von Annette Kirchner-Schröder

Nach meinem ersten Besuch der Zahnstation im Frühjahr diesen Jahres hatte ich mich dazu entschlossen, ein Prophylaxeprogramm für diese Zahnstation zu entwerfen, um möglichst viele Kinder vor den katastrophalen Gebisszuständen zu bewahren, die mich bei meinem Erstbesuch so entsetzt hatten. Nach dem Motto: Besser vorsorgen als bohren. Mein Mann (der das Jugendprojekt Taşuleasa in Piatra Fântânele unterstützen wollte) begleitete mich.

Wir flogen von Frankfurt nach Cluj Napoca, wo wir von Lorand Szüszner (mein Partner im Projektmanagement Rumänien) und Bogdan Carp (Betreiber der Zahnstation) erwartet wurden. Beide Autos waren mit Materialien voll beladen, aber wir fanden mit unseren Rucksäcken noch einen Platz in je einem Auto. Die 165 km von Cluj nach Lunca schafften wir diesmal in einer Rekordzeit von 2 Stunden, was vor allem daran lag, dass die 25 km lange Schotterpiste kurz vor Lunca über den Sommer bis auf 5 km asphaltiert wurde.

Trotzdem es bei unserer Ankunft schon fast Mitternacht war, wurden wir mit einem Begrüßungsschnaps und einem Imbiss im Hause Carp willkommen geheißen.

Auch diesmal stellte uns der Bürgermeister das Gemeindeapartment zur Verfügung. Am anderen Morgen erwarteten uns ein umfangreiches Frühstück und ein Schnellkurs in der Kunst des Ţuicabrennens. Danach ging es an die Arbeit.

Da das Behandlungszimmer mir vom ersten Besuch schon vertraut war, ging es ohne Verzug an die geplante Reihenuntersuchung. Unser Plan war es, alle Kinder der ersten Klassen des Ortes kostenlos zu untersuchen und alle kariesfreien Molaren und Prämolaren zu versiegeln.

Außerdem wollten wir alle Gebisse fluoridieren, notwendige Milchzahnextraktionen vornehmen, Zahnstein entfernen und die Eltern über die weitere Behandlungsnotwendigkeit aufklären. Für die Kinder ohne Begleitperson, hatten wir Zettel in rumänischer Sprache vorbereitet, um auf diese Weise die Eltern über den Gebisszustand ihres Kindes zu informieren. Zum Abschluss der Behandlung sollte jedes Kind einen Zahnputzbecher mit Bürste und Zahncreme erhalten.

Am ersten Nachmittag kamen alle bestellten Kinder. Einige Eltern brachten auch gleich die Geschwister zur Untersuchung mit und so bilanzierten wir am ersten Abend 27 Versieglungen, 11 Fluoridierungen und eine Milchzahnextraktion. Unter den gegebenen Umständen z.B. ständige Stromschwankungen, die eine Bedienung des Stuhls immer wieder verhinderten oder Aussetzen der Absaugung im 10 Sekundentakt, war das ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Am nächsten Vormittag assistierten Lorand und ich bei der Behandlung der von Dr. Carp bestellten Patienten. Durch unsere Mithilfe konnte er wesentlich schneller als gewöhnlich arbeiten und er musste keinen Patienten abweisen. Leider kamen am Nachmittag keine eingeladenen Kinder. Ein Kommunikationsproblem? Kein Interesse? Wir haben es nicht herausfinden können. Stattdessen reparierten wir gemeinsam die Absauganlage, denn schon am Vormittag lief das Wasser im Speibecken nicht richtig ab und der Fußboden stand ständig unter Wasser.

Nachdem wir alles wieder zusammengebaut hatten, standen auch wieder Patienten vor der Tür, so dass die Zeit noch sinnvoll genutzt werden konnte. Auch an den 3 nachfolgenden Tagen stand uns immer ein halber Tag für die Kinder zur Verfügung, sodass wir bis zum Freitag alle interessierten Kinder der ersten Klassen (und einige ältere Kinder) untersuchen und behandeln konnten.

Für alle Statistikfans hier nun unsere Bilanz:
40 Kinder, 40x IP4, 104x IP5, 13x X, 6x Zst, 1xF2

Zur Erinnerung: Die Einsätze sollen nicht dazu dienen, bereits erkrankte Zähne zu versorgen. Wenn wir das auf Dauer tun würden, würden wir Dr. Carp in seinen Verdienstmöglichkeiten beschneiden. Bedanken möchten wir uns für seine Gastfreundschaft und für sein Engagement für dieses Prophylaxeprogramm!

Abschließend noch eine Bitte an alle, die Material spenden wollen. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel und irgendetwas zu spenden. Mittlerweile erstickt der Praxisnebenraum in nutzlosen Materialien, die Dr. Carp niemals nutzen kann und wird.

Benötigt werden Handschuhe Größe L, Anästhetika (möglichst in Ampullen), Einwegnadeln mit Gewinde (für die Metallspritzen), Harvard Zement (normal abbindend), Ledermix, Endomethasone, Hedströmfeilen, Lentulos, Reamer, Papierspitzen und Guttaperchaspitzen Größe 30-60, sterile Tupfer, Soflex- Polierscheiben (große Körnung), Calcimol, ein Kronenabnehmer, Sprühdesinfektion, Kinderzahnbürsten für das Prophylaxeprogramm (keine Einwegzahnbürsten)

Da wir im nächsten Frühjahr wieder nach Lunca fahren werden, können diese Materialien
an Lorand Szüszner , Pirckheimer Straße 21 a, 91207 Lauf, geschickt werden, der sie dann mit dem Pkw weitertransportiert. Herzlichen Dank!

Leistungsspiegel- Prophylaxeprogramm Lunca Ilvei, Rumänien 1. Klasse (4 Schulen)

Lorand Szüszner
Annette Kirchner-Schröder

Datum : 19.-23.10.2009 (5 Arbeitstage)

Art der Leistung  Anzahl
U=Untersuchung 40
IP4= Fluoridieren von Zähnen je Sitzung  40
IP5= Versiegeln von Zahnfissuren, je Zahn  104
davon Molaren 72
Prämolaren 23
erweiterte Fissurenversieglung 9
Zst=Entfernung von Zahnstein je Sitzung 6
Extraktionen  
1. Dentition 12
2.Dentition
F2=Füllung zweiflächig  1
Z+Z=Zahnbürste und Zahncreme mitgegeben 40
Aufklärung der Eltern über den weiteren
Behandlungsbedarf
 
mündlich  35
schriftlich   5

Außerdem halbtägige Assistenz bei den Patientenbehandlungen des ortsansässigen Zahnarztes Dr. Carp.

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