von Dr. Claus Macher

die_3_mary_ward_schlerinnen_klein.jpgThema: Die Armut muss von der heutigen Jugend gesehen und erlebt werden. Sie werden morgen die Kräfte sein, die für eine ausbalancierte Welt kämpfen werden.

Die Armut ist freundlich und keineswegs depremierend: sie ist nur entsetzlich ungerecht. Aber viel interessanter als Vergnügungsparks, Diskos und auch nicht teurer als “Allinclusiveurlaube”.

Anmerkung von Dr. C. Macher im August 2011:
 Leider konnte unsere Idee, dass europäische MWS Schülerinnen in den Ferien die auf der ganzen Welt – bevorzugt in benachteiligten Länder – verstreuten Maria Ward Schulen besuchen und dort mithelfen, bis heute trotz großen Interesses der Direktoren noch nicht praktisch umgesetzt werden. Das motivierende Element fehlt, dass eigene Schülerinnen aus den reicheren europäischen MWS Schulen zu Hause authentisch berichten, wie sich die MWS in den benachteiligten Ländern bemühen, die sinnvolle Vision von Maria Ward umzusetzen und so dadurch die Hilfe zwischen den MWS Schulen zu stärken.

Schade eigentlich, denn es gibt sonst keinen Schultyp,  der auf solch einer erfolgreichen Vision mit so langer Tradition gründet und eine so vielfältige Verbreitung auf der Welt gefunden hat. Aber alles braucht offenbar seine Zeit…

15- bis 17- jährige junge Mädchen lassen sich zu einem Besuch in ein benachteiligtes Land “verführen” – mit einem ungemein positivem Ergebnis.

Gelebte Pädagogik mit der Realtität als Lehrmeister.

Dr. Claus Macher, D-90489 Nuernberg
E-Mail: claus_macher@arcor.de, Tel.: +49 176 7000 2160

Elena Streipert, D-90732  Fuerth
E-Mail: Elena.Steipert@gmx.net, Tel.: +49 176 6156 0546

Heidi Liu, D-90443911 Nuermberg
E-Mail: Heidi_Liu@web.de, Tel.: +49 160-938 71571

Ricarda Wiedemann, D-90321 Nuermberg
E-Mail: ricky.shoiro@yahoo.de, Tel.: +49 172-582 0863 

sirsia-_schwester_mit_kl.bruder_-klein-.jpgIm November 2005 bereiste ich mit einer Lehrerin der Maria Ward Kongregation ein bettelarmes Gebiet in Nepal und besuchten das kleine Dorf Sirsia östlich von Biratnagar. Dorthin hatten sich zuvor drei Lehrerinnen begeben, um diesem völlig in Vergessenheit geratenen Teil Nepals Schulbildung zu ermöglichen. 
  
3 Schülerinnen der Maria Ward Schule in Nürnberg wagten nach einigen Projektnachmittagen 2006 mit Erwachsenen das Abenteuer, DWLF nach Nepal zu begleiten, um deren Projekte zu erleben: Elena Streipert, Heidi Liu und Ricarda Wiedemann. Sie waren begeistert von der Reise.

sirsia_-klein-schwester_asha_teil_2_091.jpg2005 besuchte ich die drei indischen Maria Ward Lehrerinnen in Sirsia, einem vergessenen, abgelegenen Ort ohne Strom und fließend Wasser im Süden Nepals an der Grenze zu Indien. Sie waren erst seit wenigen Monaten vor Ort und erzählten mir über die Schwierigkeiten, die sie damit hatten, die Mädchen aus den armen Familien in die Schulen zu bringen, da bislang die Mädchen von klein auf für die Feldarbeit vorgesehen waren. Die Überzeugungsarbeit an den Eltern leisteten sie hartnäckig und mit Humor – letztlich ging es um die Zukunft ihrer Töchter.  

Es kostete die Schwestern viel Energie, bis sie die erste Klasse zusammengestellt hatten. In angemieteten Schulräumen fanden die ersten Unterrichtsstunden statt. Die Kinder saßen auf Jutesäcken auf dem Erdboden. Die Schule begann um 9.00 Uhr. Bereits um 11.00 Uhr fingen schon einige der Kinder an zu weinen. Die Lehrerinnen erklärten mir, dass viele Kinder morgens nichts zu Essen bekämen, da es für die Familien wichtiger und lebensnotwendig sei, zuallererst die Nutztiere zu versorgen. Dementsprechend sei auch die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der Kinder sehr häufig stark reduziert.

sirsia-die__3_hbschen_-klein-.jpgDa die Lehrerinnen , die von der Maria Ward Kongregation bezahlt wurden, ihr schulisches Engagement dem Bedarf anpassen und intensivieren wollten, benötigten sie ein eigenes Schulgebäude- wie sie mir erklärten. Mit Grundstück und gemauerten Ziegelwänden, auf einem Betonfundament stehend, würde dies 25.000 Euro kosten. Zudem sollte im April 2006 eine Krankenschwester aus Indien zu ihnen stoßen, um der Bevölkerung im näheren Umkreis eine medizinische Grundversorgung anbieten zu können, was bisher nicht gegeben ist. Hierzu wäre allerdings ein geländetaugliches Allradfahrzeug wegen den unbefestigten Strassen unerlässlich.

Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der Maria Ward Schule in Nürnberg aus einem reichen Land und der neu zu gründenden Maria Ward Schule in Sirsia – einer bettelarmen Gegend – lag auf der Hand!

sircia-pferdegespann_-klein_teil_2_055.jpgIm Januar 2006 hielten Thomas Pirzer, ein Vertreter unserer Stiftung, und ich einen Bildervortrag in der Maria Ward Schule Nürnberg vor etwa 200 Schülerinnen. Auf die Frage, wer gerne bei einer zukünftigen Projektgruppe mitarbeiten und eventuell mit nach Nepal fliegen würde, meldeten sich rund 40 Schülerinnen, von denen in den folgenden Sitzungen 15 ernsthaft interessierte Schülerinnen übrigblieben. In diesen Sitzungen wurden einzelne Themen über Nepal von den Schülerinnen selber erarbeitet und vorgetragen, um der Projektgruppe eine Vorstellung von einem in materieller Hinsicht armen Entwicklungsland wie Nepal zu geben.

sisia-_htte_-klein-10.11.2005_teil_2_061.jpgDer Schuldirektor Dr. Ossberger erklärte das Engagement dann auch begeistert zur Schulsache. Daraufhin wurden im Werkunterricht kleine Sparbüchsen aus Papier von den Schülerinnen gebastelt, die wenige Wochen später wieder eingesammelt wurden. Hierbei kamen knapp 2.000
Euro zusammen, die wir später der Maria Ward Schule in Nepal als Starthilfe für den Schulbau in Sirsia übergaben. Wenige Wochen vor den Pfingstferien meldeten sich zwei 15 und eine 17jährige Schülerinnen zum Mitreisen nach Nepal bei der Stiftung an. Wir flogen vom 3. bis 20. Juni 2006 nach Kathmandu. Die Flugkosten der Schülerinnen wurden teilweise von der Stiftung getragen. Ziel war es, die jungen Menschen die faszinierenden Abenteuer und die einmalige Schönheit eines Entwicklungslandes wie Nepal erleben zu lassen.

sirsia_nhmaschinen-klein.jpgBesuch der MW Schule in Lubhu / Kathmandu

Wir besuchten viele unserer bereits erfolgreich durchgeführten Projekte und auch die Maria Ward Schule in Lubhu, wo wir vier sehr bedürftigen jungen Frauen vier neue Nähmaschinen schenkten. Wir hatten bei einer der jungen Frauen ihre ärmliche häusliche Umgebung und ihre schwierige familäre Situation kennengelernt. Sie hatten nicht die Möglichkeit gehabt, in jungen Jahren eine Schule zu besuchen und hatten jetzt bei den Maria Ward Schwestern einen 9-monatigen Nähkurs mit Erfolg absolviert.  Eigentlich hätten sie sich jetzt selbständig machen können. Ihnen fehlten jedoch 70 Euro zum Kauf einer indischen Nähmaschine; das ist für uns zu viert ein Restaurantbesuch.

sirsia-nherin_-klein.jpgFür 70 Euro kann man so entscheidenden positiven Einfluss auf das Schicksal einer Familie nehmen! Unsere MW Schülerinnen aus Nürnberg waren sprachlos. DWLF spendete spontan 400 Euro. Die Nähmaschinen blieben unter Aufsicht der Maria Ward Schwestern in Lubhu und können jederzeit von den vier beschenkten Näherinnen benutzt werden.  

Das Projekt der Schule in Sirsia:

Die Maria Ward Lehrerinnen waren vorübergehend bei einer Don Bosco Schule provisorisch untergebracht. Wir machten eine Schulreihenuntersuchung des Gesundheitszustandes der Zähne der Schüler und beschlossen darufhin, hier in Sirsia einen Dental Point bzw. eine Dental Station durch die Stiftung einzurichten, da der Bedarf an zahnärztlicher Behandlung sehr groß ist.

sircia-lkg-spalte_-klein-.jpgBei der Schuluntersuchung fiel uns Krishna, ein intelligenter Junge mit einer häßlichen Lippenspalte auf, den wir später im Flugzeug gemeinsam mit seiner Mutter auf Kosten der Stiftung “Zahnärzte ohne Grenzen” mit nach Kathmandu nahmen, um ihn im SKM Hospital kostenlos operieren zu lassen. Das Hospital wird von Interplast e.V. geleitet und finanziert.

Wir waren bestens in der Don Bosco Schule untergebracht und hatten abends eine gute Gelegenheit, mit dem Schulleiter und den Lehrerinnen über die bestehenden Probleme bei Kerzenschein zu diskutieren. Die Gegend verfügt bisher noch nicht über Elektrizität und fließendes Wasser. Die Schule verfügt jedoch über einen Generator für den Notfall.

sirsia_-klein-_betende_frau_im_wasser_169.jpgEine Besichtigung des Dorfes, das auschließlich aus Lehmhütten besteht, die ständig in Gefahr sind, bei starkem Monsunregen einzustürzen, zeigte die extreme Armut in Sirsia. Auffallend war der große Kindersegen, der viele Gründe hat. Unsere Schülerinnen aus Nürnberg waren sehr beeindruckt und nahmen sich vor, sich zuhause für das Sammeln von Spendengeldern weiterhin stark zu machen.

Ein Jahr später erklärte mir der Schulleiter der Maria Ward Schule in Nürnberg Dr. Ossberger:

sirsia_-klein--der_morgen_177.jpg“Ich hätte nie gedacht, dass innerhalb von 2 Wochen diese jungen Mädchen so einen positiven Sprung in ihrer Persönlichkeits-Entwicklung machen können.”

Dr. Claus Macher, Nürnberg

 


 

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