von Annette Kirchner-Schröder (E-Mail: netti065@yahoo.de)

Geh, wohin Dein Herz Dich trägt…

Hilfseinsatz in Luncani vom 15. bis 25.10.2014

Das Auto erneut bis unter das Dach beladen, machten Sandu und ich uns auf die knapp 1600km lange Fahrt nach Luncani. Für diesen Einsatz hatte ich besonders um Winterschuhspenden gebeten, da Schuhe dort genauso teuer sind wie bei uns und daher für niemanden erschwinglich. Die Resonanz bei den Spendern war unglaublich und so konnte ich mich mit ca. 540 Paar Schuhen, vielen warmen Jacken und diverser Winterkleidung auf die Reise begeben. Viele Sachspenden konnte ich nicht mitnehmen. Sie warten im DRK-Depot in Otterbach auf den nächsten Einsatz im Frühjahr.

Nach 2 anstrengenden Tagen Fahrt mit einigen Staus und vielen Baustellen kamen wir in Luncani an. Immer wieder rührt es mich, mit welcher Freude ich dort erwartet werde.

“Mein Zimmer” war aufgeräumt, das Bett frisch bezogen. Das “Zahnarztkabinett” war bestens präpariert, selbst die mobile Einheit, die ich ihnen anvertraut hatte, stand schon an Ort und Stelle.

Die zahnärztliche Arbeit in den nächsten Tagen verlief problemlos. Die meisten Patienten kenne ich nun schon einige Jahre. Ich erfreue mich vor allem daran, wie gut es um die Zahngesundheit der Jugendlichen der Romasiedlung ICAR steht. Bei niemandem musste ein bleibender Zahn entfernt werden. Einige von ihnen benötigten keine Behandlung. Bei den anderen legte ich nur kleine Füllungen, entfernte Zahnstein und erklärte ihnen noch einmal ihre “Problemzonen” bei der Mundhygiene. Auch die Erwachsenen, die mich halbjährlich aufsuchen, erfreuen sich sanierter Gebisse mit nur kleinen notwendigen Korrekturen. Zu schade, dass eine prothetische Versorgung nicht möglich ist. Alarmstufe rot heißt es jedoch, wenn Patienten kommen, die selten oder noch nie eine Zahnarztbehandlung erlebt haben. Den diesmaligen Rekord stellte eine Patientin auf, bei der ich “mal richtig Ordnung” machen sollte. 12 Zähne (oder ihre Wurzelreste) mussten entfernt werden. Nachdem ich im Oberkiefer “aufgeräumt” hatte, fragte ich sie: “Mai vrei?” (“Willst du noch mehr?”) Sie lachte und sagte nur: “Da, da, și jos” (“Ja, ja, unten auch”) und zog am Ende glücklich von dannen.

Insgesamt behandelte ich 88 Patienten, bei der Hälfte von ihnen kämpfte ich mit extra hartem Zahnstein. 85 Zähne mussten entfernt werden. Im Gegenzug dazu konnten 65 Zähne durch Füllungen erhalten werden. Gut, dass ich meinen Technikmotor dabei hatte, denn aus dem Dorf kamen 2 Frauen mit Druckstellen. An meiner Seite assistierte wie immer Sandu mit Geschick, unendlicher Geduld für die Patienten und Aufmerksamkeit für die technischen Belange (die mobile Einheit funktionierte zum Glück tadellos), trotz Rückenschmerzen aufgrund der für ihn ungewohnten, Stunden andauernden Arbeitshaltung. Die Beleuchtung stellt nach wie vor ein Problem dar, da wir nur eine kleine Leselampe am Tray montiert haben und uns ansonsten mit einer Taschenlampe behelfen.

Sicher hätten wir noch mehr Patienten behandeln können, aber immer öfter nehme ich mir auch Zeit für andere wichtige und schöne Unternehmungen. 2 Tage lang fuhr ich einige Kinder morgens (im Nebel) in die Schule und holte sie im 10km entfernten Câmpia Turzii um die Mittagszeit wieder ab. Ich kaufte im Penny ein, damit der Kühlschrank wieder etwas gefüllt wurde, vor allem auch mit Obst für die Kinder. Am Sonntag unternahm ich mit 5 von ihnen einen Ausflug in die nahe gelegene Schlucht von Turda. Wir wanderten über 7km und aßen abschließend in einem Restaurant. Dieses schöne Erlebnis wurde immer wieder von Neuem erzählt, diskutiert und farbenfroh ausgeschmückt. Das zeigt, wie wichtig Erlebnisse in einem erlebnisarmen Alltag sind. Von unserer Exkursion hatten wir Herbstlaub mitgebracht, welches wir trockneten und am Ende für eine Bastelarbeit verwendeten. Ja, auch ein neues Tischtuch für den 4,50m langen Tisch musste gekauft werden, um die Behaglichkeit ein wenig zu erhöhen. Es ist dort immer sehr wichtig, Augen und Ohren offen zu halten, um zu sehen und zu hören, woran es fehlt.

Ich danke allen, die diesem Einsatz zu einem Erfolg verholfen haben! Mersi!

 

Print Friendly, PDF & Email