Redaktioneller Beitrag von Kurt O. Wörl (E-Mail: redaktion [at] dwlf.org)
Hinweis: Erstbeitrag wurde überarbeitet.

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Foto: Archivaufnahme

Es war ein logistischer Kraftakt, zwei Großeinsätze in der Mongolei in Folge zu stemmen. Besonderer Dank gebührt hier der DWLF-Geschäftsführerin, Prof. Tuul Sodnompil.

Ohne ihre enorme organisatorische Vorleistung, auf Basis ihrer profunden Kenntnisse der Gegebenheiten in der Mongolei, wäre das kaum möglich gewesen.

Lassen wir zunächst die reinen Zahlen sprechen:

Gesamtergebnis
Einsatz 1: vom 16.07. bis 06.08.2015 und
Einsatz 2: vom 06.08. bis 27.08.2015

DWLF-Helfer aus Deutschland 72
DWLF-Helfer Gastland Mongolei 18
Einsatzteams 19
Behandelte Patienten 16.647
Extraktionen 12.986
Füllungen 11.015
Sealing 1.643
Prophylaxe(Erklärung Zahnpflege usw.) 5.176
Zahnsteinentfernung 1.934
*Mindestwert der Einsätze gesamt:
Einsatz 1
Einsatz 2
1.736.790,10 EUR
1.095.402,91 EUR
641.387,19 EUR

 *Hinweise: Der Mindestwert der Einsätze wurde berechnet anhand der niedrigsten Vergütungssätze deutscher Krankenkassen (AOK Bayern). Der tatsächliche Wert des Einsatzes liegt höher, kann aus nachfolgenden Gründen aber nicht exakt berechnet werden:

  1. Nicht enthalten in der Berechnung sind 1.464 nicht näher definierte Einzelleistungen, welche in den Erfassungsbögen unter “Sonstiges” festgehalten wurden (darunter auch eine Reihe von Mundschleimhaut- und aufwändige Wurzelbehandlungen).
     
  2. Nicht enthalten sind die Aufwendungen der DWLF-Helfer, welche ihre Reisekosten selbst zu tragen haben und 
     
  3. nicht enthalten sind die anteiligen Personalkosten der Geschäftsstelle.

Wie haben wir den Gesamtwert unserer Einsätze berechnet?  
Hier können Sie unsere Berechnung herunterladen:


Download Statistik Großeinsätze Mongolei 2015.


Warum  berechnen wir den Wert unserer Einsätze in EURO?

Man kann natürlich fragen, ob man den Umfang geleisteter, humanitärer Hilfe in Währungseinheiten messen sollte, zumal das Engagement der unter der Flagge von DWLF tätigen Zahnärzte/-innen und ihrer Helfer/-innen den Bedürftigen ja gerade nicht in Rechnung gestellt, sondern natürlich kostenfrei gewährt wird.

Für DWLF stellt sich diese Frage so nicht. Leider kommt man um die Darlegung humanitärer Hilfe in Geldwert heute gar nicht mehr herum;

  • nicht in einer Welt, in der die Märkte den Wert von Arbeitskraft, Gütern und erbrachten Dienstleistungen bestimmen;
     
  • nicht in einer Welt, in der selbst Länder über Rating-Agenturen vor allem nach ihrer Finanzkraft bewertet werden;
     
  • und nicht in einer Welt, in der Regierende inzwischen von “marktgerechten Demokratien” sprechen.

Wertschätzung erfolgt – zumindest in der westlichen Welt – heute fast ausschließlich über den Geldwert – leider! – Wer einmal Angehörige zu Hause selbst gepflegt und die Minutenabrechung für die Zuwendung unterstützender Pflegedienste erfahren hat, weiß, wovon die Rede ist.

Zudem: Andere Hilfsorganisationen beschränken sich in ihrer Berichterstattung oft darauf, diesen oder jenen Betrag in das eine oder andere Projekt investiert zu haben, ohne dass deutlich werden würde, welche konkrete humanitäre Hilfe Bedürftigen damit zu Gute kam. – Manche NGOs beschränken sich ganz darauf nur Hilfsgelder an Dritte zu überweisen und überlassen es diesen, die Mittel humanitär einzusetzen – nicht immer mit gewünschtem Erfolg. – Man könnte es “humanitäre Scheckheft-Strategie” nennen. Sie hat sicher auch ihre Notwendigkeit.

DWLF geht jedoch einen anderen Weg. Entsprechend unseres Grundsatzes

“Manpower is more important than moneypower”

engagiert sich DWLF direkt vor Ort und will sein Engagement transparent und vor allem verständlich darlegen. Da zahnmedizinische Leistungen nach Katalogwerten berechnet werden, kann die Stiftung – neben den physischen Einzelleistungen – auch den monetären Wert ihrer Hilfseinsätze recht präzise benennen (vgl. o.a. Download).

Wir würden uns den Aufwand, die Einsatzwerte auszurechnen, auch lieber ersparen. Dies schon deshalb, weil Statistiken und/oder ihre Berechnungen von missgünstigen Zeitgenossen “ins Blaue hinein” in Zweifel gezogen werden können. Und das Winston Churchill zugesprochene Zitat “Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.” ist uns natürlich auch bekannt. – Winston Churchill kannte zu seiner Zeit aber die ethische Grundlage unserer Arbeit noch nicht, die SCIMUS-Ethik.

Wir sind auf die Bewertung unserer Einsätze angewiesen. Nehmen wir die Zahlen der beiden Großeinsätze in der Mongolei heuer als Beispiel:

Berichten wir nur davon, dass 72 DWLF-Helfer aus Deutschland, zusammen mit 18 mongolischen DWLF-Helfern, in 19 Gruppen, an jeweils zehn Arbeitstagen, bei 10.357 Bedürftigen, 8.600 nicht zu rettende Zähne gezogen und 6.779 Füllungen u.a. Leistungen erbracht haben, dann wären das zwar viele Worte – und die sind auch wahr. Wir bewirken damit erfahrungsgemäß aber nicht recht viel mehr als ein gedämpftes “Aha” als Feedback, weil dem Laien zum Bemessen der erbrachten Leistungen schlicht eine normierte Messlatte fehlt. 

Berichten wir aber unsere 80 DWLF-Helfer haben in 19 Gruppen, an jeweils zehn Arbeitstagen, zahnmedizinische Leistungen im Wert von 1,7 Mio. EUR in die Münder von 10.357 bedürftigen mongolischen Nomaden gelegt, dann ist das kurz und knackig und wir haben nach unserer Erfahrung augenblicklich die Aufmerksamkeit auf unserer Seite, weil vom Wert eines Euros jeder eine Vorstellung hat.

DWLF braucht die bewertete Statistik vor allem aber, um mit den Regierungen in den Einsatzländern auf der Basis konkreter Fakten vernünftig verhandeln zu können. Auch für die Unterstützer der Arbeit der DWLF durch Dritte, z.B. durch Spender und Sponsoren, sind nachvollziehbare, bewertete und damit belastbare Zahlengerüste unverzichtbar. 

Und noch einen wichtigen Sinn hat unsere Statistik generell, Sie macht Missstände sichtbar! Vor allem eine der Ergebniszahlen trieb bereits bei der Feststellung des Desasters vor Ort einigen unserer Helfer die Zornesröte ins Gesicht: 

12.986 extrahierte Zähne bei 16.647 Patienten sind für jedes Land eine Schande und besonders für die Regierung schlicht ein Zeugnis ihres Versagens. War Karies vormals in der Mongolei eine nahezu unbekannte Zahnerkrankung, änderte sich dies schlagartig mit der Öffnung der Handelswege. Süßigkeiten und vor allem zuckerhaltige Getränke, wie Cola, Limonade usw., kamen über eine darauf völlig unvorbereitete Bevölkerung, welche weder zu Hause, noch in der Schule, noch über die Medien Aufklärung über die schädliche Wirkung von Zucker und was man dagegen tun kann, erhielt.

Deutliche Worte:

Unsere DWLF-Geschäftsführerin, Prof. Tuul Sodnompil, begleitete die Einsätze auch vor Ort und nahm im Rahmen eines Interviews, in der mongolischen TV-Nachrichten-Sendung „de facto“, angesichts der erschreckenden Befundlage – vor allem bei den Kindern der Nomaden – auch kein Blatt vor den Mund. 

Hinweis: Das Interview der Nachrichtensendung „de facto“ ist über YouTube
– vorerst nur in mongolischer Sprache – aufrufbar.
Die Aufzeichnung will der Sender bis Ende des Jahres noch mit
deutschen und englischen Untertiteln versehen)

Die Entwicklungspartnerschaft zwischen der Regierung der Mongolei und DWLF muss also fortgesetzt werden. Neben der kostenfreien, zahnmedizinischen Grundversorgung für Bedürftige – wie bisher schon – soll künftig auch der Aufklärung über Prophylaxe-Möglichkeiten, besonders zur Zahnhygiene und zur Abwehr von Zahnschädigungen durch Zuckergenuss, Gewicht gegeben werden. Denkbar wäre z.B. das Anfertigen aufklärender Videofilme, geeignet zur Nutzung in Schulen aber auch zur Ausstrahlung über das Fernsehen.

Für die geleistete Arbeit im Rahmen der beiden Mongolei-Einsätze, für das unglaubliche Engagement, oft unter erschwerten Bedingungen, danken der Präsident der Stiftung, Dr. Claus Macher sowie das Team der Geschäftsstelle allen beteiligten Einsatz-Helfern, den verantwortlichen Zahnärzten/-innen der Teams ebenso wie ihren Helfer/-innen von ganzem Herzen.

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