von Christoph Rathje (E-Mail: Christoph.rathje@t-online.de)

Die Ankunft am Flughafen Husea Kutako in Windhoek war bereits perfekt organisiert. Max Beyers Tochter Kathrin nahm uns in Empfang und übergab uns das DWLF- Fahrzeug. Sie half uns noch schnell bei der Einrichtung eines Mobiltelefons mit Namibianischer Repaid-Karte und dann konnte es losgehen

Wir hatten noch zwei Tage zum Akklimatisieren auf einer Farm in der Nähe von Windhoek bis wir in den Süden aufbrachen. Dies stellte sich auch als sehr gut heraus, da die Fahrt nach Keetmanshoop auf der B1 relativ ermüdend ist. Immer die gleiche Geschwindigkeit und das für 500 km immer geradeaus.

In Keetmanshoop hatten Arthur Chigowa und sein Kollege Dale für uns Zimmer in der Central Lodge gebuchte, eine vernünftige und günstige Unterkunft mitten in der „Stadt“. Abends waren wir dann gleich zu einem ersten Gespräch mit Arthur und Dale im Garten des Hotels verabredet, um genau abzustecken, was uns in den nächsten zwei Wochen erwarten würde. Schon der erste Eindruck ließ erkennen, dass wir es mit zwei super motivierten Kollegen zu tun hatten, die unseren Einsatz perfekt organisiert hatten.

Den nächsten Morgen verbrachten wir maßgeblich damit, uns mit Vertretern des Erziehungs- und Gesundheitsministeriums zu treffen, viele Hände zu schütteln und freundliche Gesichter auf Fotos zu machen. Anschließend haben wir unsere Mitbringsel für Arthur und Dale ausgepackt und das gesamte Equipment, was in der Klinik gelagert wird, in ein Auto des Gesundheitsministeriums gepackt, um es in die etwa 200 km entfernte Klinik von Karasburg zu transportieren. In der Klinik in Karasburg wurde uns ein großzügiger Raum mit einem Autoklaven, Tischen für die Ablage des Materials, einem Waschbecken und einem Hinterhof zur Verfügung gestellt.

Beim Testlauf der beiden mobilen Behandlungsgeräte stellte sich heraus, dass diese keinen anständigen Druck aufbauten und damit zunächst nicht benutzt werden konnten. Nachdem ich beide Geräte mit einem Techniker der Klinik durchgeschaut hatte und wir die Schwachstellen gefunden hatten, hat der Techniker in den nächsten Tagen ganze Arbeit geleistet. Undichte Schläuche wurden getauscht, mit Zahnseide statt Schelle befestigt, Schrauben ausgetauscht, neue Gewinde geschnitten weil es keine passenden Schrauben gab und alles gereinigt. So einen Techniker hätte ich gerne in der eigenen Praxis. Er bekam einfach alles repariert und präsentierte uns stolz seine Ergebnisse.
Zum Glück hatte Dr. Schwedt einen Chirurgiemotor dagelassen, der uns sowohl im chirurgischen, wie auch im konservierenden Bereich treue Dienste geleistet hat bis die mobilen Einheiten wieder funktionierten.

Die ersten zwei Tage waren maßgeblich von chirurgischen Eingriffen geprägt. Die ganze Region war im Vorwege von Arthur über unseren Einsatz informiert worden, sodass wir mit der Versorgung der Schmerzfälle für zwei Tage mehr als ausgelastet waren. Da ich als einziger Behandler im Team unterwegs war, bekam ich teilweise von Dale Unterstützung. Wir mussten in den ersten zwei Tagen ca. 150 Zähne entfernen, was bei den teilweise sehr kräftigen Knochenverhältnissen einige chirurgische Erfahrung voraussetzt.

Die übrigen Tage waren wir dann maßgeblich mit Schulklassen beschäftigt, die Arthur teilweise schon im Vorwege gesichtet hatte.

Jetzt kam unser Hinterhof ins Spiel. Die Kinder gingen mit einer Helferin in den Hof und bekamen dort mit einem Krokodil und einer großen Bürste gezeigt, wie man anständig die Zähne putzt und anhand von Bildern gezeigt, was schädlich ist für die Zähne und wie eine Karies entsteht. Die Kinder hatten einen riesigen Spaß beim Zähneputzen und waren anschließend nicht nur um den Mund voller Zahnpasta.

Anschließend wurden die Kinder untersucht, teilweise chirurgisch, teilweise konservierend behandelt und zum krönenden Abschluss mit einem Tattoo auf dem Arm verschönert. Die kleinen Tattoos waren das absolute Highlight. Mit noch zwei Luftballons in der Hand verließen die Kinder dann stolz die Klinik. In den folgenden Tagen konnten wir an den bunten Bildern auf den Armen im Supermarkt oder auf der Straße erkennen, wer schon bei uns war.

Das Team hat einfach klasse gearbeitet. Alle waren super engagiert und wenn jemand einen kleinen Moment Pause hatte am Stuhl, wurde schnell ein paar Instrumente gereinigt, sterilisiert, das Material neu geordnet oder einfach aufgeräumt.

Uota war uns als gebürtige Namibianerin eine große Hilfe, da sie Afrikaans spricht. Sie konnte gerade bei den kleineren Kindern das Zähneputzen auf Afrikaans erklären und hat auch vielfach bei den Behandlungen übersetzt. Erst die größeren Kinder sprechen Englisch.

Ein großes Lob geht auch an Aletta, unsere treue Seele der Klinik, die die gesamte Organisation vor Ort übernommen hat, mit den Schulen telefonierte und die Kontrolle über das „ Wartezimmer“ hatte.

Das absolute Highlight war der Besuch von zwei Schulen. Wir waren jeweils in einer Schulpause dorthin gefahren. Die gesamten Schüler wurden auf dem Schulhof versammelt und sangen uns zur Begrüßung das Schullied. Die Schulen bekamen von uns jeweils einen Fußball geschenkt und danach wurde gedrückt, gewunken und fotografiert bis die Lehrer dem Spektakel ein Ende bereiteten. Ein tolles Erlebnis und so viele fröhliche Augen. Das größte Lob geht an Arthur und Dale, die eine wirklich perfekte Vorarbeit geleistet haben.

Von der Unterbringung auf der 30 km entfernten Farm bis hin zu den prima organisierten Behandlungstagen war alles exzellent organisiert. Wir konnten daher sehr effektiv arbeiten und haben eine Menge geschafft.

Nach einem sehr gemütlichen Abschiedsabend mit Arthur und Dale in der Central Lodge in Keetmanshoop ging es für uns am Samstag zurück nach Windhoek.

Das nächste Team, was im Süden arbeiten wird, ist für die Region Lüderitz vorgesehen. Ich wünsche dem Team viel Spaß. Der Einsatz wird bestimmt wieder gut organisiert sein. Arthur und Dale sind bereits jetzt mit den Vorbereitungen beschäftigt. Wer den beiden etwas Gutes tun will, sollte in den Schubladen in der Praxis mal nach alten Winkelstücken suchen, die nicht mehr benötigt werden. Außerdem wird dringend Öl für die Winkelstücke benötigt. Die Behandlungszimmer in Keetmanshoop sind zwar mit nagelneuen KAVO-Einheiten ausgestattet aber konservierende Maßnahmen können oft deshalb nicht erbracht werden, weil das eine Winkelstück nicht geölt werden kann.

Es ist gar nicht unbedingt sinnvoll große Mengen an Spenden mitzunehmen, die nicht zwingend gebraucht werden. Es ist vielmehr sinnvoll sich mit den beiden Kollegen vor Ort in Verbindung zu setzen, um zu erfragen woran es mangelt.

Was man für sich selbst mitnehmen sollte, sind ein paar Lieblingsbohrer für die Kons. Instrumente, insbesondere für die Chirurgie sind reichlich vorhanden, könnten aber teilweise durch neuere ersetzt werden

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