von Ulrike Hochstein (E-Mail: u.hochstei[at]gmx.de)

Israel-Palstina 1Am 19.12.2013 machten wir uns als zweites DWLF-Pionierteam für den Nahen Osten (Herrn Stefan Berger -DWLF-Intermediator; Anastasia Berger- Übersetzerin und mir, Ulrike Hochstein-Prophylaxeassistentin) auf, um das Projekt in Israel und im Westjordanland im organisatorischem Bereich voranzutreiben und um Unklarheiten zu beseitigen. Die Absicht, die DWLF-Hilfe in Israel, als auch im Westjordanland anzubieten, wollten wir auf die Umsetzbarkeit untersuchen.

Israel-Palstina 1bHerr Conny Deuerlein und Dr. Claus Macher waren schon ein Jahr zuvor im Gebiet Israel/Westjordanland und hatten entschieden, dass die praktische DWLF- Hilfe nur mittels einer MDDC sinnvoll anzubieten ist, da gut besetzte Zahnstationen schon genügend vorhanden sind. Insbesondere erkundeten sie die abgelegene Orte und die Behausungen der Nomaden, als auch die Schulen und fanden, dass hier vor allem eine Hilfe in der Prophylaxe und in der Basiszahnmedizin nötig sei.

Sie hatte auch schon Gespräche mit dem palästinensischen Gesundheitsministeriums geführt und die Vorstellungen eines MoU (Memorandium of Understanding) ausgetauscht.

Dieses Mal wollten wir als erstes mit der D.V.I. (Dental Volunteers for Israel) in Jerusalem und dann mit den Verantwortlichen im palästinensischen Gesundheitsministerium Kontakt aufnehmen.

Die Gegend war kein Neuland für mich. Mein 6-monatiger Aufenthalt im Nahen Osten im Jahre 2012/2013 ermöglichte mir ein Kennenlernen der Region, der Bevölkerung und der vor Ort herrschenden Situation. Ich konnte mir auch ein Bild im zahnmedizinischen Versorgungsgrad auf der israelischen und der palästinensischen Seite machen.

Diese Zeit, in der anfänglich mir ungewohnten Umgebung, habe ich die verschiedenen Kulturen lieben gelernt. Dies war eine große Bereicherung meines Lebens und ich beschloss fortan, dort den bedürftigen Menschen auf meinem Fachgebiet Hilfe anzubieten. 

Jeder mag die Menschen aus einer anderen und eigenen Sichtweise sehen. Bei mir ist die Freundlichkeit und die Großzügigkeit aller Menschen des Landes hängen geblieben. Es ist nicht abhängig vom Kulturkreis, wie man miteinander und mit Fremden umgeht – so war meine Erfahrung. 

„Al-Manara Square”- das Wahrzeichen von Ramallah

Hochhäuser von Ramallah

Olivenstraße

Olivenstraße

Felsendom in Jerusalem

Kulinarische Genüsslichkeiten

Das Heilige Land, in den unsere 3 Buchreligionen entstanden sind, hat neben seinen Kulturstätten und den kulinarischen Genüsslichkeiten auch landschaftlich sehr viel zu bieten. Vom hügeligen Ramallah steigt man über die Oliventerrassen zum Toten Meer hinab ( so wechselt man schon einmal vom Stiefel in die Sandalette). Das „Wadi el Qelt“ -Gebirge lädt mit seinen tiefen Schluchten zu beeindruckenden Wandertouren ein.

Ebenso ein Ausflug nach Jericho, der ältesten Stadt der Welt am Toten Meer, war sehr reizvoll. Herrliche Ausgrabungen und Museen warten auf den Besucher. Das Kloster in den Bergen war eine Drahtseilbahnreise wert.

Das Ziel dieser zweiten Pionierreise lautete nun, mit den Verantwortlichen vor Ort in Kontakt zu treten, um die letzten Vorkehrungen unseres Projektes gemeinsam zu planen und gangbar zu machen. Seit 2013 lagern zwei unberührte DWLF- Einheiten im Hause des Gesundheitsministeriums ein.                                                              

Wintereinbruch

Mir war klar, kommt es zu keiner gemeinsamen Einigung bzw. Fortführung im angedachten DWLF- Sinne in Ramallah, wird das DWLF- Inventar direkt abgezogen, um in ein Land gebracht zu werden, bei dem es zu weniger bürokratischen Hindernissen kommt.

So flog wir nun mit viel Erwartungen und Freude in die Gegend des Jasminduftes und der Olivenbäume.

Am 19.12.14 landeten wir in Tel Aviv, uns Drei verschlug es erst nach Jerusalem, wo ein überraschender Schneesturm die Palmen im Schnee hat stehen lassen.

Wir besuchten die Stiftung D.V.I. ( Dental Volunteers for Israel). Bereits von Deutschland aus nahmen wir den Kontakt auf und uns standen somit vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes die Türen offen. Die von Frau Trudi Birger (1927-2002) im Jahre 1980 ins Leben gerufene Stiftung ist eine Kinderzahn-klinik die allen armen Kinder im Land unabhängig von ihrer Nationalität und Religionszugehörigkeit hilft. Sie ähnelt den Maximen von DWLF und Zahnärzte aus der ganzen Welt kommen nach Jerusalem um tatkräftigen Einsatz zu leisten.

Führung durch die D.V.I.

Führung durch die D.V.I.

Aliza Soloman, in deren Hand die Organisation der Klinik liegt, führte uns durch die Räumlichkeiten. Sie erklärte uns ausführlich den Ablauf und die Verfahrensweisen der Handlungsgeschehnisse.

Die Stiftung ist bestens organisiert (vollständige Arbeitsmaterialien unter guten Arbeitsbedingungen, durchgeplante Behandlungszeiten, Unterbringung der Zahnärzte/tinnen). D.V.I. hat einen starken Zulauf, was Einsatzteilnehmer betrifft.                            

Aliza ist zurecht stolz auf der bis heutigen erfolgreichen Bilanz von D.V.I. . Hilfsbereite und tatkräftige Zahnärzte/INNEN sind stets herzlich Willkommen und DWLF kann wohlgesonnen auf die D.V.I. für Zahnärzte verweisen, die gerne auf der israelischen Seite zum Einsatz kommen möchten.                                                                                              

Mehrere Informationen erhält man unter

www.deutsche-freunde-dvi.de

bzw. bei Frau Dr. Andrea Tarau Tel: +49 (221) 7-400223 ist für deutschsprachige Interessenten die Ansprechpartnerin.

Eine Hilfe bei den Bedürftigen von Israel mit der MDDC ( Mobile DWLF-Dental Clinic) ist augenblicklich noch nicht gefragt; man kann seine Hilfsbereitschaft in festen Zahnstationen anbieten.

Unserer weiterer Weg führte uns nach Ramallah, die Hauptstadt des Westjordanlandes. Dort kamen wir kurzerhand zu einem Gespräch mit den Ansprechpartner für DWLF im Gesundheitsministerium ( der Vorarbeit sei Dank). Jedoch verlief diese Austauschrunde sehr zäh. Zu viele einseitige Forderungen und das Heraufbringen von Barrieren. Vorerst ohne Ergebnisse – des eigentlichen sinnvollen gemeinsames Projektes- trennten sich unsere Wege. Es mussten noch mehrere Missverständnisse ausgeräumt werden.

Neue Lösungsansätze brauchten wir nach dieser ersten Begegnung.

Treffen mit dem Gouverneur aus Jericho

Treffen mit dem Gouverneur aus JerichoIn Jericho trafen wir auf Herrn Al-Fityani, dem Gouverneur der Stadt. Ihm ist das DWLF- Projekt bereits durch den Besuch von Dr. Claus Macher und Kolmann Deuerlein im Sommer 2012 bekannt gewesen (Die markante Nase von Dr. Macher war ihm noch gut im Gedächtnis). Ihm liegt sehr viel an dessen Umsetzung. In einem vertrauten Gespräch machte er sich unsere Probleme zu seiner Sache.                                        

erfreulicher Gesprächsverlauf im Gesundheitsministerium

Beim zweiten Treffen im Gesundheitsministerium, bei dem er kraftvoll mitwirkte, verstand er es gekonnt die Barrieren zwischen beiden Parteien zu überwinden und noch mehr verstand er es, vermittelnd Brücken zu bauen.

Fortan konnte nun auf sachlicher Basis verhandelt werden. Themen, wie Einsatzgebiete und Unterbringung der DWLF- Helfer-Teams, Koordinator und Transportfahrzeug wurden auf gemeinschaftlicher Art und Weise besprochen. Aufbauend auf unser gemeinsamen Projektes und mit freudiger Erwartungshaltung gingen wir diesmal auseinander.

Jericho von oben

Die Gegend um Jericho ist als Projektstart für DWLF angedacht.

Eine Besichtigung des Beduinendorfes in der Wüste verdeutlichte mir noch einmal die Notwendigkeit und die dringende Hilfe unserer zahnmedizinischen Einsätze. Genau dort wird DWLF mit den mobilen Einheiten gebraucht. Diese Menschen sind mittellos. Mitleid ist jedoch nicht erwünscht. Es ist und bleibt das Nomadenleben, was das Volk der stolzen Beduinen ausmacht.

Beduinendorf in der Wüste am Toten Meer und eine Schule in der Wüste

Beduinendorf in der Wüste am Toten Meer und eine Schule in der Wüste

Teilnahme am Unterricht

Versammlung vor dem Wohn- und Schlafzimmer

Sie warten hoffnungsvoll die DWLF- Hilfe. Oftmals kam mir die Frage entgegen, wann wir mit den Teams erscheinen werden.

Im Medical-Center in Jericho bekam ich Einsicht in die Arbeit der dort staatlich angestellten Zahnärzte. Auch sie wünschen sich, dass das Projekt im Sinne der Bedürftigen bald umgesetzt werden kann. Ein persönliches Ziel ihrerseits ist ein gemeinschaftliches Zusammenarbeiten mit den deutschen Kollegen.

Mit viel Freude auf ein baldiges Wiedersehen trat ich die Rückreise nach Nürnberg an.

Nun gilt es, die letzten Vorkehrungen für das Projekt zu treffen, damit nun bald der Weg für die ersten Teams an das Tote Meer geebnet ist.

Nach den palästinensischen Schulsommerferien, im Mitte September 2014, könnten die ersten Einsätze in der Gegend um Jericho erfolgen.

Ich werde mich diesbezüglich mit dem Gesundheitsministerium von Ramallah in Verbindung setzen.

DWLF und ich freuen sich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

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