von Heike Grommeck (E-Mail: h.grommeck(at)gmx.de)

…mit diesen Empfindungen startete ich am 06.02.2014 Richtung Indien.

Nachdem ich im November 2013 auf der Internetseite der Stiftung „Dentists Without Limits“ („Zahnärzte ohne Grenzen“) das Gesuch für eine Zahnarzthelferin in Coonoor (Indien) für den Zeitraum vom 06.02. – 26.02.2014 gelesen hatte, ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los.

Nach familiärer Rückendeckung und „grünem Licht“ von meinen Arbeitgebern in der Grünberger „Zahnarztpraxis am Diebsturm“, konnte ich die nächsten Hürden nehmen, wie z.B. Kontaktaufnahme mit der Einsatzleiterin, Beantragung eines Führungszeugnisses, Einreichung der erforderlichen Unterlagen bei „dwlf“, Informieren über notwendige Impfungen, Flug buchen, Visum beantragen und verschiedene Informationen über Einsatzort und Einsatzland erfragen (wie z.B. Übernachtungspreise, Verpflegung, Transfer, Packliste etc.).

Als Sponsoren für Zahnbürsten konnte ich den Arbeitskreis Jugendzahnpflege in Gießen und die Firma Pluradent gewinnen. Einmalhandschuhe, Mundschutz und Händedesinfektion sponserte die Firma Peppler. Vielen Dank.

Meine Flugroute (mit Emirates) ging zunächst von Frankfurt nach Dubai. Dort traf ich die anderen Mitstreiterinnen, die Projektleiterin Frau Dr. Ulla Heilemann und ihre Assistenz Nancy Rätz. Die „Chemie“ stimmte auf Anhieb. Zusammen flogen wir dann von Dubai nach Calicut bzw. die indische Bezeichnung: Kozhikode (Bundesstaat Kerala).

Am Flughafen erwartete uns ein Fahrer. Bereits von Deutschland aus hatte Frau Dr. Heilemann den Transfer organisiert. Nach einer ca. 6-stündigen Autofahrt kamen wir abends in Coonoor (Bundesstaat Tamil Nadu) an.

Wir bezogen unsere Zimmer im „Brooklands Christian Guest Home“ und konnten dann das erste indische Abendessen genießen. Das schöne Anwesen, in den Nilgiri Mountains, liegt knapp 2000m hoch und ist von Teebergen umgeben.

Am nächsten Morgen machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg (gute 10 min Fußmarsch) zum kleinen Hospital, in dem die Zahnstation eingerichtet ist. Angrenzend liegt ein Kinderheim des Kinderhilfswerkes Christlicher Missionsdienst. Es gibt noch ein zweites Kinderheim in Coonoor, welches ebenso vom CMS geführt wird. In den Heimen leben Waisen, Halbwaisen und Kinder aus ganz armen Familien, die zuhause nicht mehr versorgt werden können, im Alter von 5 bis 15 Jahren.

Nach erster Inventur und Einräumen der mitgebrachten Materialien (extra Koffer von 30 kg) konnten wir bereits am Nachmittag mit der Untersuchung und Behandlung der ersten Kinder beginnen. Insgesamt behandelten wir in Coonoor 147 Kinder vom Kinderheim Silverdale und 198 Kinder von Underfell.

Mit einem mobilen Behandlungsstuhl fuhren wir an einem Mittag nach Kotagiri und untersuchten dort 75 Kinder. Die zu behandelnden 29 Kinder bestellten wir für eine extra Sprechstunde nach Coonoor.

Zwischenzeitlich wurde in Coonoor im zweiten Behandlungszimmer gewerkelt. Ein älterer Behandlungsstuhl stand dort schon bereit. Nun wurden die Anschlüsse (Wasser, Abwasser und Elektrik) verlegt und einige Dinge repariert, ein Waschbecken für das Behandlungszimmer wurde gekauft und installiert und ein kleinerer Schrank für Materialien angeschafft. Die Kosten dafür spendeten die Patienten von Frau Dr. Heilemann. Sie hat dafür ein extra Konto „Zahnstation Coonoor“ eingerichtet.

Das zweite Zimmer konnten wir dann gut für Zahnreinigungen und Zahnputzunterweisungen nutzen. Viele Kinder haben Unmengen Zahnstein und dadurch Zahnfleischentzündungen. Es liegt einerseits an der Ernährung und andererseits auch an einer verbesserungswürdigeren Mundhygiene. Hier konnten wir zusätzlich mit kleinen Schulungen für die Hausmütter bzw. auch Hausväter, zum Thema „Zähneputzen“ mitwirken.

Wir fuhren auch nach Dharmapuri. Dort gibt es auf dem Gelände des Kinderheimes auch eine feste Zahnstation. Es war uns wichtig alle Kinder des Heimes (250) zu untersuchen und ggf. zu behandeln. Die überwiegenden Behandlungen waren Zahnsteinentfernung, Füllungen und das Extrahieren von zerstörten Milchzähnen. Häufig sahen wir auch Kinder mit Dentalfluorose.

Generell waren die Kinder für jede Zuwendung sehr dankbar. Manchmal hätte man gern mehr Zeit für die Einzelnen gehabt. Aber die Zeit ist begrenzt und die Nächsten warteten schon geduldig auf ihre zahnärztliche Untersuchung/Behandlung.

In Coonoor wurden wir durch die Krankenschwestern Maria, Sheela und Virgila unterstützt. Sie waren uns eine große Hilfe beim Übersetzen für die Kinder, da nicht alle Englisch verstanden. Außerdem organisierten sie das Kommen der Gruppen, sortierten die Karteikarten oder halfen, wie z.B. Sheela auch beim Assistieren. Außerdem waren sie um unser Wohl besorgt und versorgten uns zwischendurch mit Tee und Keksen.

Durch vielfältige Kontakte hatten wir hautnahe Einblicke in die südindische Kultur und lernten außerdem interessante Leute und Projekte kennen.

Es sind viele kleine Dinge oder auch kurze Begegnungen, die beeindrucken oder man lernt vermeintlich „normale“ Dinge wieder mehr zu schätzen. Auf jeden Fall bin ich dankbar für diese Zeit und kann dieses „über den Tellerrand schauen“ und selbst aktiv werden nur empfehlen.

Zu Vorfreude – Spannung – Respekt kommt also noch Dankbarkeit hinzu.

Heike Grommeck (09.03.2014)

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