Indien 2015

Ein paar wartende Jungs vom Kinderheim Silverdale, die sich nur zu gerne fotografieren ließen

Indien – was für eine Herausforderung! Vor 6 Jahren hatte ich das erste Mal über die Arbeit von Frau Dr. Heilemann in Indien erfahren und mir gewünscht, sie eines Tages begleiten zu können.

Ende 2013 ergab sich die Gelegenheit zu fragen, ob ich, als völlig Berufsfremde auch die Möglichkeit hätte, sie bei ihrer dortigen Arbeit zu unterstützen.

Da eine Begleitung für 2014 nicht mehr möglich war, blieb mir genügend Zeit mich auf Indien, vor allem auch in Bezug auf die nötigen Impfungen, vorzubereiten.

Dr. Ulla Heilemann und ihre Assistentin Diana Stuck während der Behandlung

Ein Jahr – und ein oftmaliges Lächeln und Abwinken vieler Leute in meinem Umfeld: “Erst in einem Jahr”. Nun, das Jahr ging sehr schnell vorbei und ehe ich mich versah, stand ich in Kozhikode am Flughafen und stieg in das uns erwartende Taxi nach Coonoor.

Coonoor, eine Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern und unser Hauptaufenthaltsort in den nächsten zwei Wochen. Von den Inhabern des privat betriebenen Gästehauses in einem oberhalb von Coonoor gelegenen Stadtteil namens Brooklands, wurden wir sehr herzlich empfangen und aufgenommen.

Tania Viertel bei der Behandlung zusammen mit Diana Stuck. Im Hintergrund Marie-Theres Vieson-Stehmann

Das vom Gästehaus nur zehn Minuten entfernt gelegene Ingrid-Kowski-Hospital ist mit zwei Zahnstationsräumen ausgestattet. Den nächsten Vormittag verbrachten Frau Dr. Heilemann und ihre Assistentin damit, diese Räume für die Untersuchungen und Behandlungen der Kinder vorzubereiten. Aus Deutschland hatten wir viele Materialien mitgebracht, die alle verstaut werden mussten. Bereits mittags konnten wir mit unserer Arbeit beginnen.

Wir bestanden aus 6 Personen: Frau Dr. Ulla Heilemann und ihre Assistentin Diana Stuck aus Berlin; Marie-Theres Vieson-Stehmann, eine Zahnärztin im Ruhestand aus Kiel; Tania Viertel, eine junge Zahnärztin aus Köln; Juliane Zimmer, eine junge Medizinstudentin aus Leipzig und ich, eine Sekretärin aus Osnabrück.

Hier bin ich mit einigen Mädchen zu sehen, die vom Fotografieren nicht genug bekommen konnten

Ich war schon ein wenig aufgeregt. Wie könnte ich als Sekretärin helfen? Könnte ich überhaupt helfen oder würde ich nur im Weg stehen? Aber wenn ich eins kann, dann organisieren und verwalten. Und genau das waren auch hier meine Aufgaben. Während unsere Zahnärztinnen die Kinder kontrolliert und gegebenenfalls behandelt haben, habe ich mich um die Krankenakten gekümmert, die jedes Kind dabei hatte. Ich habe das jeweilige Behandlungsdatum eingetragen, Zahnschemen aufgenommen und die Art der eventuell benötigten Behandlung. Zum größten Teil handelte es sich dabei um Zahnsteinentfernungen,Füllungen und Extraktionen von Milchzähnen. Außerdem habe ich die verschiedensten Instrumente kennengelernt, die ich sonst nur vom Stuhl aus beäugen darf, diese den Ärzten bereit gelegt, habe sie desinfiziert, für den Sterilisator vorbereitet und durfte sogar während einigen Behandlungen assistieren.

Marie-Theres Vieson-Stehmann bei der Schulung der Hausmütter und -väter in Gundlupet

Wenn zwischendurch etwas Luft war, habe ich ein wenig Zeit mit den wartenden oder schon fertigen Kindern verbracht. Wir haben zusammen Fotos gemacht, ein paar deutsche Wörter geübt oder die Kinder haben etwas gesungen.

Zu den weiteren Aufgaben gehörten Schulungen für die Kinder und deren Hausmütter und -väter in Sachen Zahnhygiene anhand von Modellen, Zeichnungen und Ausführungen. Diese Schulungen wurden von uns immer zu zweit abgehalten. Während einer erklärt und anhand der Zeichnungen gezeigt hat, wie genau die Zahnpflege durchgeführt wird, hat der zweite dieses am Modell mit der Zahnbürste vorgeführt. Anschließend durften die Hausmütter und -väter sowie viele der Kinder uns zeigen, wie richtig geputzt wird.

Zuerst etwas zögerlich, wollte uns hinterher jedes Mädchen zeigen, wie richtig geputzt wird. Hier mit Juliane Zimmer

Insgesamt haben wir gut 540 Kinder aus fünf unterschiedlichen Kinderheimen grundversorgt und geschult. Diese Kinderheime unterstehen alle dem CMS “Christian Mission Service”. In Coonoor existieren die beiden Heime Silverdale und Underfell mit insgesamt ca. 220 Kindern. Die Koordination der einzelnen Gruppen zur Kontrolle und Behandlung wurde von drei ortsansässigen Krankenschwestern namens Sheela, Maria und Virgila durchgeführt. Auch während der Behandlungen waren sie immer eine große Hilfe. Vor allem haben sie dafür gesorgt, den zu behandelnden Kindern die Erklärungen auf Tamil zu übersetzen, um ihnen die Aufregung und manchmal auch die Angst zu nehmen, was uns die Arbeit oft sehr erleichtert hat.

In dem 90 km entfernten Dorf Gundlupet haben wir im dortigen Heim 130 Kinder kontrolliert und behandelt. Hier kamen ein mobiler Behandlungsstuhl sowie eine mobile Einheit zum Einsatz, da dort keine feste Zahnstation existiert.

Eine Gruppe wartender Mädchen in Dharmapuri

Die Stadt Dharmapuri liegt 260 km von Coonoor entfernt. Mit vier Personen haben wir in der sich dort befindlichen Zahnstation in knapp zwei Tagen 158 Kinder versorgt. Auch hier hatten wir die mobile Ausstattung dabei, mit der wir zusätzlich Zahnstein entfernt haben.

Nur eine Stunde Fahrt in das oberhalb von Coonoor gelegene Dorf Kotagiri, warteten noch weitere 40 Kinder auf unseren Einsatz.

Alles in allem nicht nur lohnenswerte zwei Wochen was die Behandlung der Kinder betraf. Es gab so viele Begegnungen und Eindrücke, die mich tief bewegt und berührt haben. Die Freude der Kinder wenn sie uns sahen. Die Menschen, die uns überall mit offenen Armen aufgenommen und unterstützt haben. Die Gastfreundschaft in den Familien, zu denen wir eingeladen wurden. Die Schönheit des Landes im Allgemeinen, wenn man von den Müllbergen, die einem zu Hauf begegnen einmal absieht.

Der Markt in Coonoor. Hier bekommt man von Obst bis Schmuck alles

Ich bin mit einer großen Spannung nach Indien gereist ohne zu wissen, was mich dort tatsächlich erwartet. Indien hat mich gelehrt, wieder bewusster mit vielen Dingen umzugehen, die in Deutschland so selbstverständlich sind. Ich habe großen Respekt vor den Menschen dort, die so ein ganz anderes Leben führen als wir und trotzdem oder gerade deswegen glücklich zu sein scheinen.

Bedauerlich war es, dass nicht mehr Zeit für die Kinder blieb. Gerne hätte ich mich länger mit ihnen beschäftigt und so manches Mal fiel das Abschied nehmen sehr schwer.

Die Veranda zum Aufenthaltsraum und Büro unseres Gästehauses

Es gibt Kleinigkeiten, die ich sehr vermisse. Die erst gewöhnungsbedürftige Eigenart der Inder, fortwährend mit dem Kopf hin und her zu wackeln, als wäre dieser nur mit einer Feder auf dem Hals befestigt. Man ist sich nie wirklich sicher, ob sie einen verstanden haben oder nicht. Als sehr angenehm habe ich die kleinen Waschbecken in jedem Restaurant empfunden, um sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Selbst das unglaubliche Chaos auf den Straßen mit dem im ersten Moment scheinbar unkontrollierten Gehupe fehlt mir.

Unser Team nach erfolgreichen 17 Tagen auf dem Flughafen in Dubai. In den Gesichtern ein zufriedenes Lächeln…

Seit ich wieder in Deutschland bin, höre ich jeden Morgen einen indischen Radiosender und entfliehe damit kurzzeitig dem sehr schnell zurückgekehrten Alltag, der mich schon wieder voll im Griff hat. Aber das ist gut so, er vertreibt mir die Zeit bis zu meinem nächsten Besuch in Indien!

Sandra Schoppmeier
(14. März 2015)

 

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