Gedanken und ein Gespräch mit der politischen Führung
des Gesundheitswesen in der Mongolei

Im August 2009 hatten wir einen Besprechungstermin von über 60 Min. mit dem mongolischen Gesundheitsminister Lambaa.

Wir dankten ihm, dass er mit uns den Vertrag gemacht hatte und lobten sein basisorientiertes Denken. Der Inhalt des Vertrages ist, dass die bürokratischen Hürden für die Helfer herabgesetzt werden. DWLF übernimmt  im Gegenzug die Qualifikationskontrolle.

Zudem hat DWLF die Verfügungsgewalt über seine Geräte- die wohl das Land nie mehr verlassen werden, jedoch immer in Gegenden gebracht können , in denen ein einheimischer Zahnarzt nicht sein Auskommen findet, da die Menschen zu arm sind.

So werden Reibungen mit einheimischen Kollegen verhindert, die sich vielleicht nach mehreren Jahren in demselben Ort niederlassen möchten, in der DWLF eine Zahnstation errichtet hat. 

DWLF wird zudem niemals Geld aus der Hand geben, sondern immer zu ortsüblichen Preisen nach unseren Plänen selbst investieren.

Wir wollen der Korruption und dem Versickern von Geld  keine Chance geben. Auch stellten wir klar, dass wir- falls unsere Hilfe in der Mongolei nicht mehr gebraucht wird – jederzeit das Land auch wieder verlassen werden. Es warten schließlich noch viele Aufgaben auf uns.  Wir erzählten ihm, was wir in diesem und letzten Jahr in der Mongolei alles gemacht hatten. Innerhalb von einer Stunde machten wir ihm Vorschläge, wie wir uns die zahnmedizinische Grundversorgung, die bislang in der ländlichen Gegend nicht oder nur sehr mangelhaft existierte, auf lange Sicht vielleicht sichergestellt werden kann.

Wir sprachen darüber, dass einfache Wirtschaftphilosophien wie Kapitalismus oder Kommunismus alle Probleme der Gesellschaft nicht lösen können.  Fast 1/6 der Amerikaner, das sind 47 Millionen,  haben immerhin kaum einen Zugriff zu einer medizinischen Basisversorgung, da eine breite Bevölkerungsschicht keine Krankenversicherung hat. Das reichste Land der Welt hat Zustände, die sollte man sich nicht zum Beispiel nehmen. Hier wurde kurz der Unterschied zwischen einem  „unterentwickelten Land” und einem „benachteiligten Land” angeschnitten, wie DWLF ihn definiert.

Die Mongolei ist vom Kommunismus kommend in die Phase des demokratischen Kapitalismus übergewechselt, das bedeutet aber gerade für die Mongolei nicht das Paradies für alle auf Erden. Immerhin hat in der Phase des Kommunismus die Mongolei 900 Millionen Dollar von den sozialistischen Bruderländern erhalten. Die Schere zwischen den Reichen in Ulaanbaatar (man sieht es an den zahlreichen teuren Autos und der enormen Bauaktivitäten) und den Armen auf dem Land ist erschreckend. DWLF hat über seine Tätigkeit hier einen Einblick gehabt.

Die Zahnärzte wurden privatisiert – in der Hauptstadt eine sinnvolle Maßnahme und eine gute Existenzsicherung. Für die armen Nomaden, die den eigentlichen Character des Landes ausmachen, ist dies sehr problematisch. Kaum ein ZA kann hier sein Brot verdienen, es sei denn er ist vom Staat angestellt. Die Gehälter sind klein und nicht motivierend zu bleiben: der Traum ist meist die Hauptstadt Ulaanbaatar. Hier gibt es Schulen, Theater, Konzerte, Kinos, Einkaufsmöglichkeiten und eine Großstadt ist für die meisten attraktiver. (Daher auch die Empfehlung von DWLF an die Helfer: pro Famulant und Helferin ca. 10 Euro und als Zahnarzt 30 Euro den einheimischen Zahnarzt/in als Abschied in die Hand drücken, wenn man mit deren Leistung zufreiden war – DWLF möchte verhindern, dass eine Zahnstation verweist. Die ländliche Bevölkerung braucht ihre Zahnärzte und wir können mit diesem kleinen Obulus – den wir gerne geben – sehr motivierend wirken und es kommt viel Dankbarkeit entgegen.

Das Problem ist die Großflächigkeit des Landes und so lagen wir mit unserer Stoßrichtung richtig: Mobile Zahnstationen haben wir mindestens in demselben Maße geschaffen, wie feste Zahnstationen.

Was wir auf dem Land aber erlebt haben, zeigt die Nachteile des Kapitalismus, der naturgemäß rein profitorientiert ist. Wir hatten in Erfahrung gebracht, dass die Herstellerfirma von süßen Limonaden ungefähr die Hälfte des Zuckers verarbeitet, der in der Mongolei verbraucht wird. Diese Limonaden sind relativ preiswert. Früher gab es die auch – die russischen waren aber sehr teuer, so dass diese sich nur wenig Reiche leisten konnten.

Früher tranken sie gesalzenen gebutterten Milchtee, heute ist das verführerisch-süchtigmachende süße Wasser in jedem Dorf zu finden. Zahnbürsten finden kaum Anwendung und so müssen wir bei 7 Jahrigen Zähne ziehen, die normalerweise den Menschen bis ins hohe Alter begleiten.

Aufklärung von Seite des Gesundheitsministeriums zusammen mit einer groß angelegten Prophylaxeoffensive ist zwingend – bei so einem riesigen Flächenstaat ist dies nur mit Hilfe auch der Schulen zu machen. Und dann muss Geld für die Zahnbürsten und Zahnpasta bereitgestellt werden.

„Sind die Zähne gesund ist auch der Körper gesund” sagt eine  mongolische Lebensweisheit, wie uns Gesundheitsminister Lambaa mitteilte…

…”Zahnschmerzen verbünden politische und religiöse Gegner”,
weil hier jeder Mitgefühl hat, entgegneten wir.

Wie kann das finanziert werden? Die mongolischen Ärzte und Zahnärzte sind sehr motiviert. Aber sie haben oft kein Instrumentarium und Materialien um zu arbeiten.  DWLF will Ideen praktisch auf die Tauglichkeit überprüfen und dann gut begründete Empfehlungen geben. Die bescheidenen finanziellen Mittel von DWLF reichen nicht aus, eine flächendeckende Hilfe anzubieten, zumal auch noch andere Länder auf uns warten.
Eine Zahnkrankenversicherung wird kaum von den Nomaden abgeschlossen werden können und ist politisch wahrscheinlich schwer durchsetzbar.

Wie wäre es aber mit einer Hightechzahnklinik in der Hauptstadt?
 
Hier könnte die Kieferchirurgie, Implantologie, Paradontologie, Zahnersatz und Kieferorthopädie auf hohem Nieveau angeboten werden – zu hohen Preisen. Es werden nur gute weibliche Zahnärzte angestellt, die gut bezahlt werden. (Männer wollen eher selbstständig sein – Frauen wollen auch Kinder und eine Familie haben – da passt ein Angestelltenverhältnis besser.) Dass sich für solche Pläne auch europäische Zahnärzte zu ehrenamtlicher Lehrtätigkeit finden lassen würden – davon bin ich überzeugt.

Die Überschüsse kommen in einen Topf, der DWLF und das Finanzministerium dann verwendet, um in den armen Gebieten zu investieren.
Hier können neue Zahnstationen, Fahrzeuge und auch die Gehälter der Zahnärzte aufgebessert werden die sich in den armen Gegenden etablieren..
Oder soll die Steuer dazu herangezogen werden?

Jedenfalls sollte ein System installiert werden, das sich möglichst selbst trägt und die ländlichen sozialen Randgruppen  berücksichtigt. Auch diese Randgruppen sind Wähler in einer Demokratie und haben am Wahltag eine Stimme.

DWLF wird sich weiter in der Mongolei hauptsächlich personell und finanziell engagieren und dank der gefallenen bürokratischen Hürden durch den Gesundheitsminister Lambaa ist dies jetzt einfach geworden. Dass dieses Land  für jeden Europäer ein schönes Erlebnis ist, davon zeugen die vielen begeisterten Erfahrungsberichte.

Wir werden sie noch lange unterstützen und tun das mit Freunde – nach jeder Fernsehsendung oder Zeitungsmeldung bekommen wir von vielen Zahnärzten, die in entlegeneren Gegenden tätig sind, Hilferufe und mit Fotos untermauerte Bitten, sie zu unterstützen.

Es ist aber für uns eine große Genugtuung, dass unsere Hilfe auf so fruchtbaren Boden fällt – nicht nur bei den mongolischen Kollegen und Patienten, nein auch bei der politischen Führung. Da hilft man gerne.

Frau Dr. Annette Kirchner wird für DWLF ein prophylaktisches Konzept mit Demonstrationselementen bis Ende Januar 2010 erarbeiten, das DWLF dann den Ländern anbieten kann, in denen DWLF tätig ist.

Wir werden es in mehrere Sprachen übersetzen.

Print Friendly, PDF & Email