von Annette Kirchner Schröder (E-Mail: netti065@yahoo.de)

Wie dahääm… (für Nichtpfälzer: “Wie zu Hause”)

Herbsteinsatz in Luncani vom 3.10.-11.10.2013

Einmal infiziert, kann man eigentlich nicht mehr aufhören… und so packte ich den Bus erneut mit vielen nützlichen Dingen, wie IKEA Doppelstockbetten, Babynahrung, Babywippen und Unmengen von Kleidung, vorwiegend aus einem aufgelösten Second-Hand-Laden. Treu an meiner Seite, Sandu, der nach ein paar schönen Tagen in Deutschland, die Heimreise mit mir antrat. Heimreise, ja – dieses Gefühl hatte auch ich, nach einer Übernachtung in Ungarn und knapp 1600 gefahrenen Kilometern, endlich wieder in Luncani sein, zwanglos in Jogginghosen auf dem Sofa fläzen und mit einem Bier in der Hand, die Erlebnisse der vergangenen 6 Monate Revue passieren lassen.

Das Zimmer für die anstehenden Behandlungen war bereits mustergültig vorbereitet. Wir mussten nur noch die mobile Einheit aufbauen und die Materialien griffbereit zurecht legen. Dank der Reduzierung auf das Wesentliche benötige ich nur noch ca. eine Stunde, bis ich mit der Arbeit beginnen kann. Es ist eine Freude zu sehen, wie die meisten Patienten sich mittlerweile komplett entspannt auf den Behandlungsstuhl begeben. Da wird gelacht, erzählt und nebenbei noch ein paar Zähne gefüllt.

In den ersten 3 Tagen war es kaum notwendig, eine Zange in die Hand zu nehmen. Vielmehr hatte ich Zeit, selbst das kleinste verfärbte Grübchen zu behandeln, Zahnstein zu entfernen, zu fluoridieren und zu versiegeln. Ein Segen für alle jungen Leute der ICAR-Siedlung. Aber auch die Erwachsenen, die das halbjährliche Behandlungsangebot wahrnehmen, sind in einem guten Zustand.

Am 4.Tag jedoch kamen die Patienten, die sich bisher nicht getraut hatten oder die von wohlgesinnten Freunden zu dem ersten Zahnarztbesuch ihres Lebens geschleppt wurden. Echte Katastrophenfälle wie zu Beginn der Einsätze! Am meisten berührte mich eine junge hübsche Frau von 25 Jahren, deren schüchternes Lächeln eine endlose Reihe von bis auf Gingivaniveau herunter gefaulten Zähnen offenbarte. Auf meine Frage: “Tut Dir was weh?” antwortete sie: “Jetzt nicht mehr!” Was müssen das für jahrelange Torturen gewesen sein…

Trotz panischer Angst willigte sie zur Reihenextraktion ein und innerhalb von 2 Tagen entfernte ich 13 Zähne im Oberkiefer. Ich denke, ich werde sie im Frühjahr wieder sehen, um im Unterkiefer weitere Extraktionen vornehmen zu können. Als Dank gab es eine Flasche Țuica, selbst gebrannter Pflaumenschnaps, von denen sich mittlerweile viele Liter in meiner Küche angesammelt haben.

Insgesamt konnte ich knapp 70 Patienten behandeln. 68 gelegte Füllungen standen 52 Extraktionen gegenüber, wobei 7 der gezogenen Zähne Milchzähne waren und keinem der unter 20-jährigen ein bleibender Zahn entfernt werden musste. Eine schöne Bilanz!

Bei einem Drittel der Patienten wurde Zahnstein entfernt, 10 Zähne wurden versiegelt, ein Abszess geöffnet und der entsprechende Zahn endodontisch behandelt. (was wiederum eine weitere Flasche Țuica und eine Einladung zum Abendessen zur Folge hatte).

Auch dank der guten Assistenz von Sandu konnte ich alle Personen, die Interesse hatten, behandeln und es blieb genug Zeit, Einladungen zu diversen Abendessen nachzukommen, Icar zu besuchen und eines der mitgebrachten Betten aufzubauen sowie einen Tag bei schönstem Wetter in der europäischen Kulturhauptstadt 2007, Sibiu, zu erleben. Ungern nahm ich Abschied, denn aus vielen Patienten sind mittlerweile Freunde geworden.

Mein Dank gilt:

  • meiner Familie und Sandu
  • Gerhard und seinen Getreuen, die perfekt fürs leibliche Wohl sorgten
  • Mariana und Alex, die 2 Wochen zuvor in Bădăcin im Einsatz waren und mir so mehr Zeit für Luncani ermöglichten
  • meinen Mitarbeiterinnen, die alle Instrumente einschweißten und mich mit guten Gedanken begleiteten
  • meinen Patienten und Bekannten, die mir Hilfsgüter zur Verfügung stellten
  • der Firma IKEA für den Gutschein, der den Bettenkauf ermöglichte
  • der Apotheke in Rodenbach für eine Zahnbürstenspende
  • dem DRK in Otterbach, bei denen ich Hilfsgüter einlagern kann

Allen Mulțumesc tare!!!

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