Bericht von ZA Rudi Westenberg
Nach langer Vorfreude ging es am 19.09.2025 nach Togo zu unserem ehrenamtlichen Einsatz als Zahnärzte. Nach einer langen Anreise, mit einigen Schwierigkeiten, wie verspätete Koffer, kamen wir abends in Lomé, der Hauptstadt von Togo an. Netterweise wurden wir abgeholt vom Fahrer des „Hotels Petit Brussel“ und dorthin gebracht. Das Hotel war sehr schön und komfortabel. Leider waren wir zu müde und sind gleich schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen trafen wir unsere Teamkollegen, welche bereits am Vortag angereist waren, frühstückten gemeinsam, erkundeten das Hotel und kauften zum ersten Mal ein. Nachmittags trafen wir den Bürgermeister von Akèpé, der uns zum traditionellen Fufu-Essen eingeladen hat. Das schmeckte uns allen und war eine erste tolle Erfahrung mit der togolesischen Gastfreundschaft.
Anschließend besichtigten wir die Räumlichkeiten in Akèpé, wo unser Team die kommende Woche arbeiten würde. Der Raum, welcher an den Seiten offen und nicht klimatisiert war, befand sich in einem örtlichen Gesundheitszentrum. Die dentalen Einheiten waren sehr einfache, tragbare Geräte. Behandelt wurde hinter einer Schirmwand. Dann haben wir im Lager von PME Aimé Quamdessou die vorher zugesandten Materialien verteilt. Die eine Gruppe ging nach Aného und unser Team nach Akèpé. Abends haben wir gemeinsam gegessen und Pläne für den nächsten Tag besprochen. Wir haben beschlossen, nach Togoville zu fahren, das Zentrum des Voodoo-Glaubens in Westafrika. Abends holte ich zusammen mit Torko, dem Fahrer, unsere Koffer vom Flughafen und sammelte dabei auch noch Gosia und Anna ein, sodass die Gruppe komplett war.
Am nächsten Tag fuhren wir nach dem Frühstück nach Togoville. Wir bekamen erste Eindrücke vom bunten Leben in Togo. Unterwegs besuchten wir noch eine ehemalige Sklavenkontorei. Dort wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt und erklärt. Vor dem Überqueren des Togosees mit einem kleinen Holzboot haben wir uns noch eine frische Kokosnuss gegönnt, die Thomas organisierte.
In Togoville angekommen, wurden wir von einem Einheimischen dazu gedrängt, zum Ortsvorsteher zu gehen, um eine geführte Tour durch das Dorf zu machen, wozu wir uns anmelden sollten. Es stellte sich heraus, dass man nur Geld wollte. Nach einer ziemlich heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen Thomas und dem Ortsvorsteher, mit der Drohung dem Deutschen Botschafter davon zu berichten, war es plötzlich kostenlos. Die Führung war sehr interessant und wir konnten mehrere Voodookultstätten sehen. Auf dem Rückweg sind wir wieder mit dem Holzboot über den See und zurück ins Hotel gefahren.
Am nächsten Tag wurde die Gruppe getrennt. Ein Team bestand aus Anna Flütter und Gosia als ADH und ZÄ Katharina Schütz und Dr. Thomas Czekalla als Zahnärzte. Sie fuhren als erstes nach Aného in das CHP (Centre Hospitalier Prefectoral).
Unser Team bestand aus:
- ZA Rudi Westenberg (AD/GL)
- ZÄ Eng Tien Westenberg-Tan (AD)
- ZÄ Selina Rehm (AD)
- Bianca (Anka) Resch (ADH)
- Janette Riedel (ADH)
- Dörte Freiholz (ADH)

Anka, Janette und Dörte als ZFA, Selina als Oralchirurgin, sowie Eng Tien und ich als Zahnärzte. Wir sind als erstes nach Akèpé ins CMS (Centre Médico Social) gefahren. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und sind während unseres Einsatzes ein richtig tolles Team geworden.
Unser Einsatz in Akèpé war zwar anstrengend, aber auch sehr erfüllend. Die Patienten waren sehr mutig und auch dankbar für die Behandlungen. Diese erforderten zwar einiges an Improvisationstalent, aber gerade das hat mir persönlich viel Spaß gemacht. Die Atmosphäre war toll und auch die befürchteten Temperaturen ließen sich gut aushalten. Besonderer Dank gebührt den örtlichen Helferinnen und Helfern Rose, Milka, Komla und Emil. Ohne deren Hilfe hätten wir uns allein mit dem Übersetzen deutlich schwerer getan. Es wurde uns sogar togolesisches Essen zubereitet, welches für einige von uns zu scharf war, aber sehr gut geschmeckt hat. Als Anka krankheitsbedingt ausfiel, hat Rose die Assistenz übernommen. Für diese Flexibilität waren wir sehr dankbar.
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Am Donnerstag sind wir auf einen großen Markt gefahren, was ein sehr intensives Erlebnis für uns alle war. So viele Gerüche, Geräusche und Eindrücke haben auf uns eingewirkt. Komla und Emil haben uns begleitet und sehr gut auf uns aufgepasst. Anka und Janette haben dort Luftballons, Zahnpasta und Zahnbürsten an die Kinder verteilt.
Am Freitag ging es wieder zurück nach Lomé ins „Hotel Petit Brussel“, wo wir uns von den Strapazen erholen konnten und wieder auf den Rest des Teams trafen.
Am Samstag sind wir auf Einladung von Aimé zur Eröffnung eines neu gebauten Waisenhauses gefahren, welches von den Familien Petry und Marien gestiftet und vom Deutschen Botschafter Dr. Claudius Fischbach eröffnet wurde. Wir haben Geschenke für die Kinder mitgebracht, die leider noch nicht eingezogen waren. Anka hat zum Beispiel von einem Sponsor 20 Fußbälle gespendet bekommen, welche wir alle zusammen mit viel Freude überreicht haben.
Am Sonntag sind wir mit Kathi, Selina und Dörte ins „Palais de Lomé“ gefahren. Es war sehr interessant und auch der anliegende Park ist einen Besuch wert.
In der zweiten Woche ging es weiter nach Aného. Dort war es sehr angenehm, in klimatisierten Räumlichkeiten zu arbeiten. Auch die Einheiten waren deutlich besser als in Akèpe. Die Patienten waren aber auch hier mutig und dankbar.
Familiäre Gewalt und schnelle Hilfe
An diesem Montag hatte Selina eine Patientin, welche von ihrem Mann geschlagen wurde und wir leider einen Unterkieferbruch feststellen mussten.
Da diese Frau über keine finanziellen Mittel verfügte und das nur eine rudimentäre Behandlung mit vielen Spätfolgen bedeutet hätte, beschloss unser tolles Team, das Geld für die Operation zu spenden.
Wir hatten das Glück einen der drei Spezialisten in Togo Prof. Bissa hinzuzubitten, der dazu bereit war, die Patientin zu operieren. Unsere Kollegin Selina begleitete am 6.10. die Operation, da sie glücklicherweise noch in Togo war.
Am 1.10. folgten wir als Team einer Einladung des Deutschen Botschafters Dr. Fischbach zum informellen Abendessen zusammen mit Herrn und Frau Petry, Aimé und seiner Frau Antoinette. Es war ein sehr schöner Abend mit viel zu viel chinesischem Essen.
Am 2.10. war schon wieder unser letzter Tag in Aného und das bedeutete Abschied zu nehmen von den tollen Ortskräften, die uns so großartig unterstützt haben.
Am 3.10. bekamen wir aus meiner Sicht eine Belohnung, indem wir eine Schule besuchten, in der wir etwas über Zahnpflege erzählen konnten und wir unsere mitgebrachten Geschenke an die liebenswerten Kindern verteilen durften. Es war herzerwärmend. Am Abend fand ein Empfang in der Deutschen Botschaft zur Feier des Tages der Deutschen Einheit statt. Selina, Dörte, Kathi, Anna und Gosia nahmen daran teil.
Am 4.10. sind Kathi, Dörte, Selina und Eng Tien nochmal zum Grand Marché in Lomé gefahren, ehe es am Abend zurück nach Deutschland ging.
Im Rahmen unseres Einsatzes konnten wir 357 Patienten untersuchen und ihnen mit zusammen 539 Einzelleistungen, davon alleine 254 Extraktionen und 192 Füllungen Erleichterung verschaffen – für die Patienten kostenlos, versteht sich.
Fazit: Der Einsatz in Togo wird uns alle aufgrund der vielen positiven Eindrücke und den herzlichen Menschen noch lange beschäftigen. Das Gefühl, etwas bewirkt zu haben, die überragende Zusammenarbeit und der daraus entstandene Teamgeist erfüllen mich mit Freude, Dankbarkeit und Demut.
Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln
Eine Bitte an geneigte Zahnärztinnen und Zahnärzte: Möchten Sie mit Ihrer Praxis Zahnärzte ohne Grenzen unterstützen und für uns – mit Einverständnis Ihrer Patienten – Altgold sammeln? Sie und Ihre Patienten unterstützen damit vor allem unsere zahnärztlichen Assistenzen und Zahntechniker, welchen wir aus dem Erlös Zuschüsse zu den Einsatzkosten gewähren können.
Wenn Sie uns unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an unseren Beauftragten für das Altgoldsammeln.



