von Dr. Rainer Rathje (E-Mail: xrathje[at]t-online.de)

  • Dr. Rainer Rathje (Teamleiter)
  • Dr. Andrea Steinbrück,
  • Heike Siemers-Schumacher,
  • Maren Krieger

Namibia Dr. Rathje 1Das Team trifft sich am 09.03.2014 auf der Etango Ranch, direkt gegenüber des Airports, wo ich anlässlich eines Namibia Urlaubs 2013 bereits ca 20 kg Material für unseren Einsatz lagern konnte. Dafür Dank an Carmen und Robert Grellmann.

Sonntag, 10.03.2014

Gemeinsame Fahrt im DWLF-eigenen Fahrzeug nach Grootfontein, wo wir, wie die Gruppen vor uns, das Privathaus von Irmgard und Max Beyer beziehen. Auch für uns alles liebevoll vorbereitet: prall gefüllter Kühlschrank, Obst, Brot, Aufschnitt, Wein und Bier etc. Am Abend Telefonat mit Max, ( Handy mit namibischer Telefonkarte, sehr zu empfehlen! ) der sich für Montag 8:00 zum gemeinsamen Frühstück ansagt.

Montag 10.03.2014

Laut Einsatzplan: stock taking at Grootfontein hospital and preparation for outreach. Max zeigt uns Grootfontein und fährt dann mit uns ins nahe gelegene Krankenhaus.

Begrüßung des PMO Dr. Patrick und S. Saarkie, die zusammen mit Max hauptverantwortlich ist für unseren Einsatzplan. Wir beginnen mit der Sichtung der Ausrüstung und Materialien im Storeroom des Krankenhauses und überprüfen sämtliche Geräte. Vorhanden sind 2 mobile Behandlungseinheiten. Bei der einen Einheit funktioniert die Turbine ohne Wasserkühlung, bei der anderen Einheit funktioniert ein rotes Winkelstück sowie ein grünes, das allerdings nur linksherum dreht. Bei beiden Einheiten wird zu wenig Kompression aufgebaut, so dass die Bohrer praktisch keine Durchzugskraft haben. Absaugung funktioniert nicht. In der 2. Woche müssen wir uns eine Einheit mit einem bedingt funktionierenden roten Winkelstück ohne Wasserkühlung teilen.

Von 3 Stromgeneratoren funktioniert keiner. Max und ich bringen sie in die Werkstatt zu Albrecht, der uns zum Abend einen Generator repariert und den Stecker chinesischer Bauart durch einen namibischen Stecker ersetzt. Bei den beiden Autoklaven dauert es eine Ewigkeit, bis das Wasser auch nur warm wird – auch nach Auswechseln der Heizschlangen. Max kauft eine Gasflasche, aber auch mit Gasheizung dauert der Heizvorgang viel zu lange für unsere sehr kurz aufeinander folgenden Einsätze im Outreach.

An Instrumenten, Zangen, Hebel, Pinzetten, Spiegel, Spritzen, Bohrer etc. ist nichts vorhanden. Wir waren vorgewarnt worden und haben einige Lieblingsinstrumente aus unserer Praxis mitgebracht.

Wir decken uns bei Carlos mit dem nötigen Instrumentarium ein. Er gibt alles bereitwillig heraus, sicher im Wissen, dass ein großer Teil seiner Instrumente ohnehin dem DWLF gehört.

Die vorhandene Polymerisationslampe funktionierte nicht. Ich hatte eine neue Lampe sowie 4 neue Spritzen und diverse Hebel im Gepäck – alles bleibt in Grootfontein. (Mein Sohn Christoph hatte im Februar im Süden 4 funktionsfähige Lampen). Eine Lösung bezüglich der Aufstockung des Instrumentariums und deren sichere Lagerung außerhalb des Krankenhauses (bei Max Beyer) ist in Aussicht gestellt. Wir verladen das gesamte Equipment ins Auto. Bei Max im Garten versuchen wir noch einmal, die Funktionsfähigkeit der Einheiten und der Autoklaven zu verbessern – allerdings mit wenig Erfolg. Wir sind startbereit für unseren 1. Einsatz am Dienstag.

Dienstag, 11.03.2014

Eine Stunde eher als geplant starten wir Richtung Mangetti Dune Hospital. Es hat heftig geregnet und die Straßenverhältnisse sind nicht optimal. Die Strecke nach Mangetti Dune beträgt 200 km. Wir kommen pünktlich in Mangetti Dune Hospital an. Begrüßung durch Frau Dr. Bossard, die uns einen kleinen Raum zuweist, leider ohne fließendes Wasser. Aufbau der Stühle, der Behandlungseinheiten und des gesamten Instrumentariums. Pünktlich um 11 Uhr können wir mit der Behandlung beginnen – zunächst behandeln wir die Waisenkinder, die im Hospital wohnen, dann die bereits geduldig wartenden Patienten, die bereits bei unserer Ankunft vor der Klinik saßen. Max´s Tochter Kathrin hatte Plakate für unsere Einsätze in Mangetti, Tsumkwe und Gam mit den Behandlungszeiten gemacht und dem zusätzlichen Vermerk: Please come early!

Leider müssen wir einige Patienten auf Donnerstag vertrösten, da wir um 13 Uhr abbauen müssen, um pünktlich zu unserem nächsten Behandlungsort Tsumkwe (100km) zu gelangen, wo wir bereits um 15 Uhr mit der Behandlung beginnen sollen. In Tsumkwe bekommen wir wieder einen winzigen Raum zugewiesen – wieder ohne fließendes Wasser. Fließendes Wasser allerdings bereits reichlich in den Straßengräben. Um 17 Uhr haben wir alle Patienten behandelt. Abbau, Reinigung der Instrumente, Verstauen im Auto. Beim Stauen sitzt jetzt schon jeder Griff. Jedes Teil hat seinen Platz – sonst würde der Stauraum nicht reichen. Wir fahren zur Tsumkwe Lodge, wo Irmgard Beyer für uns 2 Zimmer reserviert hat (- 40%!). 

Mittwoch, 12.03.2014

Auf dem Programm steht der Ort Gam, nahe der Grenze nach Botswana. Hier endet die Welt. Die Fahrzeit war mit einer Stunde veranschlagt (100km). Das ist eine Zeit, in der diese Strecke auch bei guten Straßenverhältnissen auf Gravelroads nicht zu schaffen ist. Wir planen 2 Stunden ein, da heftige Gewitter die Straße über Nacht in eine Flusslandschaft verwandelt haben. Ein Wasserloch oder fließendes Rivier folgt dem anderen. Der Motor muss sich nach tieferen Wasserlöchern bereits jedes Mal eine Weile erholen. Wir erreichen Gam nach 2 ½ Stunden; die Medical Clinic ist bereits weiträumig von Wasser umgeben, so dass das Entladen des Wagens problematisch ist. Wir behandeln in Gam alle Patienten, die zur Behandlung erschienen sind (11), bauen unsere Geräte sofort ab, verladen alles und treten umgehend den Rückweg an, da wir zu um 15:00 bereits in Tsumkwe wieder erwartet werden und es, während wir in Gam behandeln, sehr ergiebig geregnet hat. Wir rufen Max an und bitten ihn, für den Fall, dass wir uns bis 14:00 aus Tsumkwe nicht gemeldet haben, er einen „Suchtrupp“ losschicken möge.

Das Wasser ist in der Zwischenzeit deutlich gestiegen. Die Seitengräben sind zu Wasserströmen geworden. Das Wasser sammelt sich naturgemäß in den tiefsten Stellen – und von denen gibt es viele. Mitten in dem längsten und tiefsten Wasserloch, bereits gekennzeichnet durch Warnschilder, gibt unser Wagen den Geist auf. Wir waten in unserem weißen Arbeitsoutfit ans rettende Ufer. Andrea hat plötzlich eine schwache Antenne auf ihrem Handy und kann einen Notruf an Max absetzen, der sich auf dem Weg nach Windhoek befindet.      

Unerwartet erscheint nach 1 Std. aus Richtung Gam ein Schleppverband aus 2 Trucks. Beim Bremsmanöver vor unserem Wasserloch bricht die Abschleppstange. Der hintere Truck wird abgekoppelt. Nach mehreren Versuchen – immer wieder reißt das Abschleppseil – wird unser Auto aus dem Wasser gezogen. Versuche, den Motor durch Anschleppen zu starten, scheitern und wir müssen uns entschließen, den Wagen zurück zu lassen. Die Trucker nehmen uns mit Richtung Tsumkwe. Immer wieder müssen Pausen eingelegt werden, da die Abschleppvorrichtung bricht. Als dann zum Überfluss auch noch ein Reifen platzt und wir auf der Straße stehen, erscheint ein Wagen vom Ministry of Health and Social Service, der uns einsammeln soll. Wir werden in die Tsumkwe Lodge gebracht, die inzwischen total unter Wasser steht. Unser Wagen wird noch in der Nacht im Hereroland abgeholt und zu Albert in die Werkstatt nach Grootfontein geschleppt. Eine Alternativroute hätte es für uns nicht gegeben, da in Gam die Welt zu Ende ist  

Ein kleiner Trost war es für uns, zwei Tage später von einem Mitarbeiter des Krankenhauses zu hören, der die Strecke gut kennt und häufig fährt, dass er am Tag nach uns in demselben Wasserloch steckengeblieben ist. Er musste 6 Std. auf Hilfe warten.

Bedauerlich ist die Tatsache, dass die weiteren Behandlungstermine in Tsumkwe und Mangetti Dune abgesagt werden mussten.

An dieser Stelle möchte ich meinem Team danken. Alle haben in dieser wirklich schwierigen und nicht ungefährlichen Situation absolute Ruhe bewahrt. Ich bin das 7. Mal in Namibia und weiß, dass ähnliche Situationen auch einen anderen Ausgang nehmen können. Dank gilt auch dem PMO Dr. Patrick und seinen Mitarbeitern, die uns das Fahrzeug vom Ministry of Health schickten sowie der Werkstatt von Albert. Allen voran danken wir Max, der die gesamte Organisation auf dem Weg nach Windhoek bewerkstelligte und wahrlich zu diesem Zeitpunkt andere Dinge im Kopf hatte, da er sich am Tag unserer Abreise von der Farm Dornhügel verabschieden will um in das Haus in Grootfontein zu ziehen.

Grundsätzlich sollte überlegt werden – ich habe mit Max intensiv darüber gesprochen- für Einsätze im Outreach einen Tag pro Standort einzuplanen, da durch Auf-und Abbau und die Fahrt zwischen den Standorten viel Zeit verloren geht. Bei 6 Standorten an 3 Tagen war eine Strecke von 800 km zu überwinden.

Donnerstag, 13.03.2014

Der Wagen vom MOH bringt uns nach Grootfontein – die Straße ist sehr nass – wir brauchen 4 ½ Std. Ich gehe sofort nach unserer Ankunft in die Werkstatt. Der Wagen ist so gut wie fertig. Wir können die Instrumente zur Sterilisation ins Krankenhaus bringen und dann den Wagen bei Max vollständig entladen und die gesamte Ausrüstung im Garten ausbreiten, reinigen, trocknen und warten.

Freitag, 14.03.2014

Nach den Outreach-Einsätzen war der Freitag ohnehin als maintainance-day geplant, was segensreich war. Ich stimme am Freitag noch mit S. Saarkie die Termine für die kommende Woche ab und gemeinsam fahren wir dann zur Kalenga School in Grootfontein, um von der Direktorin den Termin für den kommenden Montag bestätigt zu bekommen. Leider ist jetzt auch noch der Termin an der Kath. Maria-Bronn-School gestrichen worden. Am 21.03 ist in Namibia Independence Day und damit Feiertag. Um den Schülern eine Heimfahrt zu ihren Familien zu ermöglichen schließt die Schule bereits am Donnerstag.

Meine Mitarbeiterin Maren und ich machen am Wochenende einen Abstecher in den Etosha Nationalpark, Andrea und Heike verbringen das Wochenende auf der Farm Gabus bei Otavi.

Montag 17.03.2014

Kalenga-Primary-School in Grootfontein. Screening bei 240 Kindern. Zu behandelnde Zähne werden notiert und im Anschluss an das Screening aller Kinder behandelt. Wir legen 48 Füllungen und müssen nur 3 Extraktionen machen. In Gruppen zu jeweils 10 Kindern machen Heike und Maren Zahnputztraining. Da sich der Zeitaufwand für 240 Kinder als zu groß erweist und wir am Stuhl natürlich auch Assistenz brauchen, wird in Abstimmung mit der Direktorin entschieden, allen Kindern eine Zahnbürste zu geben und die Unterweisung den Lehrern zu übertragen. Möge der Plan gelingen!

An der Kalenga-School gibt eine Behandlungseinheit mit einem lauten Knall ihren Geist auf. Wir nehmen abends beide Einheiten zum wiederholten Mal auseinander, finden auch 2 gelockerte Schläuche, können aber an der Gesamtsituation nichts verbessern.

Dienstag 18.03.2014

Otjituuo. Hier finden wir die mit Abstand am besten organisierte und geführte Station vor.

Linda, die die Station leitet, bittet uns vor Behandlungsbeginn zu einem kurzen Briefing, um uns auf die hohe Anzahl von Tbc erkrankten und HIV infizierten Patienten hinzuweisen. Linda hilft wo sie kann – sie beruhigt die Kinder, (auch 2 Sträflinge in Handschellen) dolmetscht und assistiert. Alle Karteikarten sind vorsortiert. Von 9-14 Uhr behandeln wir 55 Patienten, (64 Extraktionen und 12 Füllungen).

Mittwoch 19.03.2014

Berg-Aukas Primary-School. Die Lehrer haben bereits im Vorfeld auf Grund früherer Screenings Schüler ausgewählt und Listen der zu behandelnden Schüler angefertigt. Der Ablauf ist gut organisiert. Im Anschluss an die Schüler werden die Lehrer und Angestellten der Schule behandelt. Insgesamt 74 Patienten, 13 Extraktionen, 22 Füllungen und 47 Screenings. Um 14 Uhr sind wir fertig – sehnlichst erwartet von Lehrern und Schülern – denn um 13 Uhr ist Schulschluss. Abbau – Reinigung – Krankenhaus – Sterilisation etc.

Donnerstag, 20. 03. 2014

Wir sichten, reinigen und reparieren das gesamte Material. Materiallisten werden erstellt und alles in Kisten eingelagert. Die Instrumente geben wir Carlos zurück. Hinsichtlich des Instrumentariums soll eine grundsätzliche Lösung gefunden werden. Ein vom Krankenhaus unabhängiger Storeroom ist bei Max auf dem Grundstück in Vorbereitung.

Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, Verbrauchsmaterialien, die in größeren Mengen benötigt werden, wie z.B. Gummihandschuhe, Desinfektionsmittel und Tücher zur Flächendesinfektion, Mundschutz etc. über ein Dentaldepot in Windhoek zu beziehen und nicht aus Deutschland mit zu bringen.

Jeder könnte sich dann darauf beschränken, eine übersichtliche Menge an Materialien, mit denen er/sie gewohnt ist zu arbeiten, für den Eigenbedarf mit zu bringen.

Viele dankbare Patienten und leuchtende Kinderaugen haben die Arbeit in diesem wunderbaren Land Namibia zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Ich möchte jedem Mut machen, zu überlegen, ob ein Einsatz für den DWLF in Namibia oder wo auch immer möglich ist. Der Aufwand lohnt sich und wird mit Dank vielfach zurückgegeben.

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