von Dr. Claus Macher (E-Mail: claus_macher@dwlf.org)

Einsatzbericht: Memorandum of Understanding 2015 

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Amano Hanifa

Es war ein glücklicher und schöner Ausgleich für unsere vielen vergeblichen Anstrengungen in den Jahren zuvor.

Mein Freund Amano war schon eine Woche vorher geflogen, um alles zu organisieren. Ich hatte ihm gesagt, dass ich nie mehr den Boden von Sri Lanka betreten würde, wenn wir dieses Mal nicht das MoU schriftlich bekommen. Das hatten wir ja schon so viele Male ohne Erfolg versucht.

In mir war eine große Unlust. Wie lange haben wir an einem MoU zusammen mit Dr. Credner aus Berlin gefeilt und uns bemüht! Und immer wieder wurden wir von den Behörden hingehalten. Was für ein krasser Gegensatz zu den freundliche Empfängen, die uns die Bevölkerung immer wieder bereitet hat. Wir wissen, die Bedürftigen brauchen uns.

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Dr. Credner und Herr Eyerkaufer

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Deshalb nahm ich dieses Mal keinen Anzug wie sonst üblich mit, wenn ich mit Politiker zusammenkomme. Entweder sie akzeptieren den Inhalt ohne schöne Verpackung oder sie lassen es bleiben.

Vor drei Jahren habe ich mich auf mündliche Zusagen für einen karitativen Einsatz verlassen; vier Zahnärzte, die Geschäftsführerin, zwei Helferinnen und ich waren stocksauer, als es vor Ort hieß, wir dürften höchstens kariöse Defekte zählen!

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Geschäftsführerin Prof. Tuul Macher bei einer Prophylaxe-Aktion

Ich habe dann das Beste daraus gemacht und habe mit der Geschäftsführerin eine Tamilenschule aufgesucht, um ein bisschen Prophylaxe zu machen, während die anderen verständlicher Weise mit einer riesigen Wut im Bauch die Insel bereisten. Ich war blamiert. Wir wussten, dass der Bedarf an Behandlungen groß war und wir hatten alles mitgenommen.

So hatten wir uns die karitative Arbeit in Sri Lanka nicht vorgestellt, nachdem schon ein Jahr vorher eine gesamte MDDC in Sri Lanka angekommen war und wir in Beruwala eine feste Zahnstation gespendet hatten – also DWLF in Sri Lanka nicht ganz unbekannt war.

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Aber diesmal war alles ganz anders. Am Sonntag den 30.7.2015 kam ich morgens in dunkler Nacht in Colombo an. Irgendjemand sollte mich abholen. Erkennungszeichen: Sonnenbrille. Alles funktionierte perfekt und bereits am 1.8.2015 hatte ich das MoU unterschrieben in der Tasche. – Mein Freund Amano hatte ganze Arbeit geleistet.

Im Rathaussaal  von Matale DSCN0290 wurde das MoU unterzeichnet und es gab eine große Zeremonie DSCN0317. Bürgermeister Hilmi DSCN0328, der auch Vorsitzender des Städtegemeinschft ist, also der Bürgermeister der Bürgermeister hat auch in Colombo Funktionen wahrzunehmen.

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Wir suchten alle relevanten Personen auf – auch die städtische Klinik in Matale, die eine größere Zahnstation hatte und die Dr. Credner und ich schon vier Jahre vorher besucht hatten. Es hatte sich Vieles verbessert. Wir trugen unsere Absichten vor, verwiesen auf den DWLF Einsatzfilm auf YouTube: “Zahnärzte ohne Grenzen/Mongoleieinsatz 2013“, den wir einem sehr interessierten Publikum in voller Länge schon im Gemeindesaal vorgespielt hatten, luden abends oft die zur Durchführung wichtigen Leute zum Essen ein und führten interessante Gespräche. Wir besuchten mögliche Behandlungsstätten; vor allem aber das Mahatma Gandhi International Center , ein neues Gebäude, das innen noch nicht ganz fertig war. Es wurde uns zugesagt, dass wir auch hier die Bedürftigen der Gesellschaft nach der Einweihung behandeln dürften. Dieses große, majestätische Gebäude wurde zum großen Teil von Indien gesponsert und ist in Sri Lanka einmalig. Das passt sehr gut zu DWLF, da von den Personen, die DWLF sich als Vorbild ausgesucht hat, Mahatma Gandhi den ersten Platz einnimmt (vgl. “Nachdenkseiten” auf www.dwlf.org).

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Herr Mano, der mit dem Posten als PMG einverstanden war, holte unsere Ausrüstung mit einem LKW von Kandy nach Matale in einen sicheren Raum, während wir mit Prof. Voijaykumaran von der Universitätszahnklinik in Kandy Kontakt aufnahmen, die Probleme unserer Zielgruppe (Betelnusskauen und damit gehäufter Mundhöhlenkrebs als auch Fluorose) und unsere Zusammenarbeit in der Zukunft besprachen.

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Von Matale gings dann nach Colombo, wo auf Herrn Bürgermeister Hilmy eine riesige Hochzeit DSCN0466wartete. 700 Menschen aus der ganzen Welt, von Pakistan, Australien bis nach Kanada. Herr Hilmy lud mich in den großen Saal ein. Ich empfand dies als eine große Ehre, zumal ich im Gegensatz zu den schönen Kleidern der Gäste mit meinen Klamotten doch sehr abgewrackt aussah. “Privatdedektiv Columbo in Colombo eben”. Der Bürgermeister stellte mich und umgekehrt mir die vielen verschiedenen Menschen vor und ich merkte ihm an, wie stolz er war, so eine große Familie zu haben, die hier harmonisch versammelt war. Von vier bis 80 Jahren- jedes Alter war vertreten. Er konnte auch stolz sein und ich bewunderte ihn.

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Am nächsten Tag fuhren wir nach Beruwala und besuchten Irsan. Er pflegte die von DWLF im Jahre 2007 gesponserte Zahnstation mit zwei Stühlen und sorgt für die DSCN0404Nachhaltigkeit. Sie entstand unter der Aufsicht von Herrn Eyerkaufer – einem Menschen, der mich vom ersten Kennenlernen an überzeugt hat, hat er doch als alleiniger Privatmann mit Intelligenz und Feingefühl nach dem Tsunami bis zum heutigen Tag unendlich viel Positives für diesen Ort getan. Ihn zähle ich auch zu den Menschen, die zu den Vorbildern für DWLF gehören.

DSCN0315_2x3Die Gegenwart hat die Vergangenheit vergessen gemacht und ich bin wie immer ganz begeistert von diesem Land und dieser freundlichen Bevölkerung. Besonders möchte ich mich bei Bürgermeister Hilmy bedanken, der wirklich alles Erdenkliche in Bewegung setzte, dass diesmal alles ein gutes Ende nahm.

Nun, wo ich wieder zu Hause bin, bin ich in der Lage, in Muse über alles etwas nachzudenken.

Sri Lanka, ein gesegnetes Land mit unglaublich vielen Früchten. Allein acht verschiedene Sorten von Bananen. Hier braucht keiner zu hungern. Sri Lanka hat jetzt Frieden – in den Dörfern und Städten leben die vier großen Religionen friedlich zusammen. Die Buddhisten, Moslems, Hindus und Christen. Man respektiert sich und das Menschliche steht im Vordergrund.

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2010_459Ich erinnerte mich an einen Besuch vor  ungefähr fünf Jahren, als wir Pottuville an der Ostküste mit einer Delegation der Stadt Nürnberg besuchten. Mein Freund Amano hatte das Event organisiert: Er hatte veranlasst, dass die bedürftigen Schulkinder aus allen vier Religionenzusammenkamen. Er hatte Schultaschen, Malstifte 2010 555 und Hefte und alles besorgt, was man so zum Anfang des neuen Schuljahres braucht.

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2010_542Die örtlichen Leiter der Religionencsaßen friedlich beieinander. Ich war innerlich sehr gerührt.

Sri Lanka, umgeben von Wasser, hat keinen Nachbarn, mit denen es Grenzstreitigkeiten haben könnte. Die äußeren Einflüsse können sehr gering sein.

Eigentlich könnte in diesem Mikrokosmos ein kleines Paradies entstehen, wenn die Menschen es hier wollen. In diesem Land erscheint mir die Chance einer Umsetzbarkeit am Größten, für immer miteinander in Freundschaft und Frieden zu leben. Ob die Menschen auf Sri Lanka die Gelegenheit ergreifen?

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Ob die Religionsführer und politischen Führer einsehen, dass Abschottung und Abgrenzung wieder zur Feindseligkeiten führt, dass im Gegenteil das Öffnen der Gotteshäuser und politischen Räume für alle Menschen Vertrauen bringt, dass das Miteinander der zukünftige Weg ist, dass das Helfen, miteinander Leben und Lernen den Frieden bringt?

Glaubt nicht jeder an ein höheres Wesen? Gibt es wirklich Ungläubige? Gibt es den richtigen Glauben? Die einzig richtige Kirche? Schubladendenken? Gut und Böse – ein Standortproblem?

“Imagine” von John Lennon, „Blowing in the Wind” von Bob Dylan, “Wind of change” von den Scorpions, “We shall overcome” von Joan Baez,  “Universal soldier“ von Donovan, „Give peace a chance“ von John Lennon, „I wish you peace“ von den Eagles… Waren diese schönen Lieder umsonst gedichtet und gesungen worden?

„Er nennts Verstand, gebrauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein“

in Goethes Faust.

Muss das für immer so sein? Mir wird schwindlig. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Ich beschließe, bescheiden zu sein und mich auf das Ziel von DWLF zu beschränken: ein bisschen auf unserem Fachgebiet mitzuhelfen, dass „ausbalancierte Länder in einer ausbalancierten Ländergemeinschaft“ entstehen können. Ich möchte daran meine Freunde und ein schönes Gefühl haben. Und hoffe, dass ich für den Rest des Lebens neugierig bleibe und sich die Geldgier und Machtgier in Grenzen hält.

  • Ich bin froh, dass Europa mit der Aussöhnungsstruktur des Schaffens von aktiven Partnerstädten 70 Jahre Frieden erreicht hat.
  • Ich stelle keine Fragen mehr, denn ich will mein positives Denken nicht verlieren.
  • Ich denke jetzt an das an das Naheliegende:
  • Abwaschen und die Wohnung aufräumen. Wäsche versorgen.
  • Nicht mehr so viel essen, Kohlehydrate weglassen, Gewicht verlieren und heute Sport machen.

 Herzlichst Ihr Claus Macher

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