Bericht von Catharina Hellmuth

Das erste Mal, dass mein Chef mit Kolleginnen an einem Hilfseinsatz teilgenommen hat war 2023. Von da an stand für mich fest: ich möchte auch unbedingt einmal dabei sein! 

Anfangs der Herbstzeit 2026 hatte ich dann endlich die besondere Gelegenheit, mit meinen Kolleginnen und meinem Chef, einen zahnmedizinischen Hilfseinsatz auf den Kapverdischen Inseln, genauer gesagt auf der Insel Santiago in der Hauptstadt Praia, zu absolvieren. Für mich war es, seit ich von „Zahnärzte ohne Grenzen“ erfahren habe, ein Muss, diese Erfahrung für mein Leben mitzunehmen und den Menschen dort zu helfen! 

Unser Team bestand aus: 

  • Dr. Stefan Eckardt (GL/AD)
  • ZÄ Anja Herderich (AD)
  • Sira Yildirim (ADH)
  • Carina Stenskji (ADH)
  • und mir, Catharina Hellmuth (ADH)

Wir sind bereits ein eingespieltes Team, denn wir arbeiten alle in derselben Praxis in Bad Windsheim – die „Zahnärzte am Neumühlenweg“. Das war natürlich mit allen neuen Eindrücken und Herausforderungen ein großer Vorteil für uns – und dennoch nicht immer leicht! Man muss raus aus seiner Komfortzone, flexibel sein und oft auch improvisieren. – Ein paar Tage Eingewöhnung und man findet sich super zurecht. 

Begonnen hat unsere Reise mit der Ankunft in Praia, die leider nicht so reibungslos verlief, wie wir erhofft hatten. Aber dennoch sind wir alle sicher und gut in unserer Unterkunft, JC Casa, bei Charles angekommen. Es war mitten in der Nacht, wir wurden vom Nachtwächter empfangen und in unsere Zimmer gebracht. Charles‚ Angestellte haben – trotz Verständigungsschwierigkeiten – sich stets freundlich und bemüht um unsere Anliegen gekümmert. 

Los geht’s mit der Arbeit: 

Wir wurden jeden Tag pünktlich von unserem Fahrer an der Unterkunft abgeholt und zur Arbeit in der Fazenda gefahren. Dort wurden wir am ersten Tag von Agatha (Zahnärztin vor Ort) und Gerusa (Agathas Assistentin) herzlich begrüßt und in der gesamten Zeit unseres Aufenthaltes bei den Behandlungen, aber auch in der Freizeit, sehr gut unterstützt und begleitet!

Zunächst begann die Arbeit erst einmal damit, dass wir uns in unserem Behandlungsraum zurechtfinden mussten: Wo steht was, welche Materialien stehen uns zur Verfügung etc.? Wir haben aufgebaut, uns alles zurechtgelegt, ausgepackt was wir mitgebracht haben und dann direkt losgelegt! 

Täglich haben wir ca. 15 – 35 Patienten behandelt, manche waren für Kontrollen und Reinigungen bei uns, die meisten jedoch wegen starken Beschwerden, zerstörten Zähnen oder großen kariösen Läsionen. Wir haben alle Patienten individuell behandelt, manche sogar ein paar Tage später noch einmal, da der Behandlungsbedarf sehr umfangreichend war.

Alle Patienten waren sehr herzlich und überaus dankbar, was für mich persönlich eine sehr schöne Erfahrung war, denn ein solches Maß an Dankbarkeit ist nicht selbstverständlich!

Mittags wurden wir von der Organisation mit Essen versorgt – immer unterschiedlich, mal Fisch, mal Fleisch, aber der Reis durfte nie fehlen – und nach der Arbeit wurden wir von unserem Fahrer wieder in die Unterkunft gebracht, das verlief immer reibungslos. 

Mein persönliches Highlight während der gesamten Zeit auf den Kapverden war definitiv der Besuch in der Schule! Am Freitag fuhren wir zusammen mit Agatha und Gerusa in eine Schule, dort haben wir – mit viel Hilfe von Agatha – den Kinder alles rund um die richtige Zahnpflege erklärt. Im Anschluss verteilten wir an die Kinder noch Zahnbürsten und verschiedene kleine Geschenke, die wir mitgebracht hatten.

Es war ein sehr emotionaler Moment für unser Team. Die Kinder waren überaus dankbar, haben dies mit Umarmungen, High Fives und mit einem Strahlen im Gesicht gezeigt.

Das war definitiv mit eine der schönsten und emotionalsten Erfahrungen, die ich bisher sammeln durfte! 

Agatha hat uns an diesem Nachmittag auch einen Einblick in das „Cedeia Central de Praia“ ermöglichen können – ein unvergleichbarer und unvergesslicher Einblick hinter die Kulissen eines Gefängnisses.

Freizeit & Wochenende: 

Die Freizeitgestaltung gestaltete sich in der ersten Woche etwas schwierig, aufgrund des schlechten Wetters. Es hat viel geregnet und wir haben die Nachmittage mit Lesen oder Entspannen verbracht. Am Dienstag ließ es das Wetter dann größtenteils zu, ins Stadion zu einem Qualifikationsspiel für den Africa-Cup zu gehen – definitiv ein weiteres Highlight für mich! Das erste Mal im Stadion – und das auf den Kap Verden – Mega-Stimmung, gerne wieder! 

Ansonsten haben wir die Stadt Praia erkundet, sind zum Plateau spaziert, auf den Markt gegangen und haben die verschiedensten Restaurants ausprobiert. 

Am Wochenende buchten wir über GetYourGuide Ausflüge. Wir waren bei Mama Lusia Couscous kochen und Fidjós backen – sehr lecker! Wir haben getanzt und hatten eine sehr schöne Zeit dort. – Definitiv zu empfehlen! Danach besichtigten wir eine Bananen Plantasche besichtigt und probierten eine frische Kokosnuss. 

Eine Insel-Tour zum Strand in Tarrafal stand auch auf dem Programm, mit verschiedenen Fotostopps. Wir haben uns Cidade Velha angesehen und von unserem Guide einiges über die Inseln erfahren. Ein Zwischenstopp bei den Nature-Pools musste sein, Auf dem Rückweg ging es die Küste entlang, mit einzigartiger Aussicht und Natur; sehr schön, leider aber auch ziemlich schmutzig. Trotzdem gerne wieder und definitiv eine sehenswerte Erfahrung! 

Unsere Leistungen im Überblick: 

Wir haben insgesamt 152 Patienten behandelt, 48 Füllungen gelegt, 150 Zähne entfernt, 72 Kontrollen und 76 Reinigungen durchgeführt. 

Fazit: 

Unser Einsatz war voller Herausforderungen, Dankbarkeit, Offenheit mit vielen emotionalen Momenten! Wir konnten den Menschen dort auf Augenhöhe begegnen, Ihnen helfen und haben dafür sehr viel Dankbarkeit erfahren.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich wie Menschen, denen es deutlich schlechter geht als uns, trotzdem stets mit Gastfreundschaft, Freundlichkeit und einer gewissen Leichtigkeit durchs Leben gehen. Das kapverdische Motto „No Stress!“ finde ich super, es lässt die Leute trotz dessen, dass sie weniger haben, glücklicher und leichter wirken und ich hoffe ich konnte mir davon ein bisschen abschauen! Die Erfahrungen und Eindrücke, die ich dort sammeln durfte, haben definitiv mein Leben bereichert! 

Vielen Dank an alle Menschen, die wir dort kennen lernen durften! 

Ein besonders großes Dankeschön an Agatha und Gerusa, die uns stets zur Seite standen! – Ja, ich habe definitiv vor wieder auf einen Hilfseinsatz zu gehen!


Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln

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