von Dr. Heinrich Kraft, Nürnberg (E-Mail: heiner.kraft@t-online.de)

Für einen Europäer ist ja schon allein die Fahrt von der Hauptstadt Ulan Bator
nach Baruun urt – 12 Stunden auf teilweise unbefestigten Pisten – ein echtes Abenteuer. Doch unser lustiges Team, bestehend aus lsabella Piekos – einer Zahnärztin aus Berlin, Ganbolor unserem Dolmetscher und unserer Fahrer, zeigte gute Kondition. Baruun urt ist das Zentrum der Provinz Sukhbaatar,  hat etwa 15 tausend Einwohner und ein recht großes Krankenhaus. Wir wurden aufs herzlichste von den im Krankenhaus tätigen Ärztinnen, Zahnärztinnen und der Direktorin begrüßt. Der Aufenthalt und das hervorragende Essen im Krankenhaus waren kostenlos.

Wir arbeiteten ein paar Tage in der Zahnstation mit, und dann ging es los mit dem Jeep und der tragbaren Einheit. Die Fahrt dauerte vier Stunden durch die Steppe. Straßenschilder sucht man vergebens, und ich wundere mich immer noch, wie unser Fahrer den weg überhaupt finden konnte.

ln Dariganga, einem kleinen Dorf am heiligen Berg ,,Altan ovoo”‘ machten wir Halt. Dort gibt es eine kleine Krankenstation. Wir bauten unsere tragbare Einheit in einem Zimmer auf und behandelten zwei Tage. Danach stellten uns die Ärzte der Krankenstation ihren Jeep mit Fahrer zur Verfügung. So konnten wir einen Tagesausflug in die Weite der mongolischen Steppe machen zum Schiilingbogt – einem heiligen Vulkanberg, zur berühmten Eishöhle und weiteren  Sehenswürdigkeiten.

Das war ein herrlicher Tag!

Am nächsten Tag fuhren wir nach Naran sum, einer kleinen Kreisstadt ohne Zahnarzt. ln der Krankenstation bauten wir wieder unsere Einheit auf und behandelten einen Tag. Dann ging es mit dem Jeep nach Ongon sum. Fahrer und Fahrzeug stellte die Krankenstation zur Verfügung. Ongon sum ist eine Garnisonstadt mit etwa 3000 Einwohnern. Es gab zwar eine Zahnstation, jedoch war nur ein Behandlungsstuhl ohne Behandlungseinheit vorhanden. 

Die Zahnärztin, die dort tätig war, konnte nur mit Excavator die Karies ausschälen, einfache Füllungen legen und extrahieren. Das alles ohne Turbine und Bohrer! Wieder stellten wir unsere tragbare Einheit auf und behandelten mit einer Einheit und zwei Behandlungsstühlen nebeneinander, der eine extrahierte, der andere machte Füllungen. Das war eine echte zahnärztliche Herausforderung.

Der Behandlungsbedarf war so groß, dass wir noch einen Tag mehr arbeiteten als geplant. Dann fuhren wir wieder zurück nach Baruunurt, wo wir auch noch eine Dankesurkunde für unseren Einsatz bekamen. Und am nächsten Tag ging es zurück nach Ulaanbaatar.

Alles in allem: es war eine fantastische Abenteuerreise, zwar auch mit Strapazen verbunden, die sich ein Europäer, der das zum ersten Mal erlebt, überhaupt nicht vorstellen kann. Aber die Dankbarkeit und Liebe der einheimischen Bevölkerung entschädigt einen für alles. Und wo wird denn ein Tourist so herzlich in den Nomadenfamilien aufgenommen wie wir und darf mit der Familie feiern und singen? (Die Mongolen sind begnadete Sänger).

Jedenfalls war es eine wunderschöne Zeit und das bisschen, das wir durch unseren zahnärztlichen Einsatz beitragen konnten, bekamen wir doppelt und dreifach von diesen lieben Menschen zurück, die unsere Freunde geworden sind.

 

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