Bericht von Kathleen Kryzanovskij
Vom 10. bis 24. Juli 2026 durfte ich gemeinsam mit Dr. Yvonne Plückebaum, Kathleen Flessa und später Dr. Leon Schmidt einen unvergesslichen Einsatz für Zahnärzte ohne Grenzen in Kabwe, Sambia, begleiten.
Dr. Yvonne Plückebaum, Kathleen Flessa und ich, Kathleen Kryzanovskij, arbeiten gemeinsam in einer Zahnarztpraxis in Hannover. Unser Team bestand somit aus einer Zahnärztin und zwei Zahnmedizinischen Fachangestellten. Ab Montag wurde unser Team durch den Zahnarzt Dr. Leon Schmidt aus München ergänzt.
Anreise nach Sambia
Unsere Reise begann am 10. Juli am Flughafen Hamburg. Gemeinsam mit Kathleen Flessa traten wir die Reise über Dubai nach Lusaka an. Die gesamte Anreise verlief vollkommen reibungslos. Dr. Yvonne Plückebaum wartete bereits in Kabwe auf uns, da sie ihren Einsatz mit einem Urlaub in Simbabwe verbunden hatte.
Am Flughafen in Lusaka wurden wir von unserem äußerst freundlichen Fahrer empfangen, der uns nach Kabwe brachte. Schon während der Fahrt wurde deutlich, wie unterschiedlich der Straßenverkehr im Vergleich zu Deutschland ist. Linksverkehr, scheinbares Verkehrschaos und unzählige Menschen auf den Straßen – für uns war alles neu und unglaublich spannend zu beobachten. Umso beeindruckender war die ruhige und souveräne Fahrweise unseres Fahrers.
Ganz ohne Abenteuer verlief die Fahrt allerdings nicht: Mitten auf der Straße platzte plötzlich ein Reifen. Glücklicherweise ließ sich das Problem schnell beheben. Natürlich konnten wir als Zahnteam nicht anders und reichten unserem Fahrer kurzerhand unsere Instrumente an – eine ungewohnte, aber durchaus amüsante Form der Assistenz.
Ankommen in Twikatane
In unserer Unterkunft wurden wir herzlich von Jochen, dem Gründer der Twikatane School, seiner Frau Birgit sowie dem gesamten Team empfangen.
Besonders schnell lernten wir Rhoda kennen, die uns während unseres gesamten Aufenthaltes dreimal täglich mit frisch gekochtem Essen verwöhnte. Bereits am ersten Abend war klar: Rhoda ist eine außergewöhnlich talentierte Köchin. Jede Mahlzeit war mit viel Liebe zubereitet und einfach köstlich.
Nach einem langen Reisetag fielen wir müde, aber voller Vorfreude auf die kommenden zwei Wochen, ins Bett.
Vorbereitungen für den ersten Arbeitstag
Der Sonntag begann erneut mit einem fantastischen Frühstück. Anschließend nutzten wir den Tag, um unsere Materialien auszupacken, das Gelände zu erkunden und die Dental Clinic für den ersten Behandlungstag vorzubereiten. Die Behandlungseinheiten wurden überprüft, Instrumente sortiert und Materialien organisiert.
Außerdem bekamen wir bereits einen ersten Eindruck von Kabwe, besuchten einen Supermarkt sowie die örtliche Health Clinic. Besonders beeindruckt hat uns von Anfang an die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen im Compound. Überall wurden wir mit einem Lächeln begrüßt.
Der erste Behandlungstag
Am Montag lernten wir Moureen kennen. Eigentlich ist sie Hebamme in Kabwe, unterstützt mittlerweile jedoch die Dental Clinic in Twikatane. Vom ersten Moment an war klar, dass sie für unser Team unverzichtbar werden würde. Sie übersetzte, bereitete Instrumente auf und unterstützte uns während der gesamten Behandlungstage mit großem Engagement.
Bereits am ersten Arbeitstag behandelten wir rund 30 Patientinnen und Patienten.
Am Vormittag besuchten wir außerdem die gegenüberliegende Schule und verteilten unsere mitgebrachten Spenden. Dank eines Spendenaufrufs von Kathleen Kryzanovskij im privaten Umfeld, der großzügigen Unterstützung der Patientinnen und Patienten der Zahnwelt Hannover sowie zahlreicher Sachspenden und Einkäufe der Familie von Kathleen Flessa konnten wir Malbücher, Buntstifte, Kuscheltiere, Haarspangen, Spielfiguren und viele weitere Kleinigkeiten überreichen. – Die leuchtenden Kinderaugen waren für uns alle ein ganz besonderer Moment. Auch die Lehrerinnen und Lehrer zeigten sich überaus dankbar.
Am Abend stieß schließlich Dr. Leon Schmidt aus München zu unserem Team. Von Beginn an verstanden wir uns hervorragend. Da wir alle ungefähr im gleichen Alter waren, entwickelte sich schnell eine großartige Teamatmosphäre.
Routine in der Dental Clinic
Ab Dienstag arbeiteten wir zu viert. Kathleen und ich wechselten uns täglich ab und assistierten jeweils entweder bei Dr. Plückebaum oder Dr. Schmidt. Wir richteten zwei Behandlungsstühle in einem Raum ein und nutzten den Vorraum als Anästhesiebereich. Gemeinsam mit Moureen funktionierte die Organisation hervorragend.
Trotz begrenzter Behandlungsmöglichkeiten – unter anderem ohne Röntgengerät – konnten wir unseren Patientinnen und Patienten dank guter Teamarbeit stets bestmöglich helfen. Gemeinsam entwickelten wir individuelle Behandlungskonzepte und meisterten auch schwierige Situationen erfolgreich.
Die Ausstattung der Dental Clinic war insgesamt überraschend gut. Uns standen zwei Behandlungsstühle mit verstellbarer Kopfstütze, eine funktionierende Absauganlage mit großem und kleinem Sauger, eine P3-Cart-Einheit sowie mehrere mobile Koffereinheiten zur Verfügung. Auch an den wichtigsten Instrumenten mangelte es nicht, sodass wir sehr gut arbeiten konnten.
Gemeinsame Mittagspausen
Ein besonderes Erlebnis war das gemeinsame Mittagessen mit den Kindern und Lehrkräften der Schule. Dort lernten wir das traditionelle Gericht Nshima mit Bohnen und Salat kennen.
Wir durften sogar einen Blick in die Küche werfen und selbst versuchen, das Nationalgericht zuzubereiten. Schnell stellten wir fest: Es sieht deutlich einfacher aus, als es tatsächlich ist.
Kabwe entdecken
Neben unserer Arbeit blieb auch etwas Zeit, Kabwe kennenzulernen. Am Mittwoch besuchten wir den örtlichen Markt. Es war faszinierend zu sehen, welche Waren dort angeboten wurden. Auch hier begegneten uns die Menschen wieder mit großer Herzlichkeit.
Ein ganz besonderer Dank gilt Ezra, Bauingenieur in Twikatane. Er fuhr uns zu zahlreichen Orten, erklärte uns Land und Leute, passte stets auf uns auf und zeigte uns viele besondere Seiten Kabwes und Sambias.
Ausflüge am Wochenende
Am Freitag führte uns Ezra zum Mulingushi River. Schon die Anfahrt war ein Abenteuer, denn der Weg führte über äußerst holprige Straßen durch Gegenden, in denen wir kaum eine Straße vermutet hätten. Die Mühe wurde jedoch belohnt: Am Ende erwartete uns ein wunderschöner Fluss, den wir sogar mit einem Boot erkunden durften. Den Abend ließen wir gemeinsam bei einer Pizza in einem Restaurant ausklingen.
Der Samstag führte uns in einen Wildpark. Dort standen wir hinten auf einem Pick-up und konnten Giraffen, Büffel und viele weitere Tiere aus nächster Nähe beobachten – ein unvergessliches Erlebnis.
Am Sonntag nahm Ezra uns mit in seine Kirche. Der Gottesdienst ermöglichte uns einen sehr persönlichen Einblick in den Glauben und die Kultur der Menschen vor Ort. Wie überall wurden wir unglaublich herzlich aufgenommen und fühlten uns sofort willkommen.
Den Abend verbrachten wir zunächst beim gemeinsamen Pizzaessen während des WM-Finales und ließen ihn anschließend im Farm Resort gemütlich ausklingen.
Die zweite Einsatzwoche
Auch in der zweiten Woche warteten zahlreiche Patientinnen und Patienten auf unsere Hilfe. Wir behandelten alle Menschen, die zu uns kamen, bis schließlich keine Wartenden mehr vor Ort waren.
Zwischendurch besuchten wir außerdem die Dental Station des Krankenhauses in Kabwe. Dort wurden wir vom örtlichen Zahnarzt herzlich empfangen und erhielten einen interessanten Einblick in seine Arbeitsbedingungen.
Regelmäßig besuchten wir außerdem die Schule, führten Zahnputztrainings mit den Kindern durch und verteilten Zahnbürsten sowie Zahnpasta. Die Freude der Kinder war jedes Mal riesig, wenn wir auf den Schulhof kamen.
Im Laufe der zwei Wochen lernten wir auch immer mehr Wörter auf Bemba. Besonders Dr. Yvonne Plückebaum eignete sich viele Begriffe an, um sich während der Behandlung direkt mit den Patientinnen und Patienten verständigen zu können.
Gemeinschaft auch nach Feierabend
Nicht nur während der Arbeit funktionierten wir hervorragend als Team. Auch die Abende verbrachten wir fast immer gemeinsam. Wir saßen draußen zusammen, unterhielten uns, spielten Spiele und ließen die Erlebnisse des Tages Revue passieren.
Unsere Unterkunft ließ ebenfalls keine Wünsche offen. Jeder hatte ein eigenes Zimmer mit Moskitonetz. Zusätzlich standen uns zwei Badezimmer sowie eine kleine Küchenzeile zur Verfügung, die wir dank Rhodas hervorragender Verpflegung jedoch kaum benötigten.
Fazit
Die zwei Wochen in Sambia werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Wir waren fasziniert von den Menschen, ihrer Herzlichkeit, ihrer Lebensweise und der wunderschönen Umgebung. Die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten sowie das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde, haben uns tief beeindruckt.
Während unseres Einsatzes konnten wir insgesamt folgende Behandlungen durchführen: 223 Check-ups, 343 Extraktionen, 159 Füllungen, 6 Fissurenversiegelungen, 12 professionelle Zahnreinigungen, 23, 12 sonstige Behandlungen.
Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir als Team gemeinsam erreicht haben. Jeder Einzelne hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir so vielen Menschen helfen konnten.
Sambia habe ich schließlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen – glücklich über all die wertvollen Erfahrungen, aber traurig, diesen besonderen Ort und die wunderbaren Menschen wieder verlassen zu müssen.
Abschließend möchten wir der gesamten Organisation Twikatane sowie Zahnärzte ohne Grenzen unseren herzlichsten Dank aussprechen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie vielen Kindern durch die Schule eine Zukunft ermöglicht wird und wie gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen sowie die medizinische Versorgung der Menschen verbessert werden. Dieses Engagement verdient größten Respekt.
Natotela – Danke für diese unvergessliche Zeit.
Wir kommen gerne wieder.
Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln
Eine Bitte an geneigte Zahnärztinnen und Zahnärzte: Möchten Sie mit Ihrer Praxis Zahnärzte ohne Grenzen unterstützen und für uns – mit Einverständnis Ihrer Patienten – Altgold sammeln? Sie und Ihre Patienten unterstützen damit vor allem unsere zahnärztlichen Assistenzen und Zahntechniker, welchen wir aus dem Erlös Zuschüsse zu den Einsatzkosten gewähren können.
Wenn Sie uns unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an unseren Beauftragten für das Altgoldsammeln.






