von Dr. Stefan Rohr (dr.stefan.rohr [at] t-online.de)

 

Smile for Life…

… war das Thema des National Oral Health Commemoration Day in Namibia 2015.

Menschen mit Zahnlücken einen strahlenden “Smile for life” zu schenken war auch das Thema und die  große Herausforderung unserer Reise.

Im DWLF Team September 2015 waren:

  • Anke Kettner, Dental Hygenist aus Berlin
  • Dr. Rainer Rathje, Zahnarzt  aus Hamburg
  • Oliver Schulze, Zahntechnikermeister aus Berlin
  • Dr. Stefan Rohr, Zahnarzt aus München

Nach Einführung von Prophylaxemaßnahmen, Verteilen von über 10.000 Zahnbürsten und Zahnpasta-Sets, Reihenuntersuchungen in den Schulen, Restauration von Zähnen mit hochwertigen Composite Füllungen und der Einführung von Wurzelbehandlungen, konnte die Zahl der Extraktionen während unserer Einsätze drastisch reduziert werden.

Patienten mit Zahnlücken, vor allem im Frontzahnbereich, baten uns immer wieder  um Hilfe. Doch wir hatten bisher noch keine Lösung in unserem Programm. Zahnlücken im Frontzahnbereich grenzen sozial aus, erschweren die Suche nach einem Arbeitsplatz, erschweren die Suche nach einem Partner, erklärte uns Dr. Ruta, Chief Dentist von Namibia.

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Dr. Stefan Rohr (links) und ZTM Oliver Schulze (rechts) mit Patientin.

Es war im Sommer 2014 als die Idee aufkeimte, den nächsten Schritt zu setzen und Zahnlücken mit kleinen Prothesen zu schließen. Ein Artikel in der Zeitschrift “Das Dentallabor “ sollte Zahntechniker auf unser Projekt aufmerksam machen. Oliver Schulze, Zahntechnikermeister aus Berlin meldete sich und war sofort Feuer und Flamme. Er sollte der erste DWLF Zahntechniker sein und Zahnersatz im Outreach herstellen.

Eine Zahnstation zu starten ist für DWLF kein Problem. Es gibt Checklisten und über 10 Jahre Erfahrung mit bestehenden Projekten. Ein mobiles Zahnlabor aufzubauen war Neuland. Oliver organisierte alle Geräte und Materialien, die es brauchte:  Rüttler, Drucktopf inclusive Luftpumpe, eine Kavo K9, Flamme, Wachs, über 3.000 Kunststoffzähne, zusammen vier Koffer, über 130 kg. In einem Dentaldepot in Windhoek erstanden wir 50 kg Klasse 3 Gips, Alginat, 120 Abdrucklöffel in allen Größen und 5 kg Laborsilikon inclusive Härter.

Dr. Rutas Plan war, die ersten zahntechnischen Arbeiten zum National Oral Heath Commemoration Day zu präsentieren. Das Projekt sollte in der Zahnstation des Keetmanshoop Hospital beginnen. Seit drei Jahren existiert dort ein Zahnlabor, besetzt mit zwei Zahntechnikerinnen, Maria und Rachel. Es fehlte allein das Material und einige zur Herstellung von Zahnersatz notwendige Geräte. Bis zu unserem Einsatz konnten keine zahntechnischen Arbeiten in diesem Labor hergestellt werden.

Unser Ziel war es, gemeinsam mit Dr. Chigova, dem leitenden Zahnarzt der Provinz, und mit den beiden Zahntechnikerinnen das Labor zum Laufen zu bringen. Nach unserem Einsatz sollte das afrikanische Team in der Lage sein, das  Projekt alleine weiter zu führen.

Radiodurchsagen informierten die Bevölkerung über die Möglichkeit, im Keetmanshoop Hospital Zahnprothesen kostenfrei zu erhalten.  Jeder, der eine Total- oder Teilprothese wollte, sollte sich vorab im Krankenhaus Keetmanshoop in eine Liste eintragen. First come, first serve.

Unsere Gruppe teilte sich auf.

Bild_1Rainer und Anke arbeiteten zusammen mit Aletta und Curie, zwei namibischen Nurses, in einem Kirchensaal. Die Radiodurchsagen spülten bis zu 118 Patienten täglich in ihre Zahnstation.

Oliver, Rachel, Maria, Dr. Chigova und ich kümmerten uns um die Patienten, die Zahnprothesen benötigten.  Step by step, von der Voruntersuchung, Anmischen von Alginaten bis zum Ausgießen der Abdrücke, Modellanalyse, Bissnahmen, Wachsaufstellung, Fertigstellung und Eingliederung wurden alle Arbeitsprozesse erklärt, gezeigt und immer wieder gemeinsam ausgeführt. Es war uns ein Anliegen zu zeigen, dass Zahnersatz eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt, Zahntechnik und Patient erfordert, dass Zahntechniker bei Einproben und der Eingliederung am Patienten dabei sein sollen, um Probleme zu verstehen und um die Freude und Dankbarkeit der Patienten mit zu erleben. 

Am Ende der beiden Wochen waren 70 Teil- und Vollprothesen eingegliedert. Patienten hatten ihren verlorenen „Smile for life“ zurückbekommen.

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vorher

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nachher

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Das Lächeln ist zurück.

Dr. Ruta war für drei Tage aus Windhoek angereist. Er wollte mit eigenen Augen sehen, was so lange geplant war und jetzt in Erfüllung ging.

Freitag, 11.09.2015, der große Tag, Oral Health Commemoration Day. Die Zeremonie fand in der Aula einer Schule statt. Nach einem gemeinsamen Gebet, dem Singen von Gospels und dem Singen der namibischen Nationalhymne gab es Sing- und Tanzvorführungen von Schülern. Dazwischen Reden von Dr. Ruta, Mr. Hoeseb, dem Director of Education, und mir im Namen von DWLF.

Dr. Ruta erzählte voll Stolz und Dankbarkeit von DWLF und unseren Erfolgen. Director Hoeseb meinte, DWLF wäre ein “Blessing” für seine Provinz.

Es gab Vorträge zum Thema Ernährung und Gesundheit. Kostenlose zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen, die Dr. Chigova durchführte und dabei ein DWLF-Shirt trug.

Dr. Chigova organisierte einen Oral Health Competition, an dem alle Schulen der Provinz teilnahmen. Die Preisträger wurden mit einer DWLF Medaille ausgezeichnet.

Das gesamte Fest wurde von zwei namibischen Fernsehteams aufgezeichnet und in Ausschnitten ausgestrahlt.

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Die erste Woche hinterließ ihre Spuren. Jeden Tag von 8:00 Uhr bis spät abends und ohne Mittagspause gearbeitet. Das Wochenende, der Fishriver Canyon, sollte uns Erholung und Regeneration bringen. Der Blick von der Fish River Lodge  über den Canyon scheint endlos, die Stille wie aus einer anderen Welt.  Ein Blick in die Ewigkeit, wie der Slogan der Lodge verspricht.

Rainer und Anke sind für die zweite Woche in die Clinic nach Bethanien weitergezogen. Bethanien liegt ca. 140 km westlich von Keetmanshoop.

Oliver und ich blieben im Keetmanshoop Hospital und stellten weiter Zahnersatz her.

Beinahe alle  Patientenfälle sind  mit Vorher-/Nachherfotos dokumentiert. Nach dem Abendessen  in der Lodge ließen wir den Tag anhand der Fotos Revue passieren. Die Angestellten der Lodge kamen interessiert und fasziniert an unseren Tisch. Auch sie hatten Zahnlücken und wollten wieder unbeschwert lachen können. Am Ende der Woche hatten sie einen strahlenden „Smile for Life“.

Bild_6Eine Schulklasse besuchte uns in der Zahnstation. Die Schüler wollten sehen und verstehen, wie Prothesen in einem Zahnlabor hergestellt werden. Oliver erklärte mit Engelsgeduld das Procedere, obwohl sich vor ihm die Arbeitsschalen türmten.

Wie viel ein „Smile for Life“ für diese Menschen bedeutet ist mit Worten kaum wiederzugeben. Ihre Freude, ihr neues Lachen, ihre leuchtenden Augen, ihre Dankbarkeit und das immer wiederkehrende „may God bless you“ rührten uns zutiefst.

Mein besonderer Dank gilt dem gesamten Team, Dr. Chigova, Rachel und Maria, Anke, Oliver und Rainer,  die in den beiden Wochen alles gegeben haben.

Für Sach- und Geldspenden möchte ich mich bedanken bei:

  • Kanidenta
  • Peppler
  • Colgate
  • Sensodyne
  • Septodont
  • Komet,
  • Frank Dental
  • Henry Schein
  • M+W Dental
  • Schülke & Mayr
  • Meisterschule für Zahntechniker Berlin/Brandenburg,
  • Frau Dr. Alexandra Frey,
  • Zä Yvonne Ende,
  • Ztm. Andreas Nießing,
  • Herr G.lubchansky
  • Herrn Hans Günther Fritzsche
  • Frau Hank
  • Frau Elisabeth Rohr und Dr. Manfred Rohr

München, September 2015

Dr.  Stefan Rohr

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