von Dr. Jürgen Gebhart (E-Mail: gebhart-meckenheim@t-online.de)

Einsatz vom 05. bis 16.05.2014

DWLF-Einsatz mit den Zahnärztinnen Diplom Stomatologin Gisela Forner, Dr. Eva Maria Hager und den Zahnärzten Dr. Gerd Müller und Dr. Jürgen Gebhart als Gruppenleiter

Der Beginn unseres Einsatzes in Grootfontein gestaltete sich sehr zäh, denn bei unserer gemeinsamen Anreise am 1.5. wussten wir weder, welches Auto uns zur Verfügung gestellt werden konnte, noch hatte man uns trotz mehrfacher telefonischer Nachfragen über die Transfermöglichkeiten mit unserem reichhaltigen Übergepäck vom Flughafen nach Windhoek informiert.

Nach diversen Telefonaten am Ankunftsmorgen erfuhren wir dann, dass Max Beyer uns erst nach unserem Abflug eine Email mit wichtigen Details hatte zukommen lassen. Nachdem unser Ärger sich gelegt hatte, verbrachten wir zu viert einen Tag in Windhuk und dann zwei weitere im Etosha Park.

Wegen des Cassinga Feiertages sollten wir unsere Arbeit erst am Dienstag, den 6. Mai, aufnehmen. Max Beyer holte uns am Ortseingang von Grootfontein ab und begleitete uns in sein gemütlich eingerichtetes Heim, das für die Einsätze vor Ort und in der Umgebung unsere Bleibe sein sollte. Am selben Abend wurde noch sehr lecker gegrillt und die eine oder andere Flasche Bier und Wein geköpft.

Am nächsten Morgen holte uns Max Beyer ab und fuhr mit uns durch Grootfontein, zeigte uns das Krankenhaus und stellte uns Carlos vor, den im Krankenhaus tätigen kubanischen Zahnarzt. Dieser stellte sich als sehr kooperativ heraus und versorgte uns mit den notwendigen Instrumenten und Verbrauchsmaterialien wie Desinfektionsmittel, Winkelstücke, Bohrer, Karpulenspritzen und dergl. Max Beyer stellte uns das Wochenprogramm vor, und wir begannen im Depotraum des Krankenhauses mit der Materialsichtung. Dabei stellte sich heraus, dass von zwei mobilen Einheiten nur eine funktionierte und diese auch nur sehr eingeschränkt – Turbine ohne Wasser, Mikromotor ohne Funktion, Absaugung gleich null. Die defekte zweite Einheit sollte in Windhuk repariert werden und uns in der zweiten Woche wieder zur Verfügung stehen.

Nachdem wir unsere Ausrüstung geladen hatten, sollten wir am Nachmittag zu Max Beyer auf die Dornhügel Farm kommen. Dort machten wir eine schöne Rundfahrt und probierten im Anschluss unsere Gerätschaft auf der Farm bei der Untersuchung der Angestellten von Max Beyer aus.

Am 7.5. begann unser Outreach Einsatz im ca. 200 km entfernten Mangetti Dune Hospital. Frau Dr .Bossard wies uns einen kleinen Raum für die Behandlung zu, leider ohne fließend Wasser. Nach Aufbau der Stühle begannen wir mit der Arbeit. Extraktionen wurden hauptsächlich vorgenommen, Füllungen, ZstEntfernung und Prophylaxe waren auf Grund der nur beschränkt einsatzfähigen einen Einheit kaum möglich. Alle Kinder und auch die erwachsenen Patienten wurden mit Zahnbürsten, Zahnpasten und diversen Mitbringseln belohnt. Am Ende der Behandlung verabschiedeten wir uns von Frau Dr. Bossard und fuhren nach Tsumkwe in die Lodge zum Übernachten.

Am 8.5. fand unsere Behandlung in der Tsumkwe Klinik in einem etwas größeren Raum statt. In diesem stand uns auch Wasser zur Verfügung. Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit standen wieder Extraktionen und leider auch diesmal wieder weniger Füllungen, ZstEntfernung und Prophylaxe. Den Abend verbrachten wir wieder in der Tsumkwe Lodge.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Omatako. Für die Fahrt benötigten wir ca. 2 Stunden. Dort wurde unsere Ankunft wohl zu spät bekannt gegeben, denn lediglich 5 Patienten wurden behandelt. Bei dreien wurde extrahiert, und bei zweien wurde Prophylaxe durchgeführt.

Von Omatako aus starteten wir in Richtung Caprivi Zipfel ins Wochenende.

Max Beyers Plan für die zweite Woche sah in erster Linie Schulbesuche vor. Da am Montag noch Ferientag war, sollten wir in Grootfontein unsere Arbeit erst am Dienstag, den 13. Mai, aufnehmen. In der Makalani Primary School wurde uns von dem zuständigen Schulleiter das Konferenzzimmer zur Verfügung gestellt. Im Vordergrund unserer Tätigkeit an dieser Schule standen Reihenuntersuchungen der unteren Klassen.

Mit einer schier unglaublichen Disziplin erschienen die einzelnen Gruppen, angeführt von ihren Klassenlehrern, und warteten geduldig auf ihre Untersuchung. Zu Beginn demonstrierte unsere Kollegin Eva mit lieben Worten und Gesten sehr geduldig anhand eines mitgebrachten Handkrokodils das richtige Reinigen der Zähne. Anschließend wurden dann lockere Milchzähne sofort entfernt, andere Extraktionen und Füllungen wollten wir dann am letzten Behandlungstag, am Freitag, den 16. Mai, durchführen, denn seit Dienstag stand uns die zweite, in Windhoek reparierte, aber immer noch nicht voll funktionsfähige Einheit wieder zur Verfügung. Alle Kinder bekamen von uns Zahnbürsten und Zahnpasten. Darüber hinaus gab es kleine Geschenke wie Luftballons, kleine Bälle, Pfeifen, Ringe, aufklebbare Tatoos und dergleichen. Dem Sportlehrer übergaben wir 2 Fußbälle für den Unterricht.

Der Mittwoch verlief aus zahnmedizinischer Sicht ähnlich wie der Dienstag.

Den Donnerstag verbrachten wir in der Otjituuo Schule, ca. 60 km von Grootfontein entfernt. Dort war unser Kommen rechtzeitig bekannt gegeben worden, so dass wir vor Ort viele Schmerz-Behandlungen vornehmen konnten.

Als Resümee unseres Aufenthaltes bleibt festzuhalten, dass unsere Gruppe, die aus 4 Zahnärzten bestand, bei intakten Einheiten und besserer Planung vor Ort wesentlich mehr Untersuchungen und Behandlungen hätte vornehmen können. Der Cassinga Feiertag hätte ebenso wie der Montag vor dem Ferienende bei vernünftiger Planung für Outreaches genutzt werden können. Da die Einsätze für die jeweiligen Gruppen ja bereits zu Beginn des Jahres feststehen, sollte jedem neu eintreffenden Team bereits ein Plan für die anstehenden 2 Wochen vorgelegt werden. Das müsste genauso möglich sein wie ein vernünftiger Zustand der Behandlungseinheiten.

Unser Vorschlag: Die Einheiten sollten nach den Einsätzen in Windhuk gewartet werden. Jede Gruppe könnte diese vor dem Rückflug beim Service abgeben, und die ankommenden Behandler könnten diese nach dem Check dort wieder abholen.

Weiterhin sollte die Kommunikation zu der Vorgängertruppe intensiviert werden. So könnte die Mitnahme von Kleingeräten und Verbrauchsmaterialien optimiert werden und das lästige Auflisten des Warenbestandes entfallen.

Auch sollte die DWLF im Vorhinein die tatsächlich entstehenden Kosten für Verpflegung, Übernachtung bei Outreach Einsätzen, Sprit und dergl. bekannt machen.

Dieser etwas kritisch verfasste Bericht sollte niemanden von einem Einsatz in dem wunderschönen Namibia abhalten. Land und Leute haben einen bleibenden Eindruck bei uns allen hinterlassen, insbesondere die strahlenden Kinderaugen, die uns beim Verlassen der jeweiligen Einsatzorte stolz ihre kleinen Präsente zeigten, werden wir nicht vergessen.

Unsere Gruppe, die von Anfang an sehr harmonisch die teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen bewältigte und die sich schon beim Abflug in Frankfurt prächtig verstanden hat, würde einen weiteren Einsatz für DWLF gern in Erwägung ziehen, nur müssten die Rahmenbedingungen durch die Verantwortlichen geändert werden.


Download Wächtersbacher Zeitung: “Danke für die Unterstützung”

Anmerkung der DWLF-Geschäftsstelle:

Am Freitag, den 20.06.2014 hat DWLF dem Gruppenleiter für die nächste Gruppe in Grootfontein, Dr. Voß, 2 mobile und gut funktionierende Einheiten sowie diverse Instrumente mitgegeben. Er wird Diese dann am 27.06.2014 mit zu seinem Einsatz in Namibia nehmen.

DWLF plant, in der Geschäftsstelle in Nürnberg ein Ersatzteil- und Gerätelager einzurichten um in Zukunft Einsatzgruppen ggf. Geräte, Ersatzteile und Instrumente (im Ameisentransport) mitzugeben. Es sollte dann immer ein Vorrat an Geräten und Instrumenten da sein. Die mitgegeben Materialien werden dann in die Obhut von Max Beyer in Grootfontein gegeben, damit diese sicher gelagert werden, vollständig und funktionstüchtig bleiben.

Dr. Müller, der bei dem Einsatz dabei war, hat moniert, dass wohl das Übernachten bei Max Beyer kostenlos war, aber im Outreach die Übernachtungskosten selbst übernommen werden mussten, was bis jetzt noch nie jemand bemängelt hat. Die Einsatzteilnehmer haben auch die Möglichkeit, die Einsätze im näheren Umkreis von Grootfontein zu fahren, sodass sie aus Kostengründen immer bei Max Beyer übernachten können.

DWLF hat Kollegen Müller gebeten, uns die Kosten seiner Gruppe mitzuteilen. In Zukunft kommen noch Kosten für den Leihwagen dazu, der dann technisch auf einen sehr hohen Standard ist. Dies ist für die Einsatzteilnehmer wichtig. Die Kosten verlaufen sich auf ca. 800 Euro für 2 Wochen. Für das Benzin für 2500 km müssen mit ca. 250,- Euro gerechnet werden, welches die Gruppe selbst zahlen muss. Weiteres über das Anmieten des Fahrzeugs können Sie über den Kollegen Stefan Rohr (E-Mail: dr.stefan.rohr@t-online.de) erfragen.

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