von Dr. Andreas Pankau (E-Mail: apankau [at] me.com)

Teilnehmer:

Im September 2013 entschloss ich mich, erstmals an einem humanitären Einsatz teilzunehmen und kontaktierte DWLF (Dentists without limits Foundation). Anfang 2014 war ich über DWLF bereits zwei Wochen in einem Krankenhaus in der Nähe von Kathmandu als Zahnarzt tätig. Diesmal ging es nach Namibia.

Mit mir (Andreas Pankau – Leipzig) waren drei weitere nette Kollegen (Hanna Ernst – Aalen, Sabrina Strobel – Freiburg i.B. und Waldemar Gerber – Köln) im Einsatz. Nachdem wir im Vorfeld nur Email-Kontakt hatten, kam es auf dem Frankfurter Flughafen zur ersten Begegnung. Nach unserer Ankunft in Windhoek am 31. August 2014 um 05:30 Uhr hatten wir dann auf der 500km langen Fahrt mit unserem Mietauto (Toyota Safari DC 3.0 TD Jeep 4×4 von Asco Autovermietung in Windhoek – tolles Auto!) von Windhoek nach Grootfontein ausreichend Gelegenheit, uns gegenseitig auszufragen und besser kennenzulernen.

In Grootfontein gegen 15.30 Uhr angekommen, erwarteten uns bei sich zu Hause Max Beier und seine Frau Irmgard. Max lebt in der 3.Generation in Afrika. Sein Opa wanderte 1836 von Halle/Saale nach Südafrika aus. 1902 zogen sie dann nach damals Deutsch-Südwestafrika. Max und Irmgard stellen seit ca. 2 Jahren die Unterkunft für die Zahnärzte, welche über DWLF in Grootfontein und Umgebung im Einsatz sind. Beide sind außerordentlich herzliche Menschen, die uns in ihrem Heim alle Freiheiten ließen. Empfangen wurden wir u.a. mit kühlem Bier und einem geselligen Grillabend mit Nudelsalat.

Am Montag, dem 01. September 2014 zeigte uns Max Beier zunächst ein wenig Grootfontein. Dabei warfen wir auch einen Blick in das Privathospital und das staatliche Krankenhaus. In Letzterem arbeitet seit einiger Zeit normalerweise Dr. Carlos aus Kuba. Dieser war jedoch gerade im Urlaub, weshalb wir auch dort in der zweiten Woche im Wechsel zwei Tage arbeiteten. Am ersten Tag zeigte uns Max auch das zahnärztliche Materiallager bei sich zu Hause – interessant, was sich in zwei Jahren so alles ansammeln kann. Deshalb gleich hier der Hinweis: Bitte zunächst KEINE Handschuhe und keinen Mundschutz mitbringen. Es gibt eine große Kiste mit Mundschutz (ca. 1.000-2.000 Stück inkl. TBC-Mundschutz) und eine Kiste mit etwa 2.000 Handschuhen in allen möglichen Größen.

Wir haben versucht, alle Materialien zu ordnen, zu fotografieren und diese sinnvoll in beschriftete Kisten zu verpacken, damit die nachfolgenden Teams einen besseren Überblick darüber haben, was vor Ort ist oder was noch benötigt wird. Das Einzige, was momentan wirklich gebraucht wird, sind Diamanten und ein paar persönliche Lieblingshebel, da die vorhandenen Hebel nicht mehr die Besten sind.

Zu empfehlen ist also, dass sich das anstehende Team mit dem letzten rechtzeitig in Verbindung setzt. So können u.a. unnötige Mühen bei der Materialbeschaffung erspart bleiben. Bei all meinen Anfragen über mögliche Materialspenden bei hiesigen Pharmafirmen habe ich stets Absagen bekommen. Unterstützt wurde ich letztlich von meinem Arbeitgeber – der Klinikum Chemnitz gGmbh – mit einer Geldspende in Höhe von 1000,- Euro. Davon kaufte ich 500 Zylinderampullen UDS forte, 500 Injektionskanülen, 1 Uniject Sanofi Spritze, 100 Zahnbürsten, Füllmaterial (Ketac Molar), 1000 Handschuhe, 200 Mundschutz, 200 Mundspatel, 20 Skalpelle, 150 Tupfer, 100 Einmalplastikspritzen, 50 Spülkanülen, 1 Liter Betaisadona Spüllösung, 50 Gelatineschwämmchen, 200 Tabletten Amoxicillin 1g, 200 Tabletten Ibuprofen 400mg, 600 Desinfektionstücher und Nahtmaterial.

Nachdem wir alle Materialien sortiert und die Einheiten auf ihre Funktionalität geprüft hatten (Max hatte diese zuvor einer Generalüberholung unterziehen lassen), arbeiteten wir die 1. Woche im Buschmannsland. So wird die Region um Tsumkwe genannt. Dort leben hauptsächlich Hereros und San. Die Gruppe der Hereros trägt seit der Kolonialzeit einen typischen Kleidungsstil (Kopfbedeckung und weite bunte lange Kleider, siehe Foto unten). Die San sind im Vergleich zu den Hereros eher zierliche Leute und haben in ihrer Sprache „Schnalz“- und „Klick“-Laute, was sehr interessant klingt.

So fuhren wir am Dienstag, dem 02. September 2014 gegen 7.30 Uhr nach Mangetti (ca. 200 km von Grootfontein entfernt). Dort bekamen wir im Krankenhaus von Frau Dr. Bossart (Schweizer Ärztin, welche vor ca. 20 Jahren nach Namibia ausgewandert ist) ein Zimmer zugewiesen, in dem wir zunächst nur einen Behandlungsstuhl aufbauten, da sich der Patientenandrang – trotz vorheriger Ankündigung – in Grenzen hielt. Dies änderte sich auch nicht, so dass wir am ersten Tag nur sieben Patienten behandelten.

Gegen 14.30 Uhr bauten wir alles wieder ab und fuhren weiter nach Tsumkwe (weitere 100km), wo wir in der Tsumkwe Tented Lodge komfortabel schliefen.

Am Mittwoch fuhren wir weitere 100km von Tsumkwe nach Gam (nahe an der Grenze zu Botswana). Hier nahmen etwa zehn Patienten unsere Behandlung in Anspruch. Wären wir einen Tag länger in dieser „Stadt“ geblieben, hätten wir sicherlich am Folgetag mehr zu tun gehabt, da die Mundpropaganda im Dorf nach erfolgreicher Behandlung wohl die beste Werbung war. Vorherige Aushänge wurden nach unserer Beobachtung kaum beachtet.

Auf dem Rückweg nach Tsumkwe machten wir dann noch einen kleinen Offroad-Abstecher zu einem Baobab (Affenbrotbaum) mit Umfang von 30 Metern und schliefen dann eine weitere Nacht in der Tsumkwe Tented Lodge.

Am Donnerstag, dem 04. September 2014 behandelten wir direkt im Krankenhaus von Tsumkwe. Hier war das Patientenaufkommen mit fünf Patienten am geringsten, so dass wir zwischenzeitlich etwas durch den Ort liefen und im Souveniershop etwas Geld anlegten. Dort gibt es u.a. Holzarbeiten und Ketten aus Kalkstein, mit deren Herstellung sich Einheimische Geld verdienen (siehe Foto, San). Gegen Nachmittag fuhren wir zurück nach Grootfontein.

Am Freitagmorgen, dem 05. September 2014 fuhren Waldemar und ich noch kurz ins staatliche Hospital von Grootfontein, um bei einem Patienten noch einen Wurzelrest zu entfernen. Zirka, die Zahnarzthelferin von Dr. Carlos, hatte uns darum gebeten. Ihr war bei der Extraktion die Krone bei einem Zahn 46 abgebrochen. Zum Hintergrund: Im staatlichen Krankenhaus können sich Patienten behandeln lassen, die keine Krankenversicherung haben. Diese bezahlen dann einen fixen Betrag von 8 N$, umgerechnet ca. 0,55 Euro. Gegen Mittag fuhren wir in den Etosha Nationalpark, wo wir bis Sonntag blieben.

In der 2. Woche behandelten wir Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag in der Makhalani Primary School von Grootfontein. Dienstag und Donnerstag behandelten je zwei aus unserem Team im staatlichen Krankenhaus von Grootfontein, da Dr. Carlos eben noch im Urlaub war und Schwester Zirka in dieser Woche auch nicht im Krankenhaus war für evtl. Zahnbehandlungen. In der Grundschule behandelten wir die Klassen 5 c, d und e (insgesamt ca. 120 Schüler, Prophylaxe, Extraktionen und Füllungen). Das nächste Team macht dann bei den Klassen 5a und 5b weiter. Die Grundschule geht bis Klasse 7.

Am Mittwoch, dem 10. September 2014, arbeiteten wir im Hospital von Ojituuo (60km südöstlich von Grootfontein).

Insgesamt behandelten wir an neun Tagen 208 Patienten (107 Extraktionen, 67 Füllungen, 131 Prophylaxe).

Zur Behandlung:

Wie auch schon andere Teams berichtet haben, ist die Behandlung mit den mobilen Einheiten nicht komplikationslos. Oft fällt die Wasserkühlung aus und der Sauger funktioniert nicht mehr. Wichtig ist, die transparente Flasche (rechts auf Bild unten) mit destilliertem Wasser halb zu füllen und den Sauger bei blutigen Sachen zwischendurch immer mit Wasser durchzuspülen. Trotzdem hatten wir oft Probleme mit den Einheiten, obwohl diese vorher durchgecheckt wurden und auch anfangs funktionierten. Schläuche sind bei uns glücklicherweise nicht defekt gewesen. Aber Improvisationstalent ist mitunter gefragt. ;-)

Sterilisieren lassen haben wir die Instrumente im staatlichen Krankenhaus von Grootfontein. Da wir auswärts nicht allzu viele Patienten hatten, kamen wir auch drei Tage ohne Steri aus. Falls das unterwegs doch notwendig sein sollte, gibt es eine Gasflasche und einen Drucktopf, in dem das Auskochen möglich ist.

 

Resümee:

 

Für uns vier waren die zwei Wochen sehr bereichernd und lohnenswert. Wir haben uns prima verstanden, konnten viel lachen und kamen der einheimischen Bevölkerung durch unseren Einsatz näher als das für Touristen der Fall ist. Nicht zuletzt erfuhren wir von Max Beier und seiner Frau viel über Namibia

 

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