Bericht von Kathleen Riedel

Am 27. Februar begann unsere Reise nach Sambia mit Zahnärzte ohne Grenzen. Am Flughafen in Frankfurt trafen wir Serena aus unserem Team – damit waren wir schon zu viert unterwegs: Yvonne, Alina und Kathleen aus einer Praxis sowie Serena. In Addis Abeba stieß schließlich Hans zu uns, und unser Team war komplett.

Unser Team:

  • Dr. Hans Hugo Wilms (AD/GL)
  • Dr. Yvonne Süß-Fröhlich (AD)
  • Kathleen Riedel (ADH)
  • Alina Sanders (ADH)
  • Serene Steffen (ADH)

Nach der Landung in Lusaka wurden wir von einem Fahrer empfangen, der uns mit einem Schild „Dentist“ erwartete. Es folgte eine etwa dreistündige Autofahrt über rund 150 Kilometer nach Kabwe. Auf den Straßen herrschte reges Treiben: Autos, LKW, Verkaufsstände und viele Menschen – überall Bewegung und Leben.

In der Dental-Klinik wurden wir herzlich empfangen und mit einem leckeren Essen begrüßt. Nach insgesamt 29 Stunden Reise fielen wir schließlich erschöpft, aber voller Vorfreude, ins Bett.

Am nächsten Morgen verschafften wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück einen Überblick über die Klinik. Gemeinsam bauten wir die Behandlungseinheiten auf, richteten die Zimmer ein, sterilisierten Instrumente und sortierten die Patientenkarteien. Schon jetzt zeigte sich: Die Zusammenarbeit funktionierte hervorragend und wir waren schnell ein eingespieltes Team.

Am Montagmorgen stand zunächst ein Termin beim Direktor der örtlichen Schule an. Wir hatten viele Spenden im Gepäck – Bleistifte, Malblöcke, Buntstifte, Spiele und Kleidung für die Kinder. Nathan stellte uns in jeder Klasse vor. Rund 700 Schülerinnen und Schüler besuchen diese Schule, und überall wurden wir freundlich empfangen.

Noch am Vormittag behandelten wir einige Kinder, die eine Weiterbehandlung benötigten. Das Team vor uns hatte bereits Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Zum Mittagessen waren wir in der Schule eingeladen und aßen gemeinsam mit den Kindern das traditionelle Essen – Maisbrei, der meist durch Gemüse, Bohnen und manchmal auch Würstchen ergänzt wurde und mit den Fingern gegessen wird. Die Kinder waren sehr neugierig, wollten neben uns sitzen und uns berühren. Diese Begegnungen waren besonders bewegend.

Am Nachmittag behandelten wir die ersten Patienten aus der Umgebung. Viele Zähne mussten gezogen werden – der Zahnstatus war häufig erschreckend. Hans überzeugte uns gleich am ersten Abend von einer kleinen „medizinischen Vorsichtsmaßnahme“: Jeden Abend gab es eine kleine therapeutische Dosis Whisky, damit niemand krank wird. Dieses Ritual hielten wir tatsächlich die gesamten zwei Wochen durch.

Von Anfang an lief die Arbeit im Team Hand in Hand. Wir extrahierten viele Zähne, legten Füllungen, führten professionelle Zahnreinigungen durch und versiegelten Zähne. Die Kinder und Erwachsenen waren unglaublich geduldig und warteten oft sehr lange auf ihre Behandlung.

Eine ganz besondere Rolle spielte Rodah. Sie war Köchin, Übersetzerin, kümmerte sich um die Zimmer, wusch unsere Wäsche und sorgte dafür, dass es uns an nichts fehlte. Schnell wurde sie zur guten Seele des Hauses und wir schlossen sie sofort ins Herz.

Auch Ezra wurde für uns zu einer wichtigen Unterstützung und zu einem echten Herzensmenschen. Als Bauingenieur kümmerte er sich um viele organisatorische Dinge rund um die Klinik und half, wenn irgendwo etwas repariert oder improvisiert werden musste. Gleichzeitig war er unser Fahrer und Begleiter bei Ausflügen und Einkaufstouren und sorgte immer dafür, dass wir sicher von A nach B kamen.

Ein Abend führte uns zu Burkhard, der eine Lodge betreibt, in der früher die Teams untergebracht waren. Dort aßen wir gemeinsam mit Rodah und Ezra knusprige Pizza – ein wunderschöner Abend.

An einem Samstag besuchten wir mit Ezra den lokalen Markt. Es regnete in Strömen, überall war Schlamm und wir sahen am Ende entsprechend aus. Beeindruckend war jedoch die Gelassenheit der Menschen: Sie warteten einfach ab, bis der Regen aufhörte, und öffneten anschließend ihre Stände wieder. Viele sind zufrieden mit dem, was sie haben. Ezra ließ uns außerdem eine sambische Spezialität probieren – getrocknete Schmetterlingsraupen, die Rodah am Abend für uns zubereitete.

Wir besuchten auch den berühmten Fig Tree und das Fig Tree Café in Kabwe und nutzten die Gelegenheit, einige Souvenirs zu kaufen.

Ein besonders bewegender Moment war der Besuch eines Gottesdienstes, zu dem Ezra uns eingeladen hatte. Schon beim Betreten bekam ich Gänsehaut. Musik wurde gespielt, es wurde gesungen – die Atmosphäre war unglaublich berührend. Auch dort wurden wir sehr herzlich aufgenommen.

Am Women’s Day machten wir einen Ausflug zum Mulungushi River. Ezra und Deniz brachten uns über eine abenteuerliche Strecke mit riesigen Schlaglöchern und Pfützen dorthin. Gemeinsam – wir Frauen und auch Hans – unternahmen wir eine Bootsfahrt. Die Stimmung war großartig: Es wurde gelacht, getanzt und viele Fotos gemacht.

In der zweiten Woche gab es zwei Feiertage, sodass wir an einigen Nachmittagen frei hatten. Wir besuchten einen kleinen Park mit Tieren wie Zebras und Löwen. Ezra brachte uns außerdem Zuckerrohr mit und zeigte uns, wie man es isst – ein sehr lustiger Moment (auch wenn wir dabei natürlich gleich an die Auswirkungen auf die Zähne denken mussten).

Die Arbeit in der Klinik blieb intensiv. Immer mehr Menschen hörten von unserem Einsatz. Wir behandelten Kinder aus der Schule und Erwachsene aus der Umgebung. Mittags aßen wir häufig wieder in der Schule und halfen den Köchinnen beim Umrühren der riesigen Töpfe mit Maisbrei. Mehrmals täglich kochen sie enorme Mengen – eine körperlich sehr anstrengende Arbeit.

Ein weiteres Highlight war ein gemeinsames Abendessen mit der ganzen Crew im Restaurant. Ezra und Rodah waren für uns inzwischen echte Herzensmenschen geworden. Natürlich behandelten wir auch Lehrer, Angestellte sowie Rodah und Ezra selbst – inklusive professioneller Zahnreinigung „auf sambisch“.

An einem Nachmittag fuhr Ezra mit uns durch die nahegelegenen Compounds. Die Menschen leben dort oft sehr einfach und haben kaum Strom, aber sie wirken zufrieden und haben ihre kleinen Häuser und Gärten liebevoll gestaltet. Viele Kinder kannten uns bereits von der Klinik und liefen unserem Auto begeistert hinterher.

Am letzten Freitag war das Wartezimmer schon früh am Morgen überfüllt – inzwischen hatte es sich überall herumgesprochen, dass wir da sind. Wir arbeiteten im Akkord: Zähne ziehen, Füllungen legen – teilweise gingen uns sogar die Instrumente aus. Mercy, unsere sambische ZFA, unterstützte uns unermüdlich. Sie übersetzte von Bemba ins Englische, half bei der Sterilisation, assistierte und packte überall mit an. Wir arbeiteten sogar durch die Pause, um möglichst viele Patienten behandeln zu können.

Unsere Arbeit in Zahlen

Während unseres zweiwöchigen Einsatzes konnten wir gemeinsam viel erreichen. Insgesamt führten wir 284 Kontrolluntersuchungen durch. Dabei zeigte sich häufig ein großer Behandlungsbedarf.

Wir führten 258 Zahnextraktionen durch, da viele Patienten mit starken Schmerzen und weit fortgeschrittener Karies zu uns kamen. Zusätzlich konnten wir 187 Füllungen legen, um Zähne zu erhalten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit war die Prävention: Wir führten 55 professionelle Zahnreinigungen durch, versiegelten 92 Zähne und erreichten 67 Patienten mit Prophylaxe Behandlungen und Aufklärung zur Mundhygiene. Zusätzlich gab es 16 weitere Behandlungen.

Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung vor Ort ist – und wie viel durch engagierte Teams in kurzer Zeit bewirkt werden kann.

Am Samstag hieß es schließlich Abschied nehmen. Dieser Moment war sehr emotional. Die Herzlichkeit der Menschen, ihre Dankbarkeit und die vielen Begegnungen haben uns tief berührt. Wir haben versprochen, wiederzukommen.

Dieser Einsatz war eine unglaubliche Erfahrung – und wir sind sehr dankbar, Teil davon gewesen zu sein.


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