Bericht von Felicitas Hendus 

Geplant war unser Einsatz vom 26. Januar bis zum 6. Februar in einer Gruppe von fünf Personen. Kurzfristig sprangen jedoch drei Teilnehmer ab. Plötzlich stand die Frage im Raum, ob der Einsatz überhaupt stattfinden kann.

Meine Kollegin Josepha Wirausky und ich kennen uns seit dem Studium, wir haben bereits viele Herausforderungen gemeinsam gemeistert. Nach kurzer Überlegung war für uns klar: Wir fliegen. Auch wenn wir nur zu zweit sind. Vielleicht gerade deshalb.

Unser Team war also:

  • ZÄin Felicitas Hendus (AD)
  • ZÄin Josepha Wirausky (AD)

Anreise

Während Josepha aus Deutschland anreiste und ich aus Sansibar, trafen wir uns am Flughafen in Äthiopien. Von dort flogen wir gemeinsam weiter nach Lusaka. Schon die Fahrt von Lusaka nach Kabwe beeindruckte uns sehr. Es war Regenzeit und die Landschaft zeigte sich in einem intensiven Grün. Alles wirkte lebendig und weit. Trotz der Regenzeit hatten wir viele sonnige Tage, die uns zusätzlich Energie gaben und unsere Zeit dort besonders angenehm machten.

Unterkunft

In Kabwe wurden wir herzlich von Evans Chibanga (der Organisator der Schule und das Anwesens vor Ort) und Rhoda empfangen. Rhoda versorgte uns täglich mit frischem und liebevoll zubereitetem Essen. Unsere Zimmer waren großzügig und sauber. Die Zahnklinik befand sich direkt auf dem Gelände, was sich als besonders praktisch erwies. Wir spürten von Anfang an eine große Herzenswärme und Gastfreundschaft, die uns emotional sehr berührte.

Einsatzbeginn – Improvisation war Trumpf

Der Start war dennoch herausfordernd. Kurz vor unserer Ankunft hatte ein schweres Unwetter die Region getroffen. Die Zahnklinik stand unter Wasser. Zudem hatten wir kein konstantes Licht, das Wasser an den Behandlungseinheiten funktionierte teilweise nicht und ein Röntgengerät stand nicht zur Verfügung. Wir mussten improvisieren. Gemeinsam entwickelten wir jedoch ein funktionierendes System, um unter diesen Bedingungen alle Patienten fachlich korrekt und nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln. Wir lernten erneut, dass für eine Extraktion nicht in jedem Fall ein Röntgenbild zwingend notwendig ist.

Ab dem ersten Tag warteten zahlreiche Menschen auf uns. Täglich kamen etwa 30 Patienten aus dem Dorf und der umliegenden Region. Die Arbeit mit ihnen war angenehm. Sie waren geduldig, gelassen und brachten großes Vertrauen mit. Trotz Wartezeiten blieb die Stimmung ruhig und respektvoll. Das Arbeiten mit ihnen war intensiv, aber erfüllend.

Zusätzlich wurden uns jeden Tag ein bis zwei Schulklassen mit bis zu insgesamt 60 Kindern geschickt. Die Schule gegenüber wurde von Joachim Deinert und seiner Frau Birgit aus Köln gegründet, um Kindern aus dem Compound eine kostenfreie Schulbildung und ein warmes Mittagessen zu ermöglichen. In Kooperation mit der DWLF werden die Kinder regelmäßig zahnärztlich untersucht und bei Bedarf behandelt.

Wir arbeiteten täglich von etwa 9 Uhr bis ca. 16 Uhr. Die meisten Fälle erforderten Extraktionen, da viele Zähne nicht mehr erhaltungsfähig waren. Restaurative Maßnahmen waren möglich, aber seltener.

Insgesamt extrahierten wir rund 210 Zähne und fertigten etwa 40 Füllungen an. Wir führten außerdem professionelle Zahnreinigungen durch und untersuchten 233 Schulkinder im Rahmen eines Check-Ups.

Prophylaxe und Check-Ups

Jedes Kind erhielt als präventive Maßnahme eine Zahnbürste und Zahnpasta. Kinder mit weiterem Behandlungsbedarf bekamen Einverständniserklärungen für ihre Eltern mit, sodass die nächste Einsatzgruppe gezielt weiterarbeiten kann.

Doch Zahlen allein spiegeln nicht wider, was dieser Einsatz bedeutete. Es waren die Begegnungen, die uns berührten. Die Dankbarkeit der Menschen, das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde und die vielen Momente, in denen aus Anspannung Erleichterung wurde.

Mehrere Male besuchten wir auch die Schule selbst. Die Lebensfreude der Kinder hat uns bewegt. Wir durften miterleben, wie sie nicht nur die Nationalhymne sangen, sondern eine ganze Aufführung für uns präsentierten. Sie tanzten, sangen und strahlten eine beeindruckende Fröhlichkeit aus. Diese Momente gingen uns sehr nahe.

Eine Lehrerin schenkte uns als Zeichen der Dankbarkeit ein traditionelles Tuch, das die Frauen dort wie einen Rock tragen. Dieses Geschenk war für uns mehr als nur ein Stoff. Es war Ausdruck von Wertschätzung und Verbundenheit.

Freizeit sinnvoll nutzen

Gemeinsam mit Sozialarbeitern besuchten wir auch das Compound und erhielten tiefere Einblicke in die Lebensrealität zweier Familien. Durch die Zeit mit Einheimischen, gemeinsame Gespräche und Aktivitäten konnten wir Sambia nicht nur medizinisch, sondern auch kulturell näher kennenlernen. Mit dem Lehrer Nathan besuchten wir im Stadion ein Fußballspiel und erlebten die Begeisterung der Menschen hautnah.

Im Laufe der Zeit entstand eine enge Gemeinschaft. Joachim und Birgit waren nach einer Woche ebenfalls vor Ort. Ihnen gehört auch das Anwesen, auf dem wir wohnten. Wir verbrachten gemeinsame Abende, spielten zusammen, lachten viel und tauschten Geschichten aus. Wir unternahmen gemeinsam. Dr. Wolfgang Pehl kam zusammen mit dem Ehepaar Deinert. Er hat die Zahnstation in Kabwe aufgebaut und die Leitung übernommen. Er unterstützte uns tatkräftig. Fachlich wie menschlich war die Zusammenarbeit sehr bereichernd. Wir waren nicht nur ein Team in der Klinik, sondern auch darüber hinaus.

Einsatz verlängert

Am Ende entschieden wir uns, unseren Einsatz sogar um drei Arbeitstage zu verlängern. Der Behandlungsbedarf war groß und gleichzeitig hatten wir Freude an unserer Arbeit.  Trotz intensiver Arbeit, trotz Regenzeit, war diese Zeit geprägt von Sonne, Lachen und einem starken Zusammenhalt.

Für Josepha war es der erste ehrenamtliche Einsatz dieser Art. Für mich war es eine Fortsetzung meiner bisherigen freiwilligen Arbeit, da ich zuvor bereits mehrere Male in einem großen Krankenhaus in Tansania tätig war. Dennoch war auch für mich dieser Einsatz etwas Besonderes. Für uns beide steht fest: Wir würden gerne wiederkommen.

Sightseeing zum Abschluss

Nach Abschluss unseres Einsatzes reisten Josepha und ich noch für etwa eine Woche zu den Victoriafällen. Dort sahen wir nicht nur die gewaltigen Wassermassen, sondern auch Zebras, Giraffen, Affen, Impalas und Nashörner. Diese Naturerlebnisse bildeten einen beeindruckenden Abschluss unserer Zeit in Sambia. Insgesamt verbrachten wir vier Wochen in diesem Land.

Dieser Einsatz hat uns fachlich gefordert, menschlich bereichert und als Team enger zusammengeschweißt. Wir sind dankbar für diese Erfahrung und für die Möglichkeit, einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen.

Das Projekt hat uns begeistert, nicht nur wegen der Arbeit, sondern wegen der Menschen, der Herzlichkeit und der vielen Begegnungen, die bleiben.


Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln

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