von Dr. Stefan Scheinert (E-Mail: stefan.scheinert [at] ewetel.net)
und Stefanie Kuschinski

dr_schreinert_B1Unsere Anreise zum Frankfurter Flughafen war doch recht beschwerlich. Wir hatten jeder zweimal 20 kg Gepäck auf insgesamt 4 Taschen verteilt, alle prall gefüllt mit Zahnbürsten, Zahnpasta und Behandlungsmaterial – und die Bahn ließ uns damit viermal umsteigen. Also waren wir froh als wir endlich eingecheckt hatten und nur noch unsere Rucksäcke tragen mussten.

dr_schreinert_B2Nachdem wir den 10stündigen Flug hinter uns hatten, der Zoll bei der Einreise keine Probleme machte, wurden wir von der Autoverleihfirma am Flughafen Windhuk empfangen. Wir übernahmen einen Toyota Hilux und holten noch zwei reparierte Units ab. Dann starte die Fahrt über 500 km nach Süden. Die Strecke war beeindruckend – eintönig. Die Kalahari lässt grüßen.

dr_schreinert_B4In Keetmanshoop endete dann zunächst die lange Anfahrt.

Am Sonntagabend vor unserem ersten Arbeitstag hat uns Dr. Chigova seinen Einsatzplan für uns vorgestellt. Aufgrund der beginnenden Weinlese in der Region Aussenkehr machte ein Einsatz dort nach seinen Vorstellungen keinen Sinn, wir blieben also für die erste Woche zunächst in Keetmanshoop, im etwas sozial schwachen Stadtteil Tseiplaagte.

Am Montagmorgen haben wir dann in der Zahnstation der Klinik die dort gelagerten Materialien eingeladen und erreichten nach kurzer Fahrt mit Schwester Elisabeth Losper die kleine Kirche in Tseiplaagte. Die Stuhlreihen wurden beiseite geräumt und der Behandlungsplatz mit der Unit sowie alles Material vorbereitet. Um 10.30 Uhr waren wir behandlungsbereit. Schwester Elisabeth übernahm das Organisatorische und den Großteil der Kommunikation mit den Patienten, die schon draußen warteten. Trotz einer leichten anfänglichen Anspannung lief alles gut. Das Arbeiten nur mit Druckluft gesteuerter Turbine, blauem Winkelstück und Speichelzieher und die doch deutlich eingeschränkte Sicht benötigte erst mal eine Umstellung von der zuhause gewohnten Arbeitsweise.

dr_schreinert_B5Aber am Feierabend hatten wir die ersten 19 Patienten behandelt. Bis zum Wochenende steigerte sich die tägliche Patientenanzahl auf über 40, wobei sich Füllungen und Extraktionen so in etwa die Waage hielten. Dem vielfach geäußerten Wunsch nach Zahnersatz konnten wir leider nicht gerecht werden. Ebenso häufig gab es den Wunsch nach einer Zahnaufhellung, da viele Patienten aufgrund einer Schmelzbildungsstörung große bräunliche Verfärbungen in der Schmelzsubstanz aufwiesen.

Besonders auffällig für mich war, dass sich kaum jemand für das Legen einer Füllung eine Anästhesie geben ließ und viele Patienten auch gleichzeitige Extraktionen in mehreren Quadranten akzeptierten. Sie haben wohl die Möglichkeit der Zahnsanierung als Chance verstanden und waren sich bewusst, dass die nächste Behandlungsmöglichkeit eventuell so schnell nicht wieder kommen würde. Am Freitagnachmittag hieß es “Abbauen des Behandlungsplatzes” in der kleinen Kirche. Sie sollte in der folgenden Woche wieder ihrem ursprünglichen, religiösen Zweck dienen.

dr_schreinert_B3Am Wochenende bot sich ein Ausflug zum beeindruckenden Fish River Canyon an.

Zur zweiten Woche gab es also einen Einzug in das Daan Viljoen Hospital in einem anderen Stadtteil von Keetmanshoop. In diesem kleinen staatlichen Krankenhaus haben wir die ganze Woche über keinen Arzt gesehen. Die Behandlungen erfolgten ausschließlich durch die Schwestern.

Uns wurde ein sehr kleiner Büroraum freigeräumt, in dem wir uns einrichteten. Schnell vermissten wir die großzügige Räumlichkeit der Kirche. In diesem Zimmer war es schnell sehr warm und stickig. Patienten hatten wir auch in dieser Woche ausreichend. Wir selbst hatten schon in der Vorwoche Werbung für den neuen Standort gemacht. Mittlerweile routiniert im Aufbau konnten wir diesmal schon nach 1,5 Stunden starten. In dieser Woche begleitete uns Schwester Richelinda Christiaans.

Am Mittwoch hatten wir mit 47 Patienten das höchste Aufkommen zu verzeichnen. Der Donnerstag wurde unser letzter Behandlungstag, da für den Freitag eine Wahl vorgesehen war und der Tag als Feiertag proklamiert wurde. Schade – wir hätten gerne auch diesen Tag noch genutzt.

Am Ende des Einsatzes hatten wir 323 Patienten behandelt, wobei 273 Extraktionen  und 176 Füllungen vorgenommen wurden. Dies ist natürlich wie immer bei vergleichbaren Einsätzen nur ein winziger Beitrag gemessen am immensen Behandlungsbedarf in der Bevölkerung. Aber immerhin haben wir diesen Menschen helfen können und sind mit vielen positiven Eindrücken und Gefühlen in unseren deutschen Alltag zurückgekehrt.

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