Bericht von Carina Stenskij
Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Sira Yildirim und Catharina Hellmuth sowie unserer Zahnärztin Anja Herderich und unserem Chef, Dr. Stefan Eckardt durfte ich, Carina Stenskij, vom 26. September bis 11. Oktober 2026 meinen ersten Einsatz mit Zahnärzte ohne Grenzen auf den Kapverden erleben.
Einige meiner Kolleginnen waren bereits 2023 auf den Kapverden und 2024 in Sambia im Einsatz. Durch ihre Erzählungen und Erfahrungen hatte ich schon einen kleinen Einblick bekommen, was mich bei einem solchen Hilfseinsatz erwarten könnte. Umso mehr freute ich mich auf die Möglichkeit, dieses Jahr selbst dabei zu sein.
Da wir alle in einer gemeinsamen Zahnarztpraxis arbeiten, kannten wir uns bereits gut und konnten uns gemeinsam auf die Reise vorbereiten.
Vor meinem ersten Einsatz war ich natürlich aufgeregt und hatte auch großen Respekt vor dem, was mich erwarten würde. Gleichzeitig freute ich mich sehr darauf, eine andere Kultur kennenzulernen und zu erleben, wie unterschiedlich die zahnmedizinische Arbeit im Vergleich zu Deutschland sein kann.
Besonders beschäftigte mich der Gedanke, Menschen zu begegnen, die nicht so viele Möglichkeiten haben wie wir und ihnen mit unserer Arbeit helfen zu können.
Anreise und Eindrücke
Unsere Reise führte uns von Frankfurt zunächst nach Lissabon und von dort weiter auf die Insel Santiago. Die gesamte Anreise verlief problemlos und wir kamen gut auf den Kapverden an.
Untergebracht waren wir in der Unterkunft JC Casa bei Charles in Praia.
Besonders schön war, dass uns die Angestellten jeden Morgen liebevoll vorbereitetes Frühstück vorbereiteten. Trotz sprachlicher Verständigungsschwierigkeiten waren sie immer freundlich und herzlich.
Mittags bekamen wir in Fazenda, dem Stadtteil, in dem wir arbeiteten, unser Essen. Am Abend ließen wir den Tag meistens gemeinsam in den schönen Restaurants am Meer ausklingen.
Unser Arbeitsalltag in Fazenda
Zu Beginn mussten wir uns erst einmal zurechtfinden und unseren Arbeitsplatz vorbereiten. Wir sortierten unserer mitgebrachten Instrumente und Materialien und verschafften uns einen Überblick darüber, was bereits vor Ort vorhanden war.
Mit den Ärztinnen die im Einsatz vor uns gewesen waren, standen wir noch in Kontakt. So konnten wir erfahren, welche Materialien vorhanden waren und was möglicherweise noch fehlte.
Die Arbeitsbedingungen waren natürlich anders als in Deutschland. Moderne Geräte standen uns nicht zur Verfügung und wir mussten uns auf eine einfachere Ausstattung einstellen. Auch Stromausfälle kamen einige Male vor. Grundsätzlich konnten wir aber gut Arbeiten. – Wir konnten täglich ca. 15 – 35 Patienten behandeln. Die meisten Patienten kamen zu uns mit starken Beschwerden und kariösen Stellen. Wir konnten auch einige Kontrollen und Reinigungen durchführen.
Auch unsere kleinen Patienten konnten wir gut behandeln und ihnen die ersten Erfahrungen beim Zahnarzt ermöglichen. Gerade bei Kindern war uns wichtig die Angst zu nehmen und die Behandlung möglichst positiv zu gestalten, mit großer Unterstützung von Aghata und Gerusa.
Als kleine Belohnung durften sich die Kinder nach ihrer Behandlung natürlich ein Spielzeug aus unseren mitgebrachten Sachen aussuchen. Die Freude darüber war jedes Mal wunderschön anzusehen und zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht. Diese kleinen Begegnungen werden mir besonders in Erinnerung bleiben.
Mit der Zeit konnten wir uns einige portugiesische Wörter aneignen und so ein wenig mit den Patienten kommunizieren.
Aus meiner Sicht als Zahnmedizinische Fachangestellte war es besonders interessant, die Zahngesundheit vor Ort mit der Situation in Deutschland zu vergleichen.
Die Zähne der Patienten empfand ich teilweise als sehr robust. Auch die Zahnwurzeln waren häufig erstaunlich lang. Bei manchen Zahnziehungen mussten wir deshalb ordentlich kämpfen. Erschwerend kam hinzu, dass wir keine Röntgenaufnahmen anfertigen konnten.
Gleichzeitig hatten wir viele Patienten mit Karies und teilweise vollständig zerstörten Zähnen. Nicht selten mussten bei einem Patienten gleich mehrere Zähne entfernt werden.
Es kamen aber auch Patienten zur Vorsorge und zur professionellen Zahnreinigung zu uns. Einige der Patienten gehen eher selten oder waren noch nie zuvor bei einem Zahnarzt.
Begegnung in der Schule und im Gefängnis
Mein persönliches Highlight und emotionalste Erfahrung während des Einsatzes war ein besonderes Erlebnis: unser Besuch in einer Schule. Am Freitag sind wir mit Aghata und Gerusa zusammen in die Schule gefahren, dort durften wir ca. vier Klassen besuchen und den Kindern zeigen, wie wichtig die richtige Zahnpflege ist. Außerdem verteilten wir Zahnbürsten und kleine Geschenke.
Die Kinder waren unglaublich aufmerksam, neugierig und voller Freude. Obwohl wir nicht dieselbe Sprache sprechen, konnten wir uns mit Gesten und ganz viel Lächeln verständigen und natürlich der großen Hilfe von Aghata und Gerusa. Es war schön zu sehen, mit wie viel Begeisterung sie dabei waren und wie offen sie uns begegneten.
Was diesen Besuch für uns jedoch unvergesslich gemacht hat, war der Abschied. Die Kinder kamen auf uns zu, umarmten uns ganz fest und bedankten sich auf ihre eigene, liebevolle Weise. Die herzlichen Umarmungen kamen unerwartet und haben uns mitten ins Herz getroffen. In diesem Moment wurde mit bewusst, dass es manchmal gar nicht viel braucht, um etwas zu bewirken. Ihre Freude, ihre Dankbarkeit und diese ehrlichen Begegnungen haben uns unglaublich berührt.
Für mich war es einer der emotionalsten Momente des gesamten Einsatzes, ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde und ich denke da kann ich für unser Team auch mitsprechen.
Auch das Gefängnis Cadeia Central de Praia durften wir besuchen und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Mittwochs behandelten wir auch Insassen. Die Zahnärztin Aghata lässt dort gerade ein Behandlungszimmer einrichten. Leider war es während unseren Einsatzes nicht möglich die Behandlungen direkt im Gefängnis durchzuführen. Wir bekamen aber die Gelegenheit, die Einrichtung von innen kennenzulernen.
Während unseres gesamten Einsatzes wurden wir von der Zahnärztin Aghata und ihrer Assistentin Gerusa begleitet. Beide unterstützen uns sowohl in der Praxis als auch in der Schule und im Gefängnis. Besonders bei der Verständigung und im Umgang mit den Patienten waren sie eine große Hilfe. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar.
Unsere Freizeit – Santiago entdecken
Neben der Arbeit blieb zum Glück auch Zeit, die Insel Santiago und ihre Menschen besser kennenzulernen. Gerade diese Mischung aus Helfen, gemeinsamen Erlebnissen und dem Entdecken einer neuen Kultur machte den Einsatz für mich besonders.
In der ersten Woche spielte das Wetter leider nicht ganz so mit. Trotzdem ließen wir uns die Stimmung nicht verderben und besuchten am Dienstagnachmittag, nach der Arbeit, ein Fußballspiel. Cabo Verde spielte gegen Ruanda im Rahmen des Africa-Cups. Die Stimmung im Stadion war unglaublich! Das Publikum war begeistert und natürlich haben auch wir mitgefiebert. Das war eine tolle Erfahrung.
Ansonsten erkundeten wir häufig Praia. Wir gingen spazieren, besuchten Märkte, kaufen kleine Mitbringsel und ließen die Abende in den Restaurants am Meer ausklingen.
Das gesamte Wochenende verbrachten wir mit Ausflügen. Am Samstag besuchten wir Mama Luisa. Sie zeigte uns, wie man Couscous zubereitet und Fidjos backt. Anschließend durften wir diese Köstlichkeiten zusammen mit Kaffee und Tee probieren.
Besonders schön war auch das gemeinsame Miteinander. Einheimische machten Musik, wir tanzten zusammen und es herrschte eine unglaubliche Stimmung.
Anschließend ging es weiter zu einer Bananenplantage. Zum Abschluss durfte natürlich eine frisch geöffnete Kokosnuss nicht fehlen, die wir gemeinsam probierten.
Am Sonntag machten wir uns auf den Weg zum Strand von Tarrafal. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis, den unterwegs legten wir mehrere Fotostopps ein. Außerdem besichtigten wir Cidade Velha und erfuhren dort mehr über die Geschichte der Insel.
Am Strand von Tarrafal hatten wir ungefähr zwei Stunden Aufenthalt. Wir nutzen die Zeit zum Baden und Sonnen und genossen einfach die wunderschöne Umgebung.
Für die Rückfahrt wählten wir eine andere Route entlang der Küste. So konnten wir noch einmal ganz andere Landschaften und die beeindruckende Natur der Insel Santiago entdecken. Diese Landschaft war für mich etwas ganz Besonderes. So etwas Schönes hatte ich vorher noch nie gesehen. Dieser Ausflug wird mir definitiv lange in Erinnerung bleiben.
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Unsere Leistungen:
Insgesamt konnten wir während unseres zweiwöchigen Einsatzes gemeinsam 152 Patienten behandeln. Dabei wurden 48 Füllungen gelegt, 150 Zähne entfernt, 72 Kontrollen und 76 Reinigungen durchgeführt.
Hinter diesen Zahlen stehen viele Begegnungen, Gespräche und Menschen, denen wir hoffentlich ein Stück weiterhelfen konnten.
Mein persönliches Fazit und Dankeschön
Mein erster Einsatz mit Zahnärzte ohne Grenzen hat meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Vor der Reise konnte ich mir nur schwer vorstellen, was mich tatsächlich erwarten würde und natürlich hatte ich auch großen Respekt davor. Rückblickend war es einer der schönsten Eindrücke und Momente meines Lebens. Die Dankbarkeit der Menschen geht einem wirklich ans Herz und bereichert einen selbst mindestens genauso sehr, wie man glaubt, anderen geholfen zu haben.
Am meisten beeindruckt hat mich die Dankbarkeit, Freundlichkeit und Leichtigkeit der Menschen. Viele haben nicht viel und sind trotzdem unglaublich dankbar. Das Motto auf Kap Verde „No Stress!“ passt einfach wunderbar zu ihnen. Diese entspannte und herzliche Art hat mich sehr beeindruckt.
Ich nehme definitiv etwas mit nach Hause: mehr Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben und die Erkenntnis, dass man vieles, was für uns selbstverständlich ist, viel mehr schätzen sollte.
Ein ganz besonderer Dank geht an die Menschen auf den Kapverden, die wir kennenlernen durften. Ebenso ein großes Dankeschön an Aghata und Gerusa. Sie haben uns während des gesamten Einsatzes so großartig unterstützt, begleitet du uns vieles erleichtert.
Zahnärzte ohne Grenzen bittet um Unterstützung:
Altgoldsammeln für ein neues Kinderlächeln
Eine Bitte an geneigte Zahnärztinnen und Zahnärzte: Möchten Sie mit Ihrer Praxis Zahnärzte ohne Grenzen unterstützen und für uns – mit Einverständnis Ihrer Patienten – Altgold sammeln? Sie und Ihre Patienten unterstützen damit vor allem unsere zahnärztlichen Assistenzen und Zahntechniker, welchen wir aus dem Erlös Zuschüsse zu den Einsatzkosten gewähren können.
Wenn Sie uns unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an unseren Beauftragten für das Altgoldsammeln.





