von Dr. Antje Grocholl (E-Mail: grocholl [at] icloud.com)

Busta fish? – Wie geht es Dir? – Fish! – Gut!

Einsatzteilnehmer:

  • Dr. Antje Grocholl,
  • Caroline Arp,
  • Ramona Pohl, ZMF
  • Manuela Hoffmann, ZMF

Aus dem nunmehr herbstlich-kalten Deutschland kommend, umfing uns mitten in der Nacht die feuchtwarme Luft von Santiago sehr angenehm. Auf den Kapverden war Herbst und auch Regenzeit – sprich 30 Grad. Es war schwül.

Nach einer recht kurzen Nacht fuhren wir in die Klinik “Centro de Saúde” in Ponta d’ Água, einem ärmeren Bezirk von Praia und richteten uns hier für die nächsten zwei Wochen Behandeln ein.

Aus einem Wirrwarr von vielen Kisten und Koffern, die in einem Raum der Klinik abgestellt waren und aus dem von uns mitgebrachten, 23 kg Material wurde durch uns in kurzer Zeit ein gut eingerichtetes Doppelbehandlungszimmer. Im Gegensatz zu unseren extremeren Sambia-Behandlungserfahrungen empfanden wir die Situation hier in der Klinik deutlich komfortabler, dank verlässlichem Strom, Wasser, Absaugung und Ventilator.

Ponta d` Água ist ein Vorort der Hauptstadt Praia auf der kapverdischen Insel Santiago und liegt zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Für die etwa 8.000 Einwohner ist Dr. Ozias Fernandes der einzige Zahnarzt vor Ort. Er erzählte uns, dass 2015 das erste DWLF Team hier im Centro war und wir jetzt 2019 das zweite Team vor Ort sind.

Olivia, die gute Seele der Station, half uns bei der Aufbereitung der Instrumente und hatte immer ein fröhliches aufmunterndes Lächeln für uns. Überhaupt sind die Patienten und das Klinikpersonal entspannt, freundlich und oft auch sehr lustig.

Im Nebenraum unseres zugeteilten Behandlungszimmers mit den mobilen Einheiten steht ein defekter Behandlungsstuhl, an dem Dr. Fernandes ausschließlich Zähne extrahiert. Da an dieser Einheit nichts funktioniert ist das Behandlungsspektrum hierauf limitiert.

Trotzdem erntete diese Einheit gelegentlich unsere neidischen Blicke, da unsere Behandlungsstühle nur auf 30 cm „Höhe“ zu stellen waren und unsere Arbeit somit teilweise nur mit akrobatischem Talent zu bewerkstelligen war.

Dr. Fernandes half uns bei der Kommunikation mit den Kids. Er war sehr geduldig sowohl mit den Kids als auch mit uns, denn ohne Kenntnisse in Kriolu war es unmöglich mit den Patienten ausreichend zu kommunizieren und sie – oft ängstlich wie sie waren – zu führen. Selbst unser Spickzettel reichte leider nicht aus. Viele waren zum ersten Mal in zahnärztlicher Behandlung und benötigten behutsame umfangreiche Erläuterungen zu unseren Vorhaben. Kaum jemand beherrschte die englische Sprache. Die Sprachbarriere war eine unserer größten Herausforderungen vor Ort.

Die Kariesprävalenz ist erschreckend hoch, die Milchmolaren konnten wir häufig nicht mehr erhalten und haben stets mehr Zähne – auch bleibende – gezogen als gefüllt. Wir bemühten uns mit mitgebrachter Zahnpasta, Zahnbürsten und persönlichen Putzaufklärungen zum Abschied nach jeder Behandlung dagegen zu halten. Hoffentlich konnten wir auf diese Weise etwas zum Gesundheitsverständnis beitragen.

Unsere ersten drei Behandlungstage waren ausschließlich den Kindern von Ponta d` Áqua vorbehalten, ihretwegen waren wir hier.

Nach der Behandlung von Jugendlichen am Donnerstag, behandelten wir auch alte Menschen, die vom roten Kreuz geschickt wurden. So war zum Beispiel Frau Domingos, Mareisa (74 Jahre) zum ersten Mal in Ihrem Leben bei einem Zahnarzt. Wir mussten zwei Zähne entfernen – und viel Zahnstein (Tartar). Die Behandlung wiederholte sich auch oft am Folgetag, da Dr. Fernandes den Freitag für Erwachsene reserviert hatte. Er sorgte durch sein Bestellsystem für einen durchorganisierten Behandlungstag, der den Patienten die Möglichkeit der notwendigen Behandlungen (Füllungen, Extraktionen, Zahnsteinentfernung) ermöglichte. – Da wir zu zweit (2x ZÄ, 2x Assistenz) waren, war das Pensum gut zu schaffen. Belohnt wurden wir dann mit einem „Krankenhausessen“, welches sehr lecker und abwechslungsreich war.

Der letzte Tag war als Prophylaxetag in einer Schule geplant. Dr. Fernandes klärte die Kinder über gesunde Ernährung und Zahnpflege auf, dann gab es für jedes Kind ein Malbuch mit vielen der gehörten Infos und natürlich Zahnbürste und Zahnpasta durften bei den Gaben nicht fehlen. Im Anschluss packten wir unser „Behandlungszimmer“ wieder zusammen, es blieben wieder viele Kisten und Koffer zurück, die für das nächste Team in eine andere Klinik gebracht werden.

Unser Wochenende verbrachten wir im Norden der Insel am Strand von Tarrafal. Die Fahrt dorthin hatte schon eine atemberaubende Schönheit für uns parat. Durch den Regen der letzten Tage konnten wir die Berghänge in einem wunderschönen Grün bewundern und Maispflanzen soweit das Auge blicken kann, bis fast hinauf zum Gipfel.  Tarrafal ist sehr schön, der Strand karibisch mit Palmen und weißem Sand, die Berghänge im satten Grün, bunte Fischerboote, Musik.

Für uns bleibt zu sagen, dass wir sehr gern geholfen haben. Uns die Menschen sehr offen, hilfsbereit, freundlich und unaufdringlich begegnet sind. Wir mussten zu keiner Zeit Angst oder Bedenken zwecks unserer Sicherheit haben.

Ein großes Dankeschön gilt der Firma Gerl für das Sponsoring und der Firma Meisinger und auch den Patienten unserer Praxis, für ihre Spenden und Geduld, bis wir wieder zurück waren.

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