von Lisa-Sophie Fuchs (E-Mail: liso.fuchs [at] gmail.com)

Gruppenmitglieder:

IMG_2265Ein Sommer in der Mongolei, das klingt nach vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Das dachte ich mir auch, als ich im Frühjahr dieses Jahres den Aufruf im DZB las, dass noch Zahnärzte und Helfer für einen geplanten Hilfseinsatz, drei Wochen in der Mongolei, gesucht werden. Als Zahnmedizin-Studentin im 6. Semester hatte ich zu diesem Zeitpunkt die wichtigsten Kurse in Zahnerhaltung und –ersatzkunde hinter mir, um bei der Organisation nach einer Möglichkeit der Mitreise zu fragen.

Vor dem Beginn mussten Sponsoren gefunden werden, die Materialien wie Composite und Bonder, Anästhetika und Kanülen, Zahnbürsten und –pasta zum Verteilen zur Verfügung stellten. Die Organisation finanziert sich allein durch Spenden und so kam der erste Kontakt zwischen den Mitgliedern der Gruppe zustande.

AIMG_2791m Flughafen trafen wir uns zum ersten Mal. Meine zugeteilten Gruppenmitglieder erwiesen sich sofort als liebenswerte offene Zahnärzte. Während der Zeit in der Mongolei fühlte ich mich so gut aufgehoben. Ebenso lernte man die ersten Tage auch weitere Mitstreiter kennen, die in anderen Orten eingesetzt wurden.

Am zweiten Einsatztag wurden wir zu unserem ersten Einsatzort Buren sums gefahren. Die Fahrt ging hauptsächlich über Landstraßen, das bedeutet, eine bis vier Fahrspuren, die von vielen Vorgängern mit ihren Autos und Gefährten in die Steppenlandschaft gezogen wurden waren.

Angekommen an unserem ersten Arbeitsplatz, mussten wir die zugeteilten Behandlungsräume einrichten. Wir bauten die Behandlungsstühle und portablen Einheiten auf und legten alle Utensilien und Instrumente auf Tischen zurecht. Im Team teilten wir uns so auf, dass jeweils zwei zusammenarbeiteten und die mongolische Zahnärztin, welche unserer Gruppe zugeteilt wurde, allein arbeitet, um hauptsächlich Extraktionsfälle zu übernehmen. Ich assistierte einer der Zahnärztinnen, in dieser Konstellation arbeitet wir vom ersten Tag an.

IMG_2354Ein Tag begann mit dem Frühstück, das uns jeden Morgen im Gemeinschaftsraum erwartet. Um 9 wurde der erste Patient auf den Stuhl gesetzt. Die Patienten waren teilweise schon eine Stunde vor Behandlungsbeginn da, um eine Nummer zu ergattern, dass sie behandelt werden konnten.

Nach vier Stunden Arbeit war es eine Erleichterung den Duft des Mittagessens zu riechen und von 13:00-14:00 Uhr eine Pause einlegen zu dürfen. Das Essen war stets eine Kombination aus Fleisch, Kartoffeln, Möhren und Kohl gemischt mit selbstgemachten Nudeln oder Reis oder in Teigtaschen. Gut gestärkt ging es danach in die zweite Runde. Der Arbeitstag endete meist gegen 18 Uhr. An Tagen mit großem Andrang ging es zum Teil auch bis 19:30 Uhr.

IMG_2414Nach dem Abendessen waren zum Teil von den Mitarbeitern der Krankenhäuser aus Ausflüge geplant. Wir besuchten eine befreundete Nomadenfamilie in ihren Jurten – die in der Mongolei als Ger bezeichnet werden – und hatten einen lustigen Spieleabend mit den Krankenschwestern. Sie zeigten uns die Regeln für traditionelle mongolische Gesellschaftsspiele, die mit den Knöchelchen von Ziegen und Schafen gespielt wurden.

Es gab sehr starke Unterschiede in der Qualität der Gebisse, die wir sahen. Einige Kinder hatten stark kariöse Milchzähne und zum Teil waren schon die frisch durchgebrochenen Zähne befallen. Umso mehr freute es uns, einem Kind die notwenige Fissurenversiegelung zu ermöglichen, die es längst hätte bekommen müssen.

Erwachsene hatten dagegen auch im hohen Alter noch einen Großteil ihrer Zähne und wir mussten lediglich eine dicke Schicht Zahnstein entfernen. Leider sind daran die Tücken der Globalisierung erkennbar. Die Einführung von Süßigkeiten und gezuckerten Getränken ist offensichtlich schneller gewesen, als das Wissen über eine ausreichende Zahnpflege. Es ist sehr wichtig diesen Gedanken unter der Bevölkerung zu verteilen und auszubauen.

IMG_2618Für die Kommunikation mit den Patienten begleitete uns die gesamte Zeit über eine Dolmetscherin. Sie fragte die Patienten nach deren Befinden und übersetzte für uns die Wünsche der jeweiligen Person. Mit der Zeit eigneten wir uns selbst einen kleinen zahnärztlichen Wortschatz der mongolischen Sprache an, so dass wir kurze Gespräche mit Zuhilfenahme von Händen und Füßen selbstständig mit dem Patienten führen konnten.

IMG_2397Innerhalb unserer Gruppe verstanden wir uns sehr gut. Einige anfängliche Kommunikations-Schwierigkeiten gab es mit der mongolischen Zahnärztin. Durch das Einschalten der Organisatorin Frau Tuul, konnten wir die Lage klären und eine Lösung für die Unklarheiten finden. Daran musste man sich grundsätzlich beim Umgang mit allen Mongolen gewöhnen, dass die Kultur eine andere ist als unsere. Die Mongolen sind eher zurückhaltend uns gegenüber gewesen, es gab keinen überschwänglichen Dank. Dafür bekam man von Einigen selbst hergestellte Naturalien, wie Käse oder Joghurt, geschenkt und konnte dadurch auf eine zufriedenstellende Behandlung schließen.

IMG_2635In den letzten drei Tagen trafen wir im Zentrum des Aimag (gleichzusetzten mit einem unserer Bundesländer) auf die anderen deutschen Einsatzhelfer, um in der gesamten Gruppe Ausflüge zu unternehmen. Leider war die Organisation mehr oder minder mongolisch weshalb am ersten Tag die Stimmung kippte und wir uns selbst einen Bus organisierten, um noch einen Tag in der Hauptstadt Ulaanbaatar, die nur 45 Min. von unserer Unterkunft entfernt lag, zu verbringen. Für den nächsten Einsatz würde ich deshalb vorschlagen, die letzten freien Tage noch nicht im voraus zu organisieren, sondern lediglich verschiede Ausflugsmöglichkeiten zur einstimmigen Wahl zur Verfügung zu stellen. Frau Tuul kümmerte sich außerdem um den Ersatz an Materialen, wie Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel und Speichelsauger. Sie besuchte uns jeweils ein Mal in jedem unserer Einsatzorte.

Das Fazit dieses Einsatzes ist für mich, dass es nur eine kleine Hilfe für das Land war, die dennoch sehr nützlich ist und beibehalten so wie ausgebaut werden sollte, um der Bevölkerung die Bedeutsamkeit einer ordentlichen Mundhygiene näher bringen zu können und das Verständnis dafür zu schärfen.

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Für mich persönlich waren es sehr Erfahrung bringende Wochen und ich sage jedem, der überlegt einen solchen Einsatz mitzumachen: „Ja, tu es.“

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