von Lydia Lange (lydifee@web.de)

Zahnarzt Dr. Drechsel und
Zahnmedizinische Fachangestellte Lydia Lange
10.02.2012- 28.02.12 Andra Pradesh

Wie kann ich meine ersten Semesterferien verbringen?

So lautete vor einem halben Jahr meine Frage. Ich wollte,

  • ferne Länder kennenlernen
  • Spaß haben
  • etwas Sinnvolles tun
  • Ausbildung und Studium miteinander verbinden.
Bild 1 Begrung mit Gesang Bild 2 Befundaufnahme

Ich heiße Lydia Lange, bin ausgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte, komme aus Rostock und studiere im zweiten Semester Soziale Arbeit.

Im Internet auf der Seite des DWLF wurde ich fündig. Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ war perfekt für mich.

Kurzerhand nahm ich Kontakt auf und erhielt die Telefonnummer von Herrn Dr. Drechsel, einem Zahnarzt aus dem schönen Erzgebirge, er habe einen Einsatz in Indien geplant, so hieß es.Dann verging die Zeit schnell, ich habe Absprachen getroffen, das Visum beantragt, Flüge gebucht, Impfungen gecheckt.

Am 01.02.2011 begann für mich die Reise, ausgerüstet mit persönlichen Gepäck und gesponserten Arbeitsmaterialien meines ehemaligen Ausbildungsbetriebes, des Marinestützpunktes Rostock.

Nach einer Stadtbesichtigung in Mumbai, der Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra, genoss ich die Sonne in Goa und traf am 11.02.2011 auf dem Flughafen in Chennai ein. Hier traf ich auf Herrn Dr. Drechsel. Weiter ging es mit dem Nachtzug nach Narakaduru, der kleine Ort liegt in den von Touristen meist unbeachteten Bundesstaat Andra Pradesh, im Süd-Osten Indiens. Die Fahrt war besten organisiert und wir wurden hoch erfreut im Kinderdorf in Empfang genommen. Untergebracht wurden wir in angenehmen Gästezimmern, direkt an der kleinen Kapelle des Kinderdorfes. Nach einer ersten kurzen Nacht wurden wir sehr herzlich von allen Bewohnern des Kinderdorfes willkommen geheißen.

Nach einer kurzen Besichtigung des Grundstücks begannen wir mit einer Bestandsaufnahme unseres Arbeitsplatzes. In den Räumen der kleinen Krankenstation wurden drei provisorische Patientenstühle und zwei Zahnarzteinheiten aufgestellt.

Am Montag begannen wir, nach einem super indischen Frühstück, mit den Befundaufnahmen bei den Kindern. Wir haben den Zahnstatus aller 120 Kinder aufgenommen. Zunächst haben wir die Schmerzpatienten behandelt. Dann, in den 2 Wochen verbleibender Arbeitszeit, wurden viele Milchzähne gezogen, Karies entfernt und Füllungen gelegt. Das Entfernen von Zahnstein hat jedoch die meiste Zeit in Anspruch genommen. Als Zahnärztliche Assistenz hat uns die Krankenschwester Vetty unterstützt und um die sprachlichen Hürden zu meistern war Melba, die Tochter des Heimleiters, meist mit in der Praxis. Gearbeitet haben wir 6 Tage die Woche ca. 8 Stunden am Tag. Nur die häufigen Stromausfälle und 5 leckere Mahlzeiten am Tag, konnten uns von der Arbeit abhalten.

In Narakaduru gibt es 7 Gruppen mit je ca. 20 Kinder. Nach dem Abendessen bin ich zu den einzelnen Gruppen gegangen um mit den Kindern das Zähneputzen zu üben. Die Kinder waren immer sehr interessiert und haben sich viel Mühe gegeben, wir hatten alle viel Spaß dabei.

Während unseres Aufenthaltes haben wir auch die Kinderdörfer in Inumella und Medapadu besucht, um auch dort eine Befundaufnahme zu notieren.

Alle drei Dörfer haben uns sehr gut gefallen, es war immer sauber und alle waren sehr höflich und zuvorkommend. Die Fröhlichkeit, das Lachen und die Offenheit der Kinder war faszinierend.

Der Abschied viel mir unglaublich schwer, schon Tage vor dem Abflug nach Deutschland liefen die ersten Tränen. Die Zeit in Narakaduru war sehr beeindruckend und die Familie das Heimleiters Dewaraju ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ebenso die Kinder, die immer wieder versuchen mich zum Bleiben zu überreden, was die Heimreise zusätzlich erschwerte.

Am 29.02.2012 bin ich mit vielen neuen Eindrücken in Berlin gelandet. Meine Vorstellung von wunderbaren Semesterferien hat sich erfüllt.

Es war bestimmt nicht mein letzter Einsatz mit der Stiftung „Zahnärzten ohne Grenze“.

Danke schön!

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