Mongolei 2008 – 1. Erfahrungsbericht direkt aus Suckbaatar Aimak 
und später ergänzt

mongolei_2007_baagi-jeep_klein_1318.jpgSich in der Mongolei zu bewegen ist nicht so einfach: Man muss einen Jeep mit Fahrer mieten, der möglichst Englisch kann oder zudem noch einen Dolmetscher. Das verursacht Kosten, die sich aber lohnen und die durch die Anzahl der mitfahrenden Personen der DWLF aufgeteilt werden. Selbst zu fahren ist nicht empfehlenswert, da die Namen in kyrillischer Schrift dargestellt und wenig Wegweiser vorhanden sind.

080828_mit_dem_fiananzminister-klein.jpgZudem ist hier echte “Fahrkunst” mit dem Allrad nötig, da besonders bei Regen oder Sandstürmen die Verhältnisse die Unerfahrenen meist überfordern.

Ein Land 4-5 Mal so groß wie Deutschland, indem nur ca. 1 Mio. Nomaden verstreut leben, die wir zahnärztlich betreün wollen.

Dr. Wolfgang Credner (drcredner@hotmail.com), Dr. Heiner Kraft (heiner.kraft@t-online.de), Tuul Sudnompil (tuulai@gmx.net) und Dr. Claus Macher (claus_macher@arcor.de)  sind mit den mongolischen Partnern voll zufrieden:

Nach Gesprächen mit den Kollegen, Klinikleitung, dem Governor und dem Finanzminister wurde das Programm der DWLF für die Mongolei voll begrüsst und uns versprochen, die volle administrative Unterstützung von den politischen Funktionsträgern zu bekommen. Dies wurde uns später auch von der Aussenministerin bestätigt. Wir versprechen uns, dass unsere Arbeit dadurch weitgehend erleichtert wird.

Immer wieder hörten wir den anerkennenden Satz: “Da kommt ihr deutschen Zahnärzte  10 000 km her, um unserem Volk zu helfen – es ist kaum zu begreifen. Wir wissen, dass es nicht einfach ist, den Nomaden zu helfen, weil sie so verstreut leben” Sie wissen: Manpower is more important than Moneypower.

In Dari-Gan Ga sum konnten wir letzlich den Finanzminister treffen um mit ihm unser zahnärztliches Konzept für die Mongolei durchzusprechen und wurden von ihm und dem Governor in die Ehrenloge eingeladen, um den Ringkämpfen beim Naadamfest zuzuschaün. Der Austragungsort war das “weltenergetische Zentrum”, der mongolische heilige Berg “Altan Ovoo”, ein erloschener Vulkan, auf dessen Spitze ein Stupa steht und auf welchen alle 4 Jahre eine riesige Pilgerfahrt stattfindet. Wir hatten das zeitliche Glück, mit hinaufpilgern zu dürfen. Der bekannte Ganga-See, der Ende August mit den nach China ziehenden Schwänen bedeckt ist und dessen Qülle, die durch Pfeifen zu sprudeln beginnt, war ganz in der Nähe.

080829_mundhygiene_-hell-klein.jpgDie Hauptbetätigung wird neben den üblichen konservierenden und chirurgischen Tätigkeiten für die DWLF die Prophylaxe sein, da auch hier gnadenlos die manchen süchtigmachenden zuckerhaltigen Limonaden und “Leckerli” nicht nur aus dem Ausland Einzug halten und die Mundhygiene kaum betrieben wird. Bei vielen Jugendlichen unter 10 Jahren mußten die ersten großen Backenzähne gezogen werden.

Da die Zahnbürsten made in China nur 12 Cent und die Zahnpasta 15 Cent kostete, wurde jedem untersuchten Kind eine “Mundhygieneset” überreicht. Sie trugen dieses stolz davon. Für die ganz kleinen tapferen Nachfahren von Dschingis Khan hatten wir auch ein paar trostspendende Kuscheltiere dabei.

Im Krankenhaus, das für 54 000 Menschen zuständig ist, wird die schon vor Monaten von Dr. Berling (k-d.berling@t-online.de) und Britta Schneider (britta_1983schneider@web.de) eingeweihte Zahnstation von DWLF komplettiert und nach praktischen Gesichtspunkten eingerichtet: kleinere Baumassnahmen wurden von der Klinikleitung genehmigt und die Möbel wurden in Auftrag gegeben.

Zudem wurde ein zahntechnisches Labor konzipiert, da es hier überhaupt keines gibt. Die Geräte werden aus China besorgt, da diese hier leicht repariert werden können. In UB wurde eine Firma (TBAC Bayanzurh duureg, XII Horoo. 206-42. Tel. und Fax: 00976 – 70158446  Handy: 00976 – 99119566 – Verständigung: Tel. Englisch oder per Fax auch Deutsch) gefunden, die die nötige Sachkompetenz und Kontakte zu dem Dentalmarkt in China hat und die Aufsicht über die Installation der Geräte und der Möbel übernimmt.

080828_wolfgang_beim_planen_-klein-.jpgDie Praxismöbelbeim Zeichnen ist, werden bis , die nach Plänen von Dr. Wolfgang Credner (drcredner@hotmail.com) aus Berlin angefertigt werden, und der auf dem Bild gerade Ende August installiert sein. Dann werden wir in der Mongolei drei feste Zahnstationen etabliert haben, die mittlerem europäischen Standart entsprechen und mit mongolischen Zahnärzten besetzt sind, die von den jeweiligen kommunalen Krankenhäusern bezahlt werden und mit denen es sich gut zusammenarbeiten läßt. Englische Sprachkurse haben wir in Buchform und auf CDs schon an die Krankenhäuser verteilt und Britta Schneider (britta_1983schneider@web.de), die schon seit 4 Monaten in Batsumber sum mithilft und bis zum 18. Oktober 2008 bleibt, hat der mongolischen Zahnärztin dort schon das nötige Englisch beigebacht.

Zum anderen kamen die tragbaren Einheiten nebst transportablen Behandlungsstühlen bei den Nomaden mit Erfolg zum Einsatz. Die Robustheit und Einfachheit dieser leitungsfähigen chinesischen Geräte war verblüffend. Ein Autoclav-Sterilisator mit einem Gaskocher und ein Yamaha-Generator gehört mit zur Ausrüstung, so dass wir unter medizinisch vertretbaren aseptischen Kautelen arbeiten können. Allerdings ist die Verarbeitung der in China gefertigten Einheiten etwas oberflächlich, so dass man manches am Anfang nacharbeiten muss, was aber einem technisch versiertem Zahnarzt keine Mühe macht. Unsere tragbare Ausrüstung werden wir am Sa., den 20. September 2008 in Nürnberg zu unserer Jahrestagung ausstellen, so dass man sich ein Bild davon machen kann. Diese wird dann weiter in Rumänien in einem Projekt von DWLF verwendet werden.

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Das Aufsuchen der gastfreundlichen und dankbaren Nomaden mit unseren portablen Geräten ist das erste Mal, dass dies von zahnärtzlicher Seite aus geschah. Wir behandelten in den mongolischen Zelten (Ger). Uns begleitete eine mongolische Zahnäztin, und das Interesse der Kollegen dort ist enorm gross, mit uns zusammen zu arbeiten, von uns zu lernen und wir lernen auch von ihnen.

Dies wird in Zukunft unsere Hauptaufgabe sein, da die Nomaden meist wirklich arm sind und absolut liebenswert und freundlich; für uns ist es eine einmalige Gelegenheit, eine Kultur auf Augenhöhe durch eine Türe zu betreten, die sich in dieser Weise einem betrachtenden Touristen nie öffnen wird.

Zudem ist es ein horizonterweiterndes sinnerfülltes Abendteür, das uns in seiner Schönheit und Einmaligkeit tief berührt hat. Zu Fuss, mit dem Pferd oder dem Jeep gelangten wir zu den nächsten Nomaden und teilten ihnen den Standort unserer Zahnstation mit. Und sie kamen…

Dr. Heiner Kraft (heiner.kraft@t-online.de) aus Nürnberg, der hier in einem mongolischen Zelt (Ger) behandelt, war auch überrascht von dem Dank, der uns entgegenströmte, als auch an dem großen Engagement und Begeisterung der mongolischen Kollegen. Der Dank zeigte sich auch in abendlichen wodkaunterstützten Gesangsabenden, in denen sich Heiner und uns die Haare aufstellten, so schön besangen uns die mongolischen Kollegen/-innen. Wir konnten nur das Lied  “Auf der schwäb´sche Eisenbahne” entgegensetzen, von dem wir den Text mitgenommen hatten. Wenigstens der Text brachte die Mongolen zum Lachen und sie lachen sehr gerne. Unser Gesang war eher zum Weinen. Deutschland, wo sind deine schönen Lieder, wo deine schönen Stimmen geblieben? Wir stellten fest: wir haben das Singen verlernt. Heiner beschloss, zu üben und gleich nächstes Jahr für zwei Monate hierher zu kommen. Dann auch wieder in Gruppe mit Helferinnen und Famulanten/-innen.

Und Heiner sagte immer wieder in seiner positiven Art das, was wir alle fühlten: “Wir haben größten Respekt vor Euch. Wir fühlen etwas, von dem wir nicht wußten, dass es das noch gibt. Wir bedanken uns, dass wir bei Euch sein dürfen.”

Das Krankenhaus in Baruut Urt sum richtet im Augenblick 2 Doppelzimmer her, so dass wir dann umsonst dort übernachten können. Dr. Klaus-Dieter Berling (k-d.berling@t-online.de) wird die Funktion des Projektmanagers für Baruut Urt hier in Deutschland übernehmen und für die Einteilung der Zahnärzte, Famulanten und Helferinnen zuständig sein.

Britta Schneider (britta_1983schneider@web.de) wird in erster Linie als Projektmanager für Batsumber zuständig sein und sich mit Dr. Walter Niederalt (dr.niederalt@online.de) absprechen und Tuul Sodnompil (tuulai@gmx.net) wird der Projektmanager für Zuumod sum sein.

Sollten Sie sich für eines der Projekte interessieren, so melden Sie sich bei Hans-Joachim Naber an, versuchen Sie in unserem Forum eine Crew (3-4 Personen) aus Zahnärzten, Famulanten und Helferinnen zusammenzustellen und mit Ihnen in Kontakt zu treten und wenden sie sich dann wegen einem Termin und Auskünften an den entsprechenden Projektmanager.

Jeder reist auf eigene Gefahr und Risiko; die Informationen und Kontakte können Sie über uns bekommen.

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