von Johan Mattson (E-Mail: matson [at] t-online.de

Nachdem meine Frau und ich , mit Kollegen aus Fellbach zusammen, 2013 in Eritrea in Einsatz waren, wollten wir 2014 eine neue Herausforderung. Wir sind auf Sambia aufmerksam geworden und rechtzeitig haben wir angefangen jede Menge Dokumente zu besorgen um Ausweise bei DWLF (Dentists Without Limits Foundation) zu bekommen.

Diese sind notwendig um im Gastland arbeiten zu dürfen. Nach einigen Wochen hatten wir Ausweise und T-Shirts bekommen.

Jetzt hieß es Kontakt zur PMG (Projektmanager im Gastland) und PME (Projektmanager Europa) aufzunehmen um einen geeigneten Termin zu finden. November 2104 wurde vereinbart. Flugticket kaufen und das bei einen Fluggesellschaft die zusätzliches Gepäck gewähren, denn wir sollten so viel Material wie möglich mitnehmen.

Danach haben wir angefangen Spenden zu sammeln. Wir haben mit Kollegen und frühere Geschäftspartner gesprochen, mit Firmen und Freunden telefoniert und viele waren hilfsbereit und wir haben sehr viele Spenden bekommen.

Im November ging es dann endlich los. Mit 4 Reisekoffer und schweres Handgepäck, insgesamt 120 kg, sind wir nach Lusaka, die Hauptstadt Sambias, geflogen. Am Sonntag spät nach langer Flugreise und 3 Stunden im Auto, die letzten Kilometer auf eine sehr schlechte Schotterpiste, sind wir dann in Sandy Beach Lodge, Siavonga, wo wir in den kommenden zwei Wochen arbeiten würden, angekommen.

Unser Gastgeber und Koordinator für Sambia ist Herman Striedl. Er ist Musiker, lebt seit 40 Jahren in Sambia und hat eigentlich Nichts mit Zahnmedizin zu tun. Durch Zufall hat er mit DWLF Kontakt bekommen und er bemüht sich jetzt seit über 4 Jahren, in einem Gebiet die etwa 100 x 150 km groß ist und 60.000 Einwohner hat, eine zahnärztliche Versorgung, mit Hilfe von DWLF und spendenwillige Kollegen aufzubauen.

Montag früh, wir hatten nicht mal Zeit richtig auszupacken, ging es gleich los. Wie jeden Tag, auch danach, fuhren wir 2-4 Stunden (hin und zurück) über Asphalt- und Schotterpisten die teilweise so schlecht sind das Mann sich richtig im Auto festklammern muss und ordentlich durchgeschüttelt ankommt. Am ersten Tag waren wir in Siavonga District Hospital wo es auch eine kleine Zahnklinik gibt. Hier arbeitet Muya und Jonathan. Sie sind „Dental Therapists“ die nach eine 3-jährige Ausbildung Extraktionen und einfache Behandlungen durchführen dürfen. Jonathan ist an Zahntechnik interessiert und macht einfache Klammerprothesen. Wir konnten etwas bei den Behandlungen helfen, und haben viel über Therapien und die Zukunft diskutiert.

Dienstag war Staatbegräbnis und Feiertag da der Präsident Ende Oktober verstorben war und erst am Mittwoch waren wir voll im Einsatz.

Wir fuhren nach Chirundu wo es ein italienisches Missionskrankenhaus gibt. Hier arbeitet Angela und sie hatte schwierige Fälle für uns gesammelt. Wir haben hier zwei Tage in eine kleine Klinik mit zwei Behandlungseinheiten, wovon eine nur der Stuhl sich bewegen ließ und der andere eine defekte Absaugung hatte gearbeitet. Herman, der uns ständig fuhr, hatte eine mobile Einheit dabei und so war dieses Problem kurzfristig gelöst. Wir führten hier Endo, Ost und Füllungen zusammen mit Angela durch und hoffentlich hat sie dabei etwas gelernt.

Die Missionsschwestern betreiben auch einen Waisenhaus und da hat meine Frau und ich Geschenke verteilt und eine Reihenuntersuchung durchgeführt.

Die restliche Zeit waren wir jeden Tag irgendwo anders ins „Outreach“ (Changa, Nabutese, Namomba, Jamba, Chipepo und Lusitu) und die Behandlungen haben sich dort auf Extraktionen und Reihenuntersuchungen beschränkt.

Die äußeren Bedingungen sind dabei schwierig. Die Patienten sitzen auf einfache Plastikstühle und als Zahnarzt steht Mann verdreht und gebückt mit Stirnlampe und tut sein Bestes. Ohne fließendes Wasser und Elektrizität ist es auch nicht möglich die Hygiene optimal zu gestalten aber meine Frau und Herman mit Helfer haben hier, mit Hilfe von mitgebrachtes Wasser und verschiedene Desinfektionsmittel, eine tolle Arbeit geleistet. Abends wurden alle Instrumente gereinigt und sterilisiert und für den nächsten Tag vorbereitet. Die Einheimischen wurden vorab informiert dass wir kommen, es waren zwischen 15 und 80 pro Tag. Manche Tage haben wir Hilfe von „Dental Therapists“ gehabt.

An Röntgenaufnahmen ist nicht zu denken und eine ordentliche Anamnese aufzunehmen ist auch nicht möglich und wie viele von HIV, Malaria oder andere Krankheiten betroffen sind, ist nicht zu erfahren. Hier ist es wichtig gesunden Menschenverstand zu haben um die Behandlungsmöglichkeiten richtig einzuschätzen. Manchmal haben wir nur Schmerzmittel oder Antibiotika verteilt und/oder eine „Überweisung“ in eine Klinik ausgestellt.

Die Einheimische leben hier zum größten Teil immer noch in Strohhütten, manche mit Solarzellen ausgestattet, und die meisten ernähren sich von Landwirtschaft. Viele haben nie einen Zahnarzt oder einen Weißen gesehen und die Lebensbedingungen sind hier sehr schwierig. Sambia ist einer der ärmsten Länder der Welt und ist von Hilfsorganisationen wie DWLF und einsatzbereite Helfer abhängig. Ich kann nur jedem empfehlen: Fahren Sie hin und helfen Sie. Mann muss Geld und Zeit haben, aber die Erfahrungen, die Sie sammeln und die Dankbarkeit, die Sie erfahren sind unbeschreiblich.

 Johan Mattson

Kontakt:

Herman Striedl (E-Mail: siavongabeach [at] gmail.com)

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