von Dr. Joachim Rückert (E-Mail: dr.joachimrueckert [at] gmx.de)

Bericht über den zahnärztlichen Hilfseinsatz in Roades/Radeln (Siebenbürgen)

Prolog

Vom 17.10.2016 bis 26.10.2016 fand der 3. zahnärztliche Hilfseinsatz in Radeln (Rumänien) statt. Wie schon 2015 und im Frühjahr 2016 war es eine Gemeinschaftsaktion der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen (DWLF)“ und der „Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit der „Peter-Maffay-Stiftung  Fundatia Tabaluga“, die der bekannte Künstler Peter Maffay ins Leben gerufen hat.

In gewohnter Manier transportierte der Johanniter Lorand Szüszner mit seinem Mercedes Sprinter das zahnärztliche Equipement aus Geräten, Instrumenten und Material von Franken aus zum Einsatzort. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die sehr großzügige Spende der Fa. GABA GmbH, betreffend Prophylaxeartikel für die Zähne. Zahnarzt Dr. Joachim Rückert und die zahnärztliche Fachangestellte Miriam Röder wählten die Anreise per Flugzeug Nürnberg-Cluj. Untergebracht und verpflegt wurde diese Crew im Gästehaus der Fundatia Tabaluga in Radeln.

rumaenien-radeln1Die Peter-Maffay-Stiftung hat in Radeln zahlreiche, ansonsten dem Verfall preisgegebene Bauernhöfe erworben, aufwändig saniert und verschiedensten Funktionen zugeführt. Detaillierte Info finden Sie unter www.petermaffaystiftung.de.

rumaenien-radeln3Ausgehend von der Kirchenburg Radeln, deren Turm leider im Februar 2016 ohne jegliche Vorwarnung eingestürzt war, firmiert das dortige Projekt unter dem Motto: “Begegnungen – Schutzräume für Kinder”.

„Kinder haben es nicht in der Hand, in welche Lebensumstände sie hineingeboren werden. Wir helfen Kindern, die in Not geraten sind“

(Peter Maffay)

Insofern ist es auch ein besonderes Anliegen, den Kindern, die in dem bitterarmen und recht verwahrlosten 300-Seelen-Dorf Radeln leben, ärztliche und zahnärztliche Versorgung zukommen zu lassen. Dafür gibt es ein Ärztehaus der Fundatia Tabaluga, in dem eine rumänische Ärztin pro Woche einmal eine Sprechstunde für die gesamte Bevölkerung abhält. Die zahnärztliche Versorgung soll durch regelmäßige Hilfseinsätze von DWLF/Johanniter (2xjährlich) zu einer gewissen Nachhaltigkeit geführt werden.

Die Früchte dieser Strategie erkennt man daran, dass nach dem 3. Einsatz dieser Art eine beachtliche Anzahl an interessierten und kooperativen Erwachsenen wie Kindern einen guten Sanierungsgrad ihrer Zähne erlangen konnte und diese Leute nicht damit rechnen müssen, von Zahnschmerzen malträtiert zu werden. Wochenlange Zahnschmerzen sind allerdings bei größeren Teilen der armen Bevölkerung Rumäniens leider ein Standard.

Tätigkeitsbericht

Wir haben im Oktober 2016 insgesamt 5 Tage, jeweils zwischen 8 und 10 Stunde,n behandelt. Am Vormittag wurden Erwachsene therapiert, der Nachmittag war den Radelner Kindern vorbehalten. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die ganz ausgezeichnete Bestellorganisation der Tabaluga –Projektleiterin Karin Morth, die dafür sorgte, dass wir nie zu viele und nie zu wenige Patienten vorfanden. Insgesamt kamen 53 Patienten, bei denen wir 77 Konsultationen durchführten. Die Mehrzahl waren feminin (34), der Rest (19) maskulin. Die Mehrzahl, nämlich 27 waren Kinder zwischen 6 und 14, die anderen 25 Personen waren älter: 15-29 Jahre (11), 30-45 Jahre (10), 46-70 Jahre (4). Von den 53 Patienten konnten 25 vollständig durchbehandelt werden.
Der therapeutische Schwerpunkt lag auf prophylaktischen Leistungen: 115 Fissurenversiegelungen, 52 Flouridierungen sowie Füllungstherapie: 142 Füllungen, davon 29 mit tief fortgeschrittener Karies.

Hinter diesen Therapien verblassen die chirurgischen Eingriffe zahlenmäßig etwas: es waren insgesamt 29, inklusive Osteotomien und Knochentrepanation.

Schlusswort

Durch das Wirken der Fundatia Tabaluga wird mittelfristig ein Fundament gelegt, auf das in jeder Hinsicht aufgebaut werden kann, wo sonst nur ein Fass ohne Boden wäre. Stünden nicht ein paar Autos (in die wahrscheinlich die wenigsten Deutschen freiwillig einsteigen würden) am ungeteerten Wegesrand, fühlte man sich in einen Film aus dem Jahre 1816 versetzt: Wo laufen sonst noch Ziegen, Schafe, Kühe, Enten und hochbeinige Schweine frei im Dorf herum oder wird die Hauptstraße schnell mal quer aufgehackt, ohne dass die Anlieger Bescheid wissen? Angesichts dieser einfachen Lebensverhältnisse fragte ich mich erneut, wie viele neue Qualitäts- und Sicherheitsstandards die EU im Allgemeinen und die Deutschen im Speziellen noch brauchen, um endlich glücklich zu werden.

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Imponiert hat mir in diesem Zusammenhang der Satz von Hans Kruppa:

„Stark ist, wer mehr Träume hat,
als die Realität zerstören kann.“

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