von Dr. Achim Sieper (sieper@implantologie.com)

Wie war´s denn so? Diese Frage wird dem ALL DENTE Hilfsteam jetzt überall gestellt, meist holen alle erst mal tief Luft, denn in einem Satz lässt sich das nicht beantworten

Unser Einsatz dauerte vom 8.09 – 25.09.2012.

Sambia_Abfahrt Dr. Sieper_Hilfseinsatz

Afrika hat viele Gesichter, “das” Afrika gibt es nicht, arm, aber erstaunlich glücklich scheinen die Menschen, sind dann die ersten Resümees. Doch dann werden die Gesichter ernster, erinnern sich an die einzelnen Fälle, “der dickste Abszess den ich je gesehen habe…”, erzählt Dr. Sieper, “unglaubliche Behandlungsbedingungen, aber erstaunlicherweise funktioniert es”, schmunzelt Fr. Dr. Knolle, denn der erste Patient mit Zahnproblemen, den Sie in Afrika behandelt hat, war Dr. Sieper selbst, aber das ist eine andere Geschichte…

Die ersten drei Tage waren wir in Ruanda. Privatkontakte machten den Besuch von Krankenhäusern möglich, wo wir bei Qualitätsmanagement Maßnahmen Unterstützung leisteten. Am Sonntag machten wir einen Ausflug ins Gorilla Gebiet.

In Sambia trafen wir auf Hermann der uns mindestens acht Stunden begleitete. Er stellte die Kontakte her, sodass wir als Zahnärzte immer viel zu tun hatten. Das alles hängt in erster Linie vom persönlichen Arrangement ab. Wenn wir mal nicht behandeln konnten, versuchten wir uns in der Ausbildung des dortigen Dentals Therapeut zu kümmern oder machten in den vielen Fischerdörfern Prophylaxe Unterricht.

Die anderen Patienten waren Kinder, die eifrig das Zähneputzen lernen wollten, unzählige Kinder und Erwachsene mit ernsthaften Schmerzen und Zahnproblemen und eine junge Afrikanerin mit ästhetischem Behandlungswunsch bekam von Fr. Dr. Knolle eigenhändig eine Prothese gefertigt. Das Foto des überaus gelungenen Ergebnisses und der überaus glücklichen Patientin wird an dieser Stelle noch ergänzt, sobald das gesamte Material gesichtet wurde.

Wir hatten auch stets unsere eigene Behandlungseinheit aus dem Koffer „ Candy“ dabei. Davon machten wir auch Täglich viel Gebrauch. Wir nutzten aber auch den Behandlungsstuhl von Hermann, einem wirklichen Original, mit dem wir gut zur recht kamen. Er organisierte für uns auch einen Tagesausflug (Sonntag) mit einer kleinen Maschine zu den Viktoriafällen und in einen Wildpark.

Es gab auch zahlreiche sehr schlimme Fälle, die einfach zu spät oder falsch behandelt wurden. “Egal welche Symptome jemand zeigt, es wird immer nach dem gleichen Medikamenten Schema mit Antibiose behandelt, weil keiner da ist, der die richtige Diagnostik betreiben kann und dann noch die nötigen Operationstechniken beherrscht.”

Ein Teilgebiet des Einsatzes war daher auch, sogenannte DT´s (dental Therapeuts) auszubilden, Krankenschwestern und Pflegern Kenntnisse im zahnmedizinischen Bereich zu vermitteln, damit nach Beendigung des Hilfseinsatzes auch den Menschen vor Ort weiter kompetent geholfen werden kann.

“Man kann mit Sicherheit nicht für den ganzen Kontinent reden, da schon allein wir in den sechzehn Tagen immer wieder ein anders  Afrika erlebt haben, Ruanda ist anders als Sambia, anders als Somalia, aber mein persönlicher Eindruck ist, dass es das Beste ist, Afrika so zu unterstützen, dass Sie mit eigenen Kräften aus sich heraus Ihre Probleme langfristig in den Griff bekommen.

In Afrika gibt es auch gute funktionierende Strukturen, die man Stärken und unterstützen sollte.  Afrika ist ein faszinierendes Land mit vielen Facetten, aber nicht nur ein Postkartenmotiv auf der einen Seite oder ein Beispiel für größtes Elend auf der anderen Seite. Die Menschen hier haben auch Ihren Stolz und Ihre Würde, das darf man, bei aller gut gemeinten Hilfe, nicht vergessen!

Schön wäre es, wenn jeder in seinen Mitteln sich ein bisschen dran beteilig, Afrika unter die Arme zu greifen um selbst auf die Beine zu kommen. Dass können Ärzte sein, die Hilfe leisten, das können aber auch Firmen sein, die statt Weihnachtkarten und Geschenken, für Afrika spenden, oder liebe Menschen, die die Hilfsorganisationen vor Ort unterstützen, dann weiß man auch, dass die Spende ankommt, wie z.B. bei der Stiftung “Zahnärzte ohne Grenzen.” (DWLF)

Print Friendly, PDF & Email