von Franka Selz (E-Mail: Franka.selz@dwlf.org)

Willkommen in der Mongolei!

Auch in diesem Jahr hieß es wieder: Mongolei, DWLF ist dabei!

Für mich persönlich war es der erste Einsatz, bei dem ich aktiv beteiligt sein durfte, zwar nicht als Zahnarzt oder als Zahnmedizinische Fachangestellte, sondern um Frau Tuul Macher bei ihrer logistischen Arbeit vor Ort zu unterstützen so gut ich konnte.

Sie hat im Vorfeld bereits eine großartige, aber auch nervenzermürbende Arbeit geleistet, denn es galt für etwa 54 Deutsche Zahnärzte und Helfer auf bürokratischen Wege die Arbeitserlaubnisse von dem Mongolischen Gesundheitsministerium einzuholen, mit der Fluggesellschaft MIAT (Mongolian Airline) zwecks Übergepäckmitnahme und wegen Gruppenvergünstigung im Flugpreis zu verhandeln und sich mit dem Zoll auseinanderzusetzen- eine zermürbende Aufgabe. Dennoch kann es immer passieren und ist in einem Fall leider auch vorgefallen, dass bei der Einreise der Zoll einem das Gepäck beschlagnamt.

Für jeden Einsatz wird immer viel Material benötigt, die von Spenden von großzügigen Dentalfirmen stammen. Dieses reicht von Gebrauchsmaterialien, Instrumenten und Füllungsmaterial bis hin zu Anästhetika, bei denen zusätzlich Papiere (Sicherheitszertifikate, Analysenzertifikate und Datensicherheitsblätter) für den Transport und für die Einfuhr in das Land benötigt werden. Gerade Medikamente gelten schnell mal als Gefahrengut.

Viele Materialien wurden bereits vor dem Einsatz mit dem Container von einem Logistikunternehmen der Mongolischen Eisenbahn von Berlin nach Ulaanbaatar gebracht. Was zusätzlich benötigt wurde, wurde per Ameisentransport von den DWLF Helfern in deren Koffern im Flugzeug mitgenommen.

Einsatzbesprechung am Ankunftstag in Ulaanbaatar

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten für deren Einsatz in der Mongolei, aber auch bei allen, die im Vorfeld an der Planung und Durchführung beteiligt waren und bei den Dentalfirmen, die den Einsatz mit Sachspenden unterstützt haben, im Namen von DWLF ganz herzlich bedanken. Jede noch so kleine Tat kann großes bewirken. Ein ganz großes Lob geht auch an Frau Tuul Macher, die den gesamten Einsatz logistisch und meisterhaft begleitet hat. Während des Einsatzes hatte sie immer ein offenes Ohr für die Wünsche und Bedürfnisse der Einsatzteilnehmer und wusste immer, wo es lang geht. Auftauchende Probleme hat sie souverän gelöst. Mir ist es eine Ehre, sie dabei so gut es ging unterstützt zu haben und sie bei den meist langen Fahrten zu den vielen Einsatzorten begleitet zu haben. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, den Einsatz so gut es ging zu dokumentieren.

Einsatzbesprechung am Ankunftstag in Ulaanbaatar

Alle Einsatzteilnehmer wurden am 30.07.2012 in der Früh mit dem Bus vom Chinggis Khaan International Airport abgeholt und zu deren Hotels gebracht. Nach einer kleinen Pause wurden sie, gemeinsam mit den mongolischen Dolmetschern, bei der Einsatzbesprechung willkommen geheißen.

Diese Veranstaltung wurde auch gleich genützt, um noch offene und wichtige Fragen zu klären. Das Material, welches im Vorfeld aus Deutschland geschickt wurde, wurde an die Gruppen verteilt.

Desinfektionsmittel für Flächenreinigung

Eine mobile Einheit

Einige Teams mussten bereits noch am selben Tag zu deren Einsatzort gebracht werden. Die übrigen Teams wurden gleich am nächsten Morgen per Auto, Flugzeug oder per Bahn zu deren Einsatzgebieten, bei denen u. A. in Krankenhäusern feste Zahnstationen von DWLF aufgebaut wurden, gebracht. Bei diesem Einsatz kam sogar eine mobile Zahnstation in Einsatz. Das Team von Dr. Ivo Pfütz war damit in Erdenet und Galuut, im Aimag Bayanhongor, etwa 658 bzw. 716 km westlich von Ulaanbaatar, im Einsatz. Die Strecke dorthin war schon ein Erlebnis wert.

Atemberaubende Bilder und ewige Weiten

Atemberaubende Bilder und ewige Weiten

War dieses geschehen, wurde von Tuul und ihrem großartigen Team das erste fehlende Material organisiert, verpackt und per Linienbus zum Team in dem dementsprechenden Einsatzort geschickt. Im Übrigen war das nicht die einzige intelligente Methode, Material zu weiter entfernten Einsatzorten zu schicken bzw. es war auch der schnellste Weg, falls mal die Zeit nicht da war, persönlich dorthin zufahren. Das benötigte Material erreichte entferntere Orte auch mal mit dem Flugzeug. Das Material wurde dann einfach am Flughafen am Frachtschalter abgegeben. Die Fahrt mit dem Auto oder mit dem Zug hätte auch zu lange gedauert und das Hinfliegen wäre auch zu teuer gewesen. Bei dieser Arbeit war das Handy der beste Freund und Mitarbeiter gewesen.

Das Material wird zusammengepackt

Wo es lang geht

Die Teamleiter wurden angerufen und gefragt, ob noch was benötigt wird. Die erste Aufgabe des Einsatzteams war nämlich, vor Ort eine Bestandsaufnahme zu machen und die Zahnstationen, die von DWLF installiert wurden, in Betrieb zu nehmen.

Was wird gebraucht?

Eine verpackte mobile Einheit.

Fehlendes Material wurde dann verpackt und mit auf die teils langen und abenteuerlichsten Fahrten im Auto mitgenommen. Was vielleicht in den ländlichen Gebieten öfter vorkommt aber für einen verwöhnten Europäer eine interessante Grenzerfahrung darstellt- im positiven Sinne, war gerade die langen Fahrten über die Pisten, Steppen und Wüsten, durch Täler, Gebirgsausläufer, durch Flusslandschaften und Flüssen, die Suche nach dem richtigen Weg, da nach regenreichen Tagen die Flüsse ihren Lauf geändert hatten, Straßen und Wege überfluteten wurden (das Steckenbleiben im Fluss und das Volllaufen des Wagens inklusive) und das Ausweichen vor riesigen Schlaglöchern. Begleitet wurden diese Fahrten von atemberaubenden Landschaften, rührender Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und das hautnahe Kennenlernen der Mongolischen Kultur und Mentalität. So vergaß man sehr schnell die Strapazen des Autofahrens.

In der Steppe

Unser fahrbarer Untersatz – praktisch und solide

In Etappen wurden so dann die einzelnen Einsatzgebiete besucht und mit dem dementsprechenden Material versorgt. Insgesamt haben wir in diesen Wochen ca. 2500 km mit dem Auto zurückgelegt. Hinzu kommen noch 10 stündige Zugfahrten mit der Transmongolischen Eisenbahn in die Wüste Gobi- nach Sainshand im Aimag Gobi sumber, um genau zu sein. Dort war das Team von Dr. Krumbacher im Einsatz, welches aber spontan, bzw. welches sich spontan dazu bereit erklärt, in Zamiin-Üüd, ebenfalls in Aimag Gobi sumber gelegen, für ein Team, welches leider kurzfristig abgebrochen hat, einzuspringen. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei diesem Team für diesen tollen Einsatz bedanken- vor Allem, weil es nur zu dritt war.

Die ersten 3 Tage haben wir das Team von Dr. Klittich in Choir/Zamiin-Üüd, Dr. Borchers in Alag-Erdene/Khubsugul und anschließend das Team von Dr. Hering in Buren, im Aimag Töv, besucht.

Das Krankenhaus in Choir/Zamiin-Üüd

Einheit in eines der Räume- Team Dr. Klittich

Dr. Hering und sein Team war in diesem Ort eine Woche im Einsatz, bevor es nach Delgerhann/ Töv wechselte. Jedes Team hatte mehrere Einsatzorte.

Das Team Dr. Hering mit Dr. Annica Volkmann, Isabel Deny und Manuel Brusius (Einsatzort: Buren, Delgerhann/Töv)

Das Team Dr. Hering mit Dr. Annica Volkmann, Isabel Deny und Manuel Brusius (Einsatzort: Buren, Delgerhann/Töv)

Es folgte anschließend eine größere Etappe von 4 Tagen, bei der wir das Team von Dr. Franz Sedlmeier in Zezerleg/Arkhangai aufsuchten, bei der das Hauptproblem der Kompressor war, welcher die beiden Einheiten nicht mit genügend Druck versorgte, sowie ein defekter Bohrer, was das Team erheblich an der Ausführung ihrer Arbeit hinderte. Es hat aus dieser Situation das Beste gemacht.

Probleme vor Ort: Defekte Bohrer…

… und nicht effizient arbeitende Kompressoren

Das Team Dr. Sedlmeier mit Dr. Düsberg, Kim Ha Nguyen Tien und Anna Schneider- Problembesprechung

Anschließend führte uns die Etappe weiter zum Team von Dr. Kiesewetter, welcher u. A. in Ikh tamir/Ankhangai arbeitete, und anschließend zum Team von Dr. Pfütz, der mit seinem Team und einer mobilen Zahnstation in Erdenetsogt und Galuut/Bayanhongor unterwegs war. Bei dieser Gruppe haben wir eine mobile Zahnstation abgeliefert.

Das Team mit der Mobilen Einheit: von links nach rechts: Dr. de Theillez, Karina Bethe, Dr. Pfütz und Dr. Neuber (Erdenetsogt, Galuut/Bayanhongor)

Organisation ist alles!

Team Dr. Kiesewetter mit Dr.Fazakas, Anja Eckl und Mira Tschida (Ikh tamir, Ondor-Ulaan/Ankhangai)

Team Dr. Kiesewetter mit Dr.Fazakas, Anja Eckl und Mira Tschida (Ikh tamir, Ondor-Ulaan/Ankhangai)

Nach dieser langen Etappe hat Frau Tuul Macher die beiden Gruppe von Dr. Schmitz in Selenge/Bulgan und das von Dr. Amann in Altanbulag/Selenge besucht während ich mich mit einer Kiste mit Füllungsmaterial und anderen Verbrauchsmaterialien in den Zug der Transmongolischen Eisenbahn nach Sainshand/Gobisumber gesetzt habe um das Team von Frau Dr. Krumbacher aufzusuchen.

Materiallieferung mit dem Zug

Dein Freund und Helfer

Ich wurde dort vom Team, den Dolmetschern und den Organisatoren des Einsatzes, Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die für die Eisenbahngesellschaft tätig sind, sehr herzlich empfangen. Ursprünglich sollte ich dort ein paar Tage bleiben, bin aber leider früher als geplant aus gesundheitlichen Gründen nach Ulaanbaatar zurückgekehrt.

Das Team Dr. Christl Krumbacher, Thomas Kiefert und Maria Schiz

Das Team Dr. Christl Krumbacher, Thomas Kiefert und Maria Schiz

Einheit

Einzelleistungsstatistik

Die anderen Teams (Team Dr. Pehl in Jargalan, Bayan-Uul/Gobi-Altai- etwa 991 bzw. 1147 km südwestlich von Ulaanbaatar und das Team von Frau Dr. Walter in Baruunturuun, Zuungobi/Uvs- etwa 1163 bzw. 1217 km nordwestlich von Ulaanbaatar) waren wegen der großen Ferne leider nicht erreichbar.

Auskuriert und einigermaßen wieder fit habe ich in der letzten Woche einen halben Tag in einem Kindergarten in Ulaanbaatar vorbeigeschaut und konnte einen sehr interessanten Einblick in die Arbeit der Gruppe von Frau Dr. Krumbacher gewinnen.

Unterwegs

Unterwegs

Spätestens an diesem Tag wurde mir klar, wie schnell die Zeit in der Mongolei verflogen ist und dass es dauern wird, die vielen neuen und spannenden Eindrücke, die nachhaltig in Erinnerung bleiben werden, zu verarbeiten. So etwas nennt auch Lebenserfahrung. Am nächsten Tag (am Dienstag, der 14.08.) sollte schon der Medientag mit dem Abschlusstreffen stattfinden.

Medientag

Tafel mit den Einsatzorten

Gefühlt alle Medien der Mongolei waren vertreten, als Frau Macher und die Vertreter des Mongolischen Gesundheitsministeriums den Einsatzteams dankte. Einige Teams wurden anschließend interviewt.

Das Team Dr. Pehl wird interviewt (Einsatzort: Jargalan, Bayan-Uul/Gobi-Altai)

Das Team Dr. Pehl wird interviewt (Einsatzort: Jargalan, Bayan-Uul/Gobi-Altai)

Medientag: Frau Tuul Macher wird interviewt

Medientag

Die restlichen Tage sollten zur freien Verfügung stehen. Einige sind in deren Hotels geblieben um auf eigene Faust die Stadt zu erkunden, andere Teams haben ein Touristencamp in der Nähe des riesigen Dschinghis Khan Denkmals besucht. Das komplette Team von Frau Dr. Krumbacher, gemeinsam mit Baagi, dem Dolmetscher, seinem Sohn, dem einheimischen Zahnarzt, der mit dem Team von Frau Dr. Krumbacher zusammengearbeitet hat, sowie seine Frau und sein kleiner Sohn, und die beiden Organisatorinnen mit Tochter und Mutter wurde von der Eisenbahngesellschaft in ein anderes Touristencamp eingeladen. Dieses Camp lag traumhaft einem Tal, durch dieses sich ein Fluss schlängelte. Dieses Camp besteht aus einem Haupthaus, Gartenanlage und mehreren Hütten und Jurten, die man buchen konnte. Ich selbst war im Haupthaus untergebracht.

Kollage mit den Meisten Teilnehmern bei der Ehrung

Zurück in Ulaanbaatar wurden alle Einsatzteilnehmer von Dr. Claus Macher zu einem Abendessen eingeladen, bei dem den Teams nochmals gedankt wurde und Dankesurkunden überreicht wurden, vom Gesundheits-Ministerium und von den Vertretern bzw. Bürgermeistern der Sums/Aimags sowie von der Eisenbahn-Gesellschaft.

Am nächsten Morgen sollte auch schon der Flug zurück nach Berlin/Tegel über Moskau stattfinden.

Bei den Besuchen der Einsatzgruppen war es immer spannend und interessant zu erfahren, unter welchen Umständen diese gearbeitet haben, welche Bedürfnisse und Zahnprobleme die einheimischen Patienten haben und was sie letztendlich zu den Deutschen Zahnärzten führt. Dank der hervorragenden Arbeit der einheimischen Dolmetscher war eine reibungslose Kommunikation zwischen dem Patienten und dem Deutschen Zahnarzt/ Zahnärztin möglich. Des Weiteren ist bei jedem Team ein einheimischer Zahnarzt dabei.

Immerhin haben viele Menschen weite Wege und lange Wartezeiten auf sich genommen um überhaupt einen Zahnarzt zu sehen. In den ländlichen Gebieten ist die medizinische, insbesondere die Zahnmedizinische Versorgung sehr schlecht bzw. gar nicht vorhanden- und wenn, können viele Einheimische sich die Behandlung einfach nicht leisten. Einheimische Zahnärzte, sofern welche da sind, sind leider immer noch nicht ausreichend ausgebildet. Viele Zahnärzte zieht es nach deren Ausbildung in die größeren Städte so wie Ulaanbaatar, ländlichere Gebiete werden vernachlässigt bzw. sind uninteressant für die Jungzahnärzte.

Fakt ist, dass sich die Einheimischen gerne von den Deutschen Zahnärzten behandeln lassen und diese sehr zufrieden mit deren Arbeit sind- und das spricht sich schnell herum.

Als DWLF vor ein paar Jahren in der Mongolei den ersten Einsatz hatte, waren es im diesem Jahr im Vergleich zu damals weniger Extraktionen und weniger Schmerzpatienten. Natürlich variiert dieser Trend von Gebiet zu Gebiet. In größeren Städten ist er stärker vertreten als bei kleineren Orten, wo immer noch viele Extraktionen durchgeführt werden. Allgemein geht dieser Trend in Richtung Zahnerhaltung, sprich, es wurden von den DWLF Helfern mehr Füllungen durchgeführt, egal wie es letztendlich um den Zahn steht. Die Leute sind eitler und anspruchsvoller geworden und achten mehr auf ihre Zähne. Ich habe eine Situation in einem Kindergarten in Ulaanbaatar, in dem eine feste Zahnstation installiert wurde und das Team von Frau Dr. Krumbacher für ein paar Tage eingeteilt war, beobachtet, wie eine Frau auf dem Zahnarztstuhl meinte, sie sei stolz auf ihre Frontzähne. Diese Zähne waren vollkommen intakt und gesund. Die restlichen Zähne sahen im Vergleich sehr schlecht aus, sofern diese noch vorhanden waren.

Leider war der Nebeneffekt nicht vermeidbar, dass die Patienten, die nur allein wegen der Ästhetik da waren, sich als Erste in die Warteschlange gestellt haben, und echte Schmerzpatienten viel zu spät bzw. gar nicht an die Reihe gekommen sind. Sie mussten am nächsten Tag wiederkommen. Das Problem wird es immer geben. Um diesen Zustand etwas zu verbessern, wurde das Listensystem eingeführt. Jeder Patient musste sich vor der Behandlung in eine Liste eintragen. Schmerzpatienten, die an dem einen Tag nicht an die Reihe gekommen waren, wurden dann zusätzlich am Ende des Tages auf die Warteliste des nächsten Tages eingetragen, sodass sie am Morgen gleich als erste behandelt werden konnten.

Es gibt also noch viel zu tun!

Wie ich vorher schon angesprochen habe war diese Reise ein Erlebnis und eine wertvolle Lebenserfahrung. Durch Gespräche mit den einzelnen Einsatzteilnehmern konnte ich den Eindruck gewinnen, dass die Meisten, allein schon wegen der überwältigten und rührenden Gastfreundschaft der Mongolen, sie trotz ihrer Armut dennoch gerne geben, mehr als nur beeindruckt waren und für sich ein Stück Lebenserfahrung mit nach Hause nehmen konnten. Man lernt gewisse Dinge im eigenen Land wertzuschätzen.

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