von Dr. R. Schwedt

Three dentists in Namibia

“Flight number  SW286  is cancelled!” – Sarina Birkenmaier, Dr. Dieter Lehmann und Dr. Rainer Schwedt  stehen zum Boarding an, als diese Ansage ertönt! So zeitig hatte ich mir das erste Troubleshooting als Teamleader der DWLF -Pioniere für Namibia nicht vorgestellt!

Vor allem, weil dadurch 2 Tage eines seit Monaten ausgearbeiteten Einsatzplanes verloren gingen. Also, kein Nachtflug, sondern Schlafen im Steigenbergerhotel und Flug am nächsten Morgen. – Trotzdem, Namibia wir kommen!

Gut, dass die umfangreichen Vorarbeiten zwischen Dres. Markus Schifferdecker und Claus Macher mit Dr. Juvenary Ruta von der MoHSS erfolgreich verlaufen waren. Da genügte ein Telefonat von Markus nach Windhoek und unser Transport vom Flughafen (500km) nach Grootfontaine wurde problemlos von Christian John umorganisiert. Ihm obliegt auch die Betreuung vor Ort, und ist für unsere  Einsätze das Bindeglied zum MoHSS.

Samstagabend erreichten wir endlich unser Ziel: das District Hospital Grootfontaine. Im Hof begrüßte uns unsere Einheit, eingepackt in einer chinesischen  Holzkiste. Die “mobilunits”, Kompressoren, ect. pp. waren in einem Pavillion zwischengelagert. Schnell war vereinbart, dass wir mit Sichtung und Auspacken am Sonntagmorgen um  8 Uhr beginnen. Dazu gehörte auch, dass jeder von uns ca. 35 kg an Gepäck mitbrachte, zum größten Teil zahnärztliches Equipment, was unsere Arbeit erst ermöglichte. An dieser Stelle mal ein Dank an AIR NAMIBIA, die als Unterstützung des Projektes jedem Teilnehmer 15 kg freistellte.

Und es war freudige Überraschung angesagt. Zum Einen über unsere Unterbringung im Grootfontainer Stadthaus von Irmgard und Max Beyer. Es fehlte wirklich an nichts, super! Zum Anderen, die Hilfsbereitschaft und die Liebenswürdigkeit der Beiden. Sie haben sich jetzt schon das Prädikat ” gute Seelen”  auf alle zukünftigen DWLF Einsätze in Grootefontaine gesichert.

Die noch unausgepackte Zahnstation

Die noch unausgepackte Zahnstation

Bis Montag 14 Uhr war unser gestrecktes Ziel erreicht! Wir konnten in einem zusätzlich bereitgestellten Raum mit einer mobilen Einheit zahnärztliche Arbeit beginnen. Während  Sarina und ich die bereits reichlich wartenden Patienten abarbeiteten, war Dieter mit dem Aufbau der stationären Einheit mehr als beschäftigt. 

Dabei hat sich meine Erfahrung in der Krankenpflege bewährt. “Immer gut mit der Oberschwester halten”, in diesem Fall Matron Sarah! Aber auch Nurse Maria sollten zukünftige Gruppen im Auge behalten. Beide hatten immer ein offenes Herz für unsere Anliegen, und zeigten viel Solidarität.

Sie waren es auch, über die Dieter Kontakt zu dem engagierten Kliniktechniker – Samuel –  bekam, der ihm über 3 Tage eine Stütze im Aufbau der festen Einheit war. Nicht vergessen wollen wir hier auch das schier unerschöpfliche Netzwerk eines Max Beyer, was half, chinesische mit namibischer Technik zu verknüpfen.

Uns beiden Behandlern gingen die Patienten nicht aus. Ein kontinuierlicher Anstieg war nicht zu leugnen, was unserem Seniorkollegen Dieter veranlasste, neben der Aufbauarbeit für ständig sterile Arbeitsgeräte zu sorgen. 40 und mehr Extraktionen waren mittlerweile täglicher Standard!

Ab Donnerstag war die feste Einheit dann im Einsatz. Da der vorhandene Kompressor aber in keiner Weise den Anforderungen standhielt, installierten wir im gleichen Raum noch eine mobile Einheit, und zusätzlich eine der mobilen Absaugungen. 

Damit waren unsere Probleme zwar nicht alle beseitigt, aber handelbar. Daß dann 2 Behandler parallel arbeiten konnten, was das Patientenaufkommen erforderte, gelang nur, indem Dieter  fortan den Posten der Chefhelferin übernahm. Es war schlichtweg beste Teamarbeit angesagt.

Der Freitag war dann Highlight in Grootfontaine. Patienten ohne Ende, und die Statistik wies am Abend allein 18 verlagerte Weisheitszähne aus. Da tat es gut, dass Max uns für das Wochende ein paar unvergessliche Stunden auf seiner Farm Dornhügel ermöglichte.

Sonntagnachmittag war dann Vorbereitung zum outreach, bzw. Optimierung der Arbeitsabläufe in der Klinik angesagt.

Nach einem ebenso arbeitsreichen Montag sind wir dann Dienstagmorgen mit der Distriktszahnärztin Dr. Esther Namwandi nach Tsumkwe ( ca. 400 km Schotterpiste ) aufgebrochen. Übrigens, zukünftige Gruppen sollten daran denken, dass beim Beladen immer auch noch ausreichend Benzin/ Diesel mitgeführt wird, da die dortige Tankstelle eher nicht über ausreichend Treibstoff verfügt.

Was uns dort an Patientenaufkommen erwartete, stellte Grootfonteine in den Schatten. Bakkies ( Pick-ups) voll geladen mit Patienten, kamen aus dem 150 km entfernten Gam, wir arbeiteten bis spät in den Abend, und waren froh, in einer kleinen Lodge untergekommen zu sein.

Am nächsten Mittag ging es nach Mangetti. 52 % der dortigen Einwohner sind TB infiziert, was unsere Arbeit nicht wirklich leichter machte. Da dieses Dorf aber weit abseits und isoliert lagt, war weniger großer Andrang zu erwarten. Dieser Glaube wurde zumindest von einem der Bakkies aus Tsumkwe unterwandert.

Die letzten Tage verbrachten wir  unter den bekannten Bedingungen in Grootfonteine. Ein Kontakt mit der deutschen Privatschule brachte uns dann noch das Erlebnis, in einer kleinen Turnhalle in Afrika ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft zur EM live erleben zu können.

Letzter Teil des Einsatzes war es dann, die Einheiten zu reinigen und alles für das nächste Team zu präparieren.

Dann ging es via Beyers Lodge Dornhügel über Etosha und Erongo zurück gen Windhoek. Diese paar Tage sollte sich jeder gönnen, zeigen sie doch ein überaus beeindruckendes Land mit unbeschreiblicher Tierwelt. Und, das war uns Dreien wichtig, es schafft Ruhe, Zeit zum Durchatmen und Abstand zum Erlebten.

Als ein Kompliment haben wir dann die Einladung vor unserer Abreise ins MoHSS empfunden. Christian John, Dr. Ruta und Frau Nghatanga fanden viel Lob für unsere Arbeit. Aber es wurde angeregt  über die Strategien der zukünftigen DWLF Einsätze gesprochen. So z.B. über unseren Vorschlag, eine Schule für  -dental- therapists -, ähnlich anderer afrikanischer Länder auf den Weg zu bringen, um so die Grundlagen für eine Basisversorgung zu schaffen. Dies wurde freudig angenommen, und um konstruktive Mitarbeit gebeten.

Das Fazit :  Namibia, das Land und seine Menschen braucht mehr als ” three dentists”!

DWLF ist auf einem guten, erfolgversprechenden Weg! – Kollegiale Hilfe ist übrigens stets willkommen!

Dr. R. Schwedt
dr.r.schwedt@t-online.de

Print Friendly, PDF & Email