in kurzer Tagebuchdarstellung:

Gleich am 3. Tag, ein, Dienstag, 31.03.2015, wurde es stressig:

0005DSCF263212.00 Uhr: Das Treffen mit Herrn Han Qianshan, der Vorsitzender der Anshan Municipal Charity Federation (AMCF) of Anshan City, Frau Dr. Gao Yuing, Zahnärztin, Frau Zhou Su Gin, die Unternehmerin im Anshan. Anwesend auch: Herr Givan, der Manager des Dental Klinik in Anshan, Frau Gaoning Pang, unsere Dolmetscherin und weitere Mitarbeiter der genannten Federation.

0004DSCF262913.00 Uhr: Die Geschäftsführerin der Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen, Frau Tuul Sodnompil, stellte in einer Präsentation DWLF vor, das Prinzip ihrer gemeinnützig und mildtätig anerkannten Arbeit und die Statistik der bisherigen Tätigkeit.

14.00 Uhr: Diskussionen über ein MoU zwischen DWLF und AMCF und Dental Clinic Anshan.

Tag 4, Mittwoch, 01.04.2015

10.00 Uhr: Besuch in der Dental Clinic von Dr. Gao Yuing im Anshan. Sie wird für die Arbeitserlaubnisse der DWLF-Einsatzteilnehmer sein.

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13.00 Uhr: Mittagsessen – wie immer mit exklusiven Meeresfrüchten.

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15.00 – 18.00 Uhr: Formulierabsprachen für das MoU zwischen DWLF und AMCF und Dental Clinic. Das MoU wird deutsch und chinesisch synchron verfasst.

Tag 5, Donnerstag, 2.04.2015

09.00 Uhr: Fahrt zu künftigen Einsatzorten wo DWLF helfen kann:

  • Ort: Long Tan, 160 km von Anshan, 16.000 Einwohner, es gibt dort keine einheimischen Zahnärzte.

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  • Ort: Xidian, 32 km von Lung Than, 20.000 Einwohner, ebenfalls keine einheimischen Zahnärzte dort.

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  • Zu beiden Orten gibt es keine Linienbusverbindung aus Anshan.
  • Unterkunft und Verpflegung sind kostenlos bzw. werden von Krankenhäusern übernommen.

16.00 Uhr: Rückfahrt nach Anshan.

Tag 6, Freitag, 03.04.2015

09.00 Uhr: Wir werden abgeholt.

10.10 Uhr: Besuch von Schreibwarengeschäften in Anshan, um eine Landkarte in englischer Sprache zu bekommen und, um wichtige Sachen für die MoU vorbereiten zu können.

13.00 – 18.30 Uhr Diskussionen und weitere Formulierungen am MoU, Satz für Satz und Wort für Wort. Untenstehende Punkte wurden besprochen und abgearbeitet.

18.00 Uhr: Die drei Verantwortlichen haben die letzte Version des MoU unterschrieben.

  • Frau Dr. Gao Yuing für die Dental Clinic.
  • Herr Dr. Claus Macher für DWLF,
  • Herr Han Qianshan für AMCF,
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V.l.n.r.: Dr. Claus Macher, Dr. Gao Yuing, Han Qianshan

1. Herr Han bzw. AMCF sind verantwortlich

  • für die Abholung der Einsatzteilnehmer (ETN) vom Flughafen, und Rücktransport für den Rückflug nach Deutschland,
  • Unterkunft und Verpflegung der ETN der DWLF,
  • Freizeitangebot für die ETN,
  • für die Unterstützung beim Kulturprogramm
  • Vorraussetzungen für die zollfreie Einführung der
    Behandlungsmaterialien aus Deutschland
  • für die Statistikinformationen der Einsätze

2. Frau Gao Yuing (Zahnärztin) ist verantwortlich

  • für die Arbeitserlaubnisse der ETN,
  • für die Autoklaven-Sterilisationen,
  • für die Desinfektionsmittel,
  • für die Organisation kostenloser, zahnmedizinischer Behandlungen behinderter und invalider Patienten in Anshan,

3. DWLF ist verantwortlich

  • für alle weiteren Punkte des MoU,
  • für die Dolmetscher, die Englisch – Chinesisch und Deutsch – Chinesisch übersetzen können,
  • für die Dolmetscher, welche die Einsatzteams begleiten.

4. Frau Zhou Su Gin

  • kann diese ehrenamtlichen Einsätze finanziell unterstützen.

5. Herr Givan ist verantwortlich

  • für die englische Korrespondenz zwischen den Vertragsparteien.
  • für unsere Anfragen an die Dental Supplyers in Anshan.

19.00 Uhr:  Abendessen und anschließend ein Besuch in einer Karaoke Bar.

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Tag 7, Samstag, 04.04.2015

09.30 – 12.00 Uhr: Dr. Claus Macher arbeitete in der Dentalklinik.

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15.00 – 17.00 Uhr: Besuch bei Dental Supplyers in Anshan

Tag 8 und 9, Sonntag/Montag, 05. und 06. 04.2015

09.00 – 14.00 Uhr: Besuch bei den „Tausend Bergen“ und dem „Jade Buddha“ – einem buddhistischen Tempel

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Tag 10 und 11, Dienstag/Mittwoch, 07. und 08. 04.2015

Die Erkrankung von Frau Sodnompil ließ keine Aktivitäten zu.

Tag 12 – 15, Donnerstag bis Sonntag, 09. bis 12. 04.2015

Aufenthalt in Dalian.

  • Das Treffen mit Herr Guan Yuang, der Zahnarzt aus Harbin
  • Das Treffen mit Verantwortlichen der Hilfsorganisationen aus Peking
  • Sehenswürdigkeiten in Dalian für die DWLF-ETN

Tag 14, Montag, 13.04.2015

  • Rückreise nach Deutschland

Allgemein lässt sich sagen:

Von den sehr disziplinierten, ehrgeizigen und fleißigen Chinesen mit ihrer alten Kultur des Konfuzianismus, Laoismus und Buddhismus kann man schon in den Erzählungen des Marco Polo nachlesen, der 7 Jahre bei Kublai Khan gedient hat.

Es ist für uns Europäer unglaublich interessant, auch philosophisch in die Tiefe des traditionsbewussten chinesischen Menschen zu gehen.

Man sieht, dass in Anbetracht der 56 ethnischen Minderheiten, die in China zu finden sind, China riesige Sätze nach vorne macht und noch machen muss, um allen gerecht zu werden.

Europa steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite, einmal ein ausbalanciertes Land zu werden und dies nicht nur beim Umweltschutz.

Gewiss, China macht viel nach und imitiert, aber muss man denn wirklich das Rad immer wieder aufs Neue erfinden? Sind geistige Errungenschaften nicht für die ganze Menschheit da? Darüber sollte man sich in Bezug auf Patentrechte – besonders auch bei Medikamenten – Gedanken machen. Heilung nur für die Reichen? Das kann´s nun wirklich nicht sein!

Der einzige dauerhafte Garant für einen dauerhaften Frieden, ist eine ausbalancierte Ländergemeinschaft. Das hat Europa ihnen vorgemacht und ich habe den Eindruck, dass sie dankbar sind, dass Europa dieses System hat Realität werden lassen. Schon 70 Jahre Frieden und es muss so weiter gehen.

Auch für die Chinesen geht die Zeit des Gegeneinanders zu Ende und auch für sie ist eine Zeit des Miteinanders  angebrochen. Zeigen wir Ihnen, dass auch wir diese Meinung vertreten und kämpfen wir auf unserem Fachgebiet für eine ausbalancierte Welt gemeinsam Seite an Seite.

An dieser Stelle möchte ich Frau Pang danken, die mit ihrer Zähigkeit und ihrem Organisationstalent uns „ihr“ Land China erst zugängig gemacht hat, so wie vorher meine Frau, Tuul Sodnompil, uns den Zugang zur der schönen Mongolei ermöglichte.

Wenn man China erlebt, denkt man nicht an ein armes Land. Aber die Armut gibt es, so wie es diese bei uns ebenfalls gibt. Es hängt oft davon ab, ob und welche Krankenversicherung sich der einzelne in welchem Umfang leisten kann. Deshalb gibt es neue Krankenhäuser, in denen aber in armen Gegenden kaum Zahnärzte anzutreffen sind. Sie könnten hier keine Existenz aufbauen.

Hier kann DWLF helfen – Machen Sie mit!

0061DSCF3088Ein Mann aus Peking kam beim Abflug von Dalian auf uns zu und sagte mir, dass überlegt werde, ob man unsere Aktivitäten nicht zentral von Peking steuert. Es ist faszinierend, denn das bedeutet, dass wir auch in andere Gegenden Einsatzteams entsenden können.

Wir haben es wir es mit 1,2 Milliarden Menschen zu tun und alle wollen wie überall nur Chancen, Ausgleich und letztlich den Frieden. DWLF will das unterstützen.

Ich zitiere einen DWLF Leitsatz:

Was Du kannst, ist nicht wichtig –
was Du mit Deinem Können für andere tust, das ist wichtig!

Tun wir Zahnärzte was wir können und fühlen den wohltuenden Pulsschlag Abie Nathans.

Ich habe mich schon für einen Basis-Chinesisch-Kurs – an der Volkshochschule – angemeldet.

Nürnberg, den 26.06.15

Dr. Claus Macher

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