Bericht von Hannah Pfütz

Hilfseinsatz vom 5. bis 15. Oktober 2026


Anreise und Vorbereitung

Nach einem Inlandsflug von Daressalam nach Songea wurden wir dort bereits von einem Fahrer des Litembo Hospitals erwartet. Mit einem Jeep ging es anschließend weiter nach Litembo auf über 1.500 Höhenmeter. Die rund zweistündige Fahrt führte zunächst über befestigte Straßen und später über unwegsames Gelände. Spätestens hier wurde uns klar: Dieser Einsatz würde ein Abenteuer werden.

Nach unserer Ankunft begannen wir gemeinsam mit Dr. Joachim Henjewele, dem Zahnarzt des Litembo Hospitals, mit den Vorbereitungen für die kommenden Einsatztage. Wir sichteten die vorhandenen Materialien der Zahnstation und stellten zusammen, welche Instrumente, Verbrauchsmaterialien und Hilfsmittel wir aus Deutschland mitgebracht hatten.

Unser Team bestand aus:

  • Dr. Heribert Königer (GL/AD),
  • Dr. Ivo Pfütz (AD)
  • Ärztin Barbara Spohn-Königer (als ADH)
  • Hannah Pfütz (ADH)

Zusätzlich waren weitere medizinische Fachkräfte mit den Schwerpunkten Augenheilkunde, Gynäkologie und Innere Medizin im Einsatz. Eine Ordensschwester führte außerdem Ultraschalluntersuchungen durch. Unser zahnmedizinisches Team wurde durch Dr. Joachim Henjewele vom Litembo Hospital unterstützt.

Die vier deutschen Teammitglieder verfügten bereits über umfangreiche Einsatzerfahrung in Asien und Afrika, sodass die Abläufe schnell eingespielt waren. Bereits vor zehn Jahren war das Team in dieser Konstellation gemeinsam in Sambia tätig gewesen.

Mit zwei Jeeps machten wir uns auf den Weg zu den verschiedenen Einsatzorten: Kigonsera, Litumbandyosi, Kingoli, Luhagara, Namswea und Kuhamba.

Sechs Tage zahnmedizinischer Einsatz im Outback

Für unsere mobile zahnmedizinische Versorgung hatten wir ein umfangreiches Equipment dabei. Neben Zangen und Hebeln für Zahnextraktionen gehörten auch Füllungsmaterialien, Medikamente wie Ibuprofen, Paracetamol und Antibiotika zu unserer Ausstattung. Darüber hinaus standen uns zwei Liegen, ein tragbarer Thermodesinfektor und eine Dentalone als Behandlungseinheit zur Verfügung.

Ein Teil dieser Ausstattung war bereits im Vorfeld durch Zahnärzte ohne Grenzen nach Tansania gebracht worden. Dadurch konnten wir unter den örtlichen Bedingungen deutlich besser arbeiten. Da drei Zahnärzte zum Team gehörten, improvisierten Dr. Ivo Pfütz und seine Assistenz Hannah Pfütz an einigen Einsatzorten und nutzten einen einfachen Holzstuhl als Behandlungsstuhl.

Die einzelnen Stationen lagen teilweise ein bis zwei Stunden Fahrt voneinander entfernt. Behandelt wurde häufig in Kirchen, die ausreichend Platz für unsere Arbeit boten und uns ermöglichten, möglichst viele Menschen zu versorgen.

Leider waren zahlreiche Zähne nicht mehr zu erhalten und mussten extrahiert werden. Besonders betroffen waren Kinder, bei denen die ersten bleibenden Molaren bereits stark kariös waren. Auch Wurzelreste gehörten zu den häufigen Befunden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass einige Zähne durch eine frühzeitige Behandlung mit einer Füllung hätten erhalten werden können, bevor sie so stark geschädigt waren, dass nur noch eine Extraktion möglich war.

Neben der eigentlichen Behandlung war uns auch die Aufklärung zur Mundgesundheit wichtig. Wo es möglich war erhielten Patienten zu der Zahnbürste eine kurze Einweisung in die richtige Zahnpflege. Dabei wurde deutlich, dass vielen Menschen grundlegende Hilfsmittel und Kenntnisse zur Mundhygiene bislang nicht ausreichend zur Verfügung standen.

In den sechs Tagen konnten wir mehr als 400 Patienten zahnmedizinisch versorgen – eine intensive und zugleich sehr eindrucksvolle Zeit.

Arbeit im Litembo Hospital

Im Anschluss verbrachten wir weitere vier Tage im Litembo Hospital. Nach den täglichen Fahrten zu wechselnden Einsatzorten war es angenehm, für einige Tage am selben Ort arbeiten zu können.

Dort erhielten wir spannende Einblicke in die Behandlung von Kieferfrakturen durch Dr. Joachim Henjewele. Da es in der Region häufig zu Motorradunfällen kommt, gehören entsprechende Verletzungen zum klinischen Alltag. Besonders beeindruckend war es, seine fachliche Erfahrung und sein Geschick bei diesen anspruchsvollen Behandlungen erfahren zu können.

Da das Patientenaufkommen während unseres Aufenthalts teilweise überschaubar war, nutzten wir die Zeit zusätzlich, um defekte Geräte zu reparieren und die vorhandene Ausstattung wieder funktionsfähig zu machen. Dazu gehörten unter anderem die Absauganlage eines Behandlungsstuhls, der Kompressor und die Wasserzufuhr der Handstücke. So konnten wir auch über die unmittelbare Patientenversorgung hinaus einen Beitrag zur zahnmedizinischen Arbeit vor Ort leisten.

Ein besonderer Dank gilt Pater Rafael, der uns herzlich in Litembo empfangen hat. Durch seine Unterstützung und die umfassende Organisation vor Ort wurde dieser Einsatz überhaupt erst möglich.

Ein besonderes Highlight

Eines unserer schönsten Erlebnisse hatten wir bereits zu Beginn des Einsatzes. Am Sonntag besuchten wir den Gottesdienst in Litembo und wurden dort der Gemeinde vorgestellt.

Der Gottesdienst war geprägt von einem beeindruckenden Chor, mitreißender Musik und einer offenen, herzlichen Atmosphäre. Die Menschen bezogen uns unmittelbar ein, und schon bald wurde gemeinsam gelacht und getanzt. Dieser besondere Moment ermöglichte uns einen persönlichen Einblick in die lokale Kultur und Gastfreundschaft. Es war eine Begegnung, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Hinweise für zukünftige Einsatzteams:

Aus unseren Erfahrungen möchten wir zukünftigen Teams einige praktische Hinweise mitgeben:

Zusätzliches Gepäck in Daressalam:

Wer weiteres Gepäck benötigt, sollte sich vor dem Check-in am Schalter von Air Tanzania außerhalb von Terminal 2 nach den Preisen erkundigen. Nach unserer Erfahrung war die Buchung dort deutlich günstiger als direkt am Check-in-Schalter.

Füllungsmaterial mitnehmen:

Neben den zahlreichen notwendigen Zahnextraktionen gab es viele Zähne, die konservierend mit Füllungsmaterial versorgt werden konnten. Daher ist eine ausreichende Menge an Komposit Materialien anzuraten.

Resorbierbare Nähte:

Da man nur für kurze Zeit im Outcamp arbeitet, ist es ratsam resorbierbares Nahtmaterial im Gepäck mitzuführen.

Auf unterschiedliche Einsatzbedingungen vorbereitet sein:

Die langen Fahrtzeiten zwischen den Orten und die teilweise improvisierten Behandlungsbedingungen erfordern Flexibilität und Kreativität. Eine gut durchdachte Ausstattung erleichtert die Arbeit erheblich.

Tansania Versicherung:

Ab dem 1. Oktober 2026 muss man eine zusätzliche Kran­ken­ver­si­che­rung für Tansania abschließen. Diese kann man im Vorfeld online erwerben         

Fazit

Die elf Tage Einsatz in Tansania waren geprägt von intensiver zahnmedizinischer Arbeit, besonderen Begegnungen und vielen neuen Eindrücken.

Die Versorgung von nahezu 500 Patienten und über 600 Extraktionen während der Einsatztage hat uns eindrücklich vor Augen geführt, wie groß der Bedarf an zahnmedizinischer Behandlung in der Region ist.

Gleichzeitig haben wir erlebt, wie viel sich mit einem engagierten Team, guter Vorbereitung und der Bereitschaft, auch unter einfachen Bedingungen Lösungen zu finden, erreichen lässt.

Wir kehren mit neuen Erfahrungen und gut gefülltem Magen durch das leckere und abwechslungsreiche Essen nach Deutschland zurück.


Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln

Eine Bitte an geneigte Zahnärztinnen und Zahnärzte: Möchten Sie mit Ihrer Pra­xis Zahnärzte ohne Grenzen unterstützen und für uns – mit Einverständnis Ihrer Patienten – Altgold sammeln? Sie und Ihre Patienten unterstützen damit vor allem unsere zahnärztlichen Assistenzen und Zahntechniker, welchen wir aus dem Erlös Zuschüsse zu den Einsatzkosten gewähren können.

Wenn Sie uns unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an unseren Beauftragten für das Altgoldsammeln.

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