von Martina Wolf (E-Mail: dieboesewolf@web.de) und
Barbara Sehlen (E-Mail: sehlen@t-online.de)

Sehlen Mong. 2013 in TrachtAm Donnerstag, 18.07.2013 machten wir uns morgens auf zum Flughafen Berlin-Tegel. Von hier aus startete unsere Reise in die Mongolei mit der Nürnberger Stiftung „Dentists without limits foundation“ zum dreiwöchigen zahnärztlichen Hilfseinsatz

Unsere Gruppe bestand aus 44 Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie Helfern unterschiedlichen Alters, und während des 11stündigen Fluges nach Ulan Baator bestand schon eine erste Gelegenheit zum Kennenlernen. Von UB wurden wir dann per Inlandsflug in Richtung Süden in die Provinzhauptstadt Bayangkhonor geflogen, wo bei einem Empfang durch den Bürgermeister die Gruppen à 4 Personen aufgeteilt und die Dolmetscher kennengelernt wurden.

Nach einer ersten Nacht mit mongolischem Komfort auf dem landestypischen Holzbett mit Holzbrettmatratze begann dann der eigentliche Einsatz- die Gruppen wurden mit Jeeps und russischen UAZ-Bullis in die Einsatzorte gefahren, welche über das ganze Bundesland verteilt lagen. Da die Straßenverhältnisse mit unseren deutschen eher nicht zu vergleichen sind, konnte eine 150km Strecke schon mal 4 bis 6 Stunden in Anspruch nehmen- man fährt durch die Steppe auf ausgefahrenen und nicht befestigten Pisten, und zwischendurch muss auch immer mal wieder einer Ziegen- oder Pferdeherde ausgewichen werden.

Unsere Gruppe wurde nach etwa 4stündiger Fahrt mit der gesamten Ausrüstung in einer kleinen Klinik im Ort Jingst herzlich mit einem landestypischen Essen empfangen- es gab heißen Sute-Tee, dies ist ein dünner, ganz leicht gesalzener Schwarztee mit Ziegenmilch, harten Trockenkäse sowie eine schmackhafte Suppe.

Am Nachmittag machten wir uns gleich daran, unsere Behandlungsgeräte in den leergeräumten Krankenzimmern aufzustellen und alles für die Behandlung am nächsten Tag vorzubereiten. Hierbei stießen wir auf großes Interesse der Klinikmitarbeiter. Am nächsten Morgen, einem Sonntag, wurden wir bereits von etwa 30 wartenden Patienten empfangen und wollten gleich loslegen- aber leider gab es an diesem Morgen keinen Strom, so dass erst ein Generator organisiert werden musste.

Diese Zeit ließen wir nicht nutzlos verstreichen, sondern zogen die Patienten vor, die nur Zähne entfernt haben wollten. Da in den ländlichen Bereichen der Mongolei die zahnärztliche Versorgung sehr schlecht ist, hatten wir auf diesem Gebiet immer reichlich zu tun. Einige Patienten sind bis zu 60 km mit dem Pferd oder dem Motorrad zur Behandlung in die Klinik gekommen! Die Schlange der Wartenden nahm indes während der ganzen Arbeitstage nicht ab, an beiden Kliniken stand der Flur ständig voller Menschen, die eine Zahnbehandlung haben wollten.

Das Stromproblem wurde übrigens nach kurzer Zeit behoben- da Sonntag war, konnte man den Generator der örtlichen Bank ausborgen. Am nächsten Morgen war die Überlandleitung denn auch repariert und es gab wieder Elektrizität aus der Steckdose.

Die Behandlungsbedingungen sind am Besten mit den Worten „sehr einfach“   zu beschreiben. Wir hatten zwei mobile Behandlungsgeräte aus China mit chinesischer Bedienungsanleitung von der Organisation zur Verfügung gestellt bekommen. Die Geräte befinden sich in einer Art Reisekoffer, von dem man nur den Deckel abzunehmen braucht. Darüber hinaus wurden wir mit einem separaten Zahnsteinentfernungsgerät, Absauganlagen, zwei klappbaren Zahnarztliegen und einem annähernd kompletten Instrumentarium (Zangen, Füllungsinstrumente) ausgestattet, aber ein Röntgengerät oder eine schöne helle Behandlungsleuchte suchten wir vergeblich. Doch auch mit einer guten Stirnleuchte und ohne Röntgendiagnostik ließen sich die anfallenden Fälle gut behandeln- bei den meisten Patienten wurde Zahnstein entfernt, oft wurden Füllungen gelegt oder Zähne extrahiert. Wenn möglich gaben wir auch noch Mundhygieneinstruktionen.

Abends hatten wir häufig sehr interessante Einladungen zu den Nomaden, die bis heute in ihren Jurten ein einfaches Leben mit dem Lauf der Jahreszeiten und ihren Tieren, vorwiegend Ziegen und Pferde, führen. Diese Besuche folgen immer einem festen Ritual. Ohne Gastgeschenk, welches mindestens aus einer Flasche gutem Wodka bestehen sollte, geht man nirgends hin. Diese Flasche wird dem Inhaber der Jurte, also dem Familienoberhaupt, ausgehändigt. Dann wird man aufgefordert, Platz zu nehmen- die Frauen sitzen meist auf dem Bett, das links in der Jurte steht, die Männer auf dem gegenüberstehenden Bett.

Wenn alle sitzen, wird selbst gemachter Ziegenhartkäse herumgereicht. Dieser Käse sieht ähnlich aus wie Karamell und ist in mundgerechte Stücke geschnitten, und man kann sich gerne bedienen. Als nächstes schenkt die Frau des Hauses aus einem größeren Plastikkanister gegorenene Stutenmilch, den so genannten Ayrag, in ein Schälchen und reicht es nacheinander den Gästen. Hier kann jeder trinken, so viel er mag, der Geschmack erinnerte mich persönlich sehr an Kefir, allerdings ist die Konsistenz nicht ganz so homogen wie hier bei uns. Im Anschluss an dieses Zeremoniell wurde häufig draußen etwas für uns vorbereitet, so konnten wir beispielsweise Ziegen und Stuten melken, in Landestracht auf einem Kamel reiten, Schnupftabak am Fluss ausprobieren, auf der Ziegenweide Volleyball spielen…… es war unglaublich, die Weite der Landschaft zu sehen und die Gastfreundschaft der Menschen erfahren zu dürfen.

Nach dem Unterhaltungsteil gab es immer noch ein schmackhaftes Mahl, welches meist aus Ziegenfleisch und Kartoffeln bestand und wieder in der Jurte eingenommen wurde. Nach dem Essen schenkte der Hausherr selbstgemachten Ziegenschnaps, der auch mongolischer Wodka genannt wird, in ein kleines Metallschälchen und reichte es wieder jedem einzelnen Gast. Oft wurde auch der mitgebrachte Wodka gleich vor Ort ausgeschenkt- sehr lecker! Gegen 21 Uhr, also kurz vor dem Dunkelwerden, traten wir dann den Heimweg in unsere Kliniken an. Mitunter mussten wir noch zwei Stunden durch die Steppe fahren und konnten den sagenhaften Sternenhimmel und die Milchstrasse bewundern.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass diese Reise etwas ganz Besonderes war- wir haben tatsächlich 14 Tage so gelebt, wie über 90 Prozent der Menschheit heute auf der ganzen Welt leben- ohne fließendes Wasser, mit unzulänglicher Energieversorgung, abhängig von Wind und Wetter.

Dennoch lebt das mongolische Volk nicht im Elend- wir trafen auf eine stolze Bevölkerung, die autonom von dem lebt, was die Natur ihr gibt. Durch diese Selbstversorgung leiden die Mongolen keinen Hunger. Des Weiteren leben die Mongolen heute noch als Nomaden in ihren Jurten- diese Zelte sind für Wind und Wetter bestens gerüstet und befinden sich stets in einwandfreiem Zustand. Die mongolische Regierung ist auf eine flächendeckende allgemeinärztliche Versorgung sowie auf die Umsetzung der Schulpflicht bedacht.

Viele Menschen (knapp 800) haben an elf Arbeitstagen unsere Hilfe in Anspruch genommen, und obwohl wir nur die Spitze vom Eisberg brechen konnten, habe ich nicht das Gefühl, dass unser Einsatz vergebens war. Die Menschen waren dankbar und geduldig, sehr gastfreundlich und offensichtlich mit sich im Reinen.

Martina Wolf & Barbara Sehlen, im September 2013

Bericht auch als PDF-File verfügbar:

Download 14 Tage ohne fließendes Wasser

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