von Kathrin J. Reinhardt (E-Mail:ka2rei1@hotmail.com)

Die katholische Missionsklinik „Clinica de Nuestra Señora de Guadalupe“, in der wir vom 20.05.2012 bis zum 28.06.2012 als Zahnärztin (über die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“) bzw. vom 20.05.2012 bis 01.06.2012 als Zahntechniker tätig waren, liegt nahe der peruanischen Grenze in einem kleinen Ort (Guadalupe) in der Provinz Zamora-Chinchipe. In Guadalupe, sowie den kleinen Nachbarorten herrscht große Armut, aber die Unterbringung auf dem Missionsgelände, auch „residencía“ genannt, entsprach europäischem Standard und war für ecuadorianische Verhältnisse luxuriös. Von Montag bis Freitag wurden wir mittags mit einem 3-Gang Menü und abends mit einer warmen Speise im Schwesternhaus bewirtet.  

Sehr positiv überrascht waren wir von den katholischen Ordensschwestern, die stets sehr herzlich, lebenslustig und hilfsbereit waren. Durch den Kontakt zu den Schwestern fanden wir rasch Anschluss im Dorf und wurden zu vielen Unternehmungen eingeladen.

Die Klinik ist exzellent ausgestattet. Sie umfasst zwei zahnmedizinische Behandlungs-einheiten und ein zahntechnisches Labor. Alle zur Behandlung benötigten Instrumente und Materialien waren in ausreichendem Maße vorrätig.

Besonders hervorzuheben ist die hervorragende Arbeit der aus Guadalupe stammenden Zahnarzthelferin (Lida), die zwar nicht über eine staatlich geprüfte Ausbildung verfügt, aber nach über zehnjähriger Mitarbeit im zahnmedizinischen Bereich der Klinik erstklassig als Assistenz und in der Verwaltung arbeitet. Da in der Klinik, wahrscheinlich auch aus Kostengründen, leider kaum Kinderbehandlungen erfolgten, entschlossen wir uns mit den Schwestern Prophylaxe-Aufklärung in den Kinderkirchenkreisen der Nachbarorte durchzuführen. Das Feedback der Kinder war enorm und mit großem Dank nahmen sie die von uns mitgebrachten Zahnbürsten und Luftballons entgegen. Viele der Kinder konnten nicht glauben, dass wir ihnen die Zahnbürsten tatsächlich geschenkt hatten und wollten sie nach dem gemeinsamen Zähneputzen wieder zurückgeben. Dieses Erlebnis hat uns verdeutlicht, dass die Prophylaxe-Aufklärung in dieser Region sehr sinnvoll und durchaus noch weiter ausbaufähig ist. Des Weiteren sollte die Behandlung von kleinen Kindern kostenfrei oder zumindest deutlich günstiger erfolgen.

Auf Grund des karitativen Anspruchs der Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ gingen wir davon aus, dass wir kostenlose Behandlungen Bedürftiger durchführen würden.

Aus der Internetpräsenz konnten wir nicht entnehmen und uns war vorher nicht bewusst, dass die Patienten für die zahnärztlichen Leistungen zahlen müssen. Dies war leider ein Grund dafür, dass sehr wenige unserer Patienten aus Guadalupe selbst und aus den kleinen Nachbardörfern kamen, obwohl viele von ihnen dringend eine Behandlung und eine neue Prothese benötigt hätten. Um auf die neuen Zahnärzte und -techniker, sowie die Klinik aufmerksam zu machen, wurde im Radio geworben. Diese Aufrufe empfingen offenbar hauptsächlich wohlhabende Menschen aus den nächst größeren Städten.

Klar ist, dass die Klinik laufende Kosten decken muss. Das Projekt sollte sich jedoch nicht über die Patienten finanzieren und gemeinnützig bleiben. Dazu sollten die Behandlungs-kosten individuell mit dem Patienten gestaltet werden und jeder nur so viel geben, wie er kann. Gerne würden wir wieder an diesem oder einem anderen Projekt mitarbeiten, jedoch sollte niemals der gemeinnützige Aspekt in Vergessenheit geraten. Insgesamt haben wir eine sehr schöne Zeit in der Missionsklinik verbracht, wertvolle Erfahrungen gesammelt und wundervolle Menschen kennen gelernt, die wir nie vergessen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Kathrin J. Reinhardt
(Zahnärztin)
Tim Dittmar
(Zahntechniker)                     
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